Welch ungewohnter Anblick in den letzten Monaten … fröhliche Musik klingt vom Vereinshaus durchs ganze Dorf, viele kleine Grüppchen aus Menschen jeden Alters füllen den Festplatz, lautes Kinderlachen ertönt von der stets vollbesetzten Hüpfburg. Am 25. September 2021 fand endlich wieder ein Dorffest in Neuendorf statt.
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Nachdem in diesem Sommer zur eigentlichen Sommersonnenwende und dem traditionellen Termin aufgrund der bekannten Lage ein Dorffest zu unsicher schien, grübelten die Mitglieder des Dorfvereins seit August, ob und wie diese jährliche Feier zum Erhalt der Dorfgemeinschaft stattfinden könnte und dann wurde in nur knapp 4 Wochen Vorbereitungszeit so einiges auf die Beine gestellt.
Für jeden sollte etwas dabei sein. Hüpfburg und Kinderprogramm für die kleinen, Kaffee und Kuchen für die, die sich einfach mal wieder in größerer Runde unterhalten wollten, oder für alle, die es lieber deftig mögen, sollte ein Foodtruck die Verköstigung übernehmen. Außerdem wollte sich die Feuerwehr um alle technisch begeisterten kümmern und für die Sicherheit sorgen.
Innerhalb kürzester Zeit wurde so ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Nur das Wetter wollte nicht ganz mitspielen, regnete es gerade in der letzten Woche vorm Dorffest doch besonders viel.
So wurde zur Sicherheit bereits am Freitagabend gemeinsam mit dem Dorfverein und den Kameraden der Neuendorfer und Griebenower Feuerwehr für den Regenfall ein Zelt auf dem Festplatz aufgestellt, das von den Frauen des Dorfvereines herbstlich geschmückt wurde. Über Nacht legten dann die Spinnen noch etwas Altweibersommercharme auf und spannen ihre Netze. Das sah am nächsten Tag im Sonnenlicht wunderschön aus und passte wunderbar zum kalendarischen Herbstanfang.
Leider wollte sich das herbstliche Wetter der vergangenen Tage auch am Festtag selbst fortsetzen und so regnete es am Vormittag noch die ein oder andere Wolke leer. Dann aber hatte die Sonne ein Einsehen mit den Neuendorfern und zeigte sich von ihrer besten Seite und strahlte über das fröhliche Treiben auf dem Festplatz.
Pünktlich um 15 Uhr eröffnete Marion Quaas das Dorffest mit den treffenden Worten: “Sommersonnenwende einmal anders! Schön, dass wir endlich mal wieder auf diese Weise zusammenkommen dürfen!“. Sie lud alle ein, sich nach Lust und Laune zu unterhalten und den Nachmittag in Neuendorf zu genießen und bedankte sich bei allen, die zum Dorffest beigetragen hatten.
Dann begann das lustig bunte und fröhlich lehrreiche Mitmachprogramm von Lilli Wünschebaum. Vorbei an Palmen, Giraffen und Elefanten erlebten die Kinder und Eltern den Kontinent Afrika auf spielerische Art. Wenn man so will - eine Aktivsafari durch die Süderholzer Savanne.
So wissen wir nun, wie Giraffe, Elefant und Löwe auf Suaheli ausgesprochen werden und lernten, welche Früchte aus Afrika kommen. Hier möchte das Süderholzer Blatt seinem „Lehrauftrag“ nachkommen und eine kleine Richtigstellung vornehmen. Denn, auch wenn es Avocados in Afrika durchaus gibt, kommen doch die meisten der braun-grünen Früchte aus Mexico und Südamerika. Kenia kommt „erst“ an sechster Stelle in der Weltproduktion. Und Twiga, Simba und Tembo heißen Giraffe, Löwe und Elefant in ihrer Heimatsprache. Soll mal jemand sagen, dass man bei uns nichts lernen kann.
Lilli Wünschebaum führte die Kinder von den Wüsten zu den Palmenoasen und das keineswegs stillsitzend. Alle waren aufgefordert, mitzumachen: Mamas, ersatzweise Omas und einige „Papakrokodile“ wurden gesichtet, während es durch den Dschungel des Neuendorfer Festplatzes ging.
