Deine Sprache verrät dich, heißt es in der Bibel. Muttersprache und Vaterland.
Was assoziieren die jeweiligen Geschlechter? Sie beschreiben unterschwellig mehr als nur den sachlichen Grundbegriff „Sprache“ und „Land“.
Denn: Sprache ist verräterisch.
Als jüngst wieder einmal „Oscars“ verliehen wurden, räumte ein Film so richtig ab: „Oppenheimer“, der Streifen über den Erfinder der Atombombe, gewann den Filmpreis in diversen Kategorien. Durch die Medien ging diese Formulierung: „Oppenheimer, der Vater der Atom-Bombe ...“
Was für eine Entgleisung und welche Verhöhnung der Opfer erster Atombomben-Abwürfe! Dieses Mordwerkzeug – ein „väterliches“ Produkt?
Wie kann ein Begriff, der Schutz und Güte assoziiert, in Verbindung gebracht werden mit einer der fürchterlichsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit?
Aber vielleicht empfindet nur so, wer aus Zeiten kommt, wo familiäre Begrifflichkeiten noch mit gewissen Erwartungen verbunden waren?
„Das Mütterliche“ konnte man, trotz erwarteter Wärme und Empfindsamkeit, belächeln, denn es konnotierte auch eine gewisse Schwäche. Wer aber käme auf die Idee, diesen Begriff mit Bomben und Schlachten in Verbindung zu bringen?
Und doch … die Sprache, sie kann!
Einmal bei Google gesucht, lernen wir: „Die GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast (Abkürzung MOAB, zu deutsch etwa: Mächtige Luft-Explosions-Waffe), sie ist bekannt als Mother of All Bombs, die sprengkraftstärkste konventionelle Fliegerbombe im Arsenal der US-Streitkräfte.“ Und so, wie es eine „Mutter aller Bomben“ gibt, gibt es auch eine „Mutter aller Schlachten“. So bezeichnete 1990 Saddam Hussein, Iraks damaliger Präsident, den unmittelbar bevorstehenden Zweiten Golfkrieg. Worauf die Amerikaner mit Hohn und Spott eine Mutter aller Paraden veranstalteten...
Deine Sprache verrät dich: „Muttersprache und Vaterland“... darüber lässt sich trefflich predigen (siehe Stefan Felber auf der Website des Gemeindenetzwerkes am 21.10.23) Hören wir dieser Tage die Kommentare in den Medien, lesen wir von Truppenverlegungen, Waffensystemen, Manövern mit martialischen Namen (Defender = Verteidiger) und Putins Warnungen vor Atomwaffentests... da kann einem das Grausen kommen! Wenn Waffen starrende Truppen eines „Verteidigungsbündnisses“ in äußerster Grenznähe ihres „Bündnisgebiets“ operieren... was demonstrieren, was kommunizieren sie? … Sprache, die sich in den Worten des Krieges bewegt, befriedet nicht; sie eskaliert die Verhältnisse! -.
Wahrlich, wir leben in seltsamen Zeiten! Unsere Sprache klingt kriegerisch. Aber - sie lügt.