Auch das Tanzen kam nicht zu kurz. Vom bekannten Ententanz über den afrikanischen Sonnentanz bis hin zum Kulttanz Jerusalema wurde das Tanzbein ordentlich geschwungen. Nach guten 1,5 Stunden neigte sich die Afrikareise ihrem Ende und alle Safariteilnehmenden löschten ihren Durst und stärkten sich mit Kuchen und Bratwurst oder kühlten sich mit einem Eis ab.
Das Gebäck hatten die fleißigen Dorfbewohnerinnen beigesteuert und mal ehrlich - diese leckeren Köstlichkeiten sind für viele der heimliche Star auf den Dorffesten. Da lohnt es sich, bei manchen Kuchen schnell zu sein, bevor man leer ausgeht. Guten Kaffee gab es auch dazu. Bratwurst und Eis kamen wie schon oft von Bastis Foodtruck und fanden ebenfalls großen Anklang.
Viele unserer junggebliebenen Senior*innen gönnten sich ein Kaffeegedeck im Sonnenschein und klönten über dit und dat und Hinz und Kunz. So waren alle Altersgruppen zusammen und die Dorfgemeinschaft komplett. Doch nicht nur Neuendorfer waren gekommen, auch viele extra angereiste mischten sich unters bunte Volk.
Nach dem Auffüllen der Energietanks konnten die Kinder nun wieder die Hüpfburg besetzen, Seifenblasen in den Himmel schicken, ihre Gesichter bunt anmalen lassen und am Basteltisch kreativ werkeln.
Für Ordnung, Technik und Strom am Platz sorgte die Neuendorfer Feuerwehr. Mit ihrem HLF 20 (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) waren die Kameraden vor Ort ein Magnet für alle technisch begeisterten. Da wurden die imposanten Werkzeuge bestaunt und teilweise demonstriert. Wer wollte, durfte auf dem Fahrersitz oder der Rückbank Platz nehmen und im wahrsten Sinne des Wortes mal ein wenig Feuerwehrluft schnuppern. Alt und Jung, Groß und Klein waren interessiert und probierten das ein oder andere Gerät auch mal selbst aus. Vor allem der „Windmacher“ (oder Hochleistungslüfter auf „feuerwehrisch“) und der Lichtmast kamen oft zum Einsatz.
Gegen 18 Uhr wurde dann das Sommersonnenwendefest mit der Abfahrt der Feuerwehr beendet - natürlich mit Blaulicht und Martinshorn. Innerhalb kürzester Zeit und mit vielen helfenden Händen war schnell die Luft aus der Hüpfburg gelassen, die Biergarnituren zusammengebaut und weggeräumt und bis auf das noch stehende und zum Glück nicht benötigte Regenschutzzelt erinnerte nichts mehr an diesen lustigen Nachmittag außer den fröhlichen Gesichter der Dorfbewohner*innen.
Das Neuendorfer Sommersonnenwendefest hat gezeigt, dass großartige Ereignisse nicht immer monatelanger Vorbereitung bedürfen, sondern mit Herzblut und Engagement auch in kürzester Zeit auf die Beine gestellt werden können, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Dann macht sogar das Wetter mit.
Wenn Sie den Dorfverein Neuendorf oder die Feuerwehr Süderholz unterstützen wollen, schauen Sie doch mal auf deren Internetseiten vorbei (https://www.dorfverein-neuendorf.de/ und https://www.suederholz.de/freizeit-soziales/freiwillige-feuerwehr-suederholz/). Neue Mitglieder sind gern gesehen und werden zum Erhalt des Dorflebens auch dringend benötigt.
Das Engagement der aktuell aktiven Dorfbewohner*innen in beiden Einrichtungen sind mindestens ein Grund dafür, dass das Dorfleben in Neuendorf so lebendig ist und es eine echte Dorfgemeinschaft gibt.
Hier lebt man nicht nur nebeneinander sondern miteinander.
Text und Fotos: Daniela Backhaus