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Süderholzer Blatt
Ausgabe 416/2025
Kultur
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Alle Register

1996 war die Mehmel-Orgel in Groß Bisdorf nach langem Schweigen und Restaurationsarbeiten wieder in den Dienst gestellt worden und erklingt seither wieder regelmäßig in Gottesdiensten und Konzerten. Aber wie bei jedem Gerät nach langer Nutzung bedarf auch ein Kirchenmusik- Instrument nach fast drei Jahrzehnten einer Generalreinigung. Zwanzigtausend Euro soll diese kosten! Das Geld muss die zahlenmäßig kleiner gewordene Gemeinde (in den Neunzigern noch um 800 Mitglieder stark/ jetzt beinahe halbiert) irgendwie selbst aufbringen.

Einer ihrer langjährigen Aktiven, Norbert Wörpel, hatte die Idee von einem großen Konzertereignis, zu welchem er Bekannte und Freunde einlud, darunter den vor Ort gut bekannten Politiker Herrn Harry Glawe. Den Orgelsachverständigen Stefan Zeitz hatte er bereits auf seiner Seite, das Datum für ein Konzert war geplant. Nun überraschte er die Kirchenältesten mit seinen Vorstellungen: Ein großes Grillfest sollte es geben und dazu Blasmusik erklingen. Sogar eine Kutsche hatte Wörpel organisiert. - Wenn auch mit einigen Bedenken, war doch gerade erst das Gemeindefest über die Bühne gegangen ...der Gemeindekirchenrat willigte ein, zog mit. Spannend aber blieb es:

Wer würde sich an einem Freitagabend mitten im Sommer, zumal am Beginn der großen Ferien, zu einem Orgelkonzert in die Bisdorfer Kirche einladen lassen?

Aber entgegen allen Zweifeln: die Kirche war gut besucht an diesem 25. Juli - trotz dunkler Gewitterwolken, die draußen aufgezogen waren. Im Kirchenraum sorgten die vielen Besucher und die hohe Luftfeuchtigkeit jedoch für nicht eben optimale Konzertbedingungen.

Die Bisdorfer Orgel hat eine besondere Traktur; die Verbindung zwischen Tastatur und Windladen verläuft über ein kompliziertes System, Ende des 19. Jahrhunderts von Paul Mehmel gebaut, um eine bessere Spielbarkeit der Klaviaturen zu ermöglichen. Aber die Röhrenlade mit Hängeventilen ist sehr störanfällig. (Darum gibt es nur noch ein zweites Instrument dieser Bauart in der Wiecker Bugenhagen-Kirche.)

Zeitz begann mit einem Komponisten, dessen Werk gut auf diese Orgel passt: Mendelssohn-Bartholdys Sonate „Vater unser im Himmelreich“, 1845 veröffentlicht (Da befand sich Mehmel Vater in seinen Lehrjahren) wurde allerdings zu einem Gemeindegesang des entsprechenden Chorals zweimal unterbrochen. Ein zweiter Konzertteil galt dem Altmeister des Barocks, Johann Sebastian Bach. Stefan Zeitz spielte Präludium und Fuge in G, BWV541, und die Triosonate c-Moll. Schließlich erklang aus der „Kunst der Fuge“ der Contrapunctus IV mit Improvisation.

Leider ließen sich zunehmend hängenbleibende Tasten nicht überspielen.

Orgel und Organist kamen an ihre Grenzen! Zeitz schloss mit einer Eigenkomposition auf den Pommernmissionar Otto von Bamberg, doch angesichts der hörbaren Mängel kürzte er das Programm in diesem Teil. Trotzdem dankte das Publikum mit anerkennendem, freundlichem Beifall, zumal Pastorin Rapraeger im Anschluss an das Konzert zu Bratwurst und Salat eingeladen hatte. Im Pfarrgarten war schon alles vorbereitet, und der Regenschauer – Gott sei Dank! – vorübergegangen, ohne dass die Gäste nass geworden waren. Einige Freiwillige, Frauen um Christine Rusch, aus der Familie Rahn u.a. hatten für Getränke und Speisen gesorgt; die Grillwurst aus Kandeliner Produktion schmeckte bestens. Dazu hatten die „Kandeliner Eintagsfliegen“ ihre Instrumente in Bereitschaft gebracht und spielten flotte Blasmusik. Kurze Ansprachen von den Ehrengästen folgten.

Allgemein waren Zustimmung und Lob für die gute Organisation dieses Abends. Dank an dieser Stelle gilt nicht nur dem Initiator, sondern allen Helfern!

Was der Organist nicht konnte, als er auf zwei der zehn Bisdorfer Orgel-Register verzichten musste, weil diese für weiteren Missklang im Konzert gesorgt hätten, erhofft sich die Kirchengemeinde nun durch diesen, ihren „Paukenschlag“ : Aufmerksamkeit für die Sache. Vielfältige Unterstützung. - Sie hat alle Register gezogen!

Wenn Sie, liebe Leser, dazu beitragen möchten, dass die Orgel in Groß Bisdorf wieder strahlend und rein ertönt mit allen ihren Stimmen, dann spenden Sie gern an den Förderverein Kirchen und Kapellen der Kirchengemeinde Groß Bisdorf e.V. – Verwendungszweck „Orgel Gr. Bisdorf “

IBAN DE20 1505 0500 0102 0417 76 BIC NOLADE21GRW

Bärbel Hohmann

Begegnung am Rande des Orgelkonzertes in Groß Bisdorf

Eduard Radis, 16 Jahre, aus Groß Bisdorf, konstruierte ein eigenes E-Bike mit erstaunlichen Fähigkeiten!

Nur im Sattelbereich ist sichtlich noch einiges nachzubessern. Aber auch das hat Eduard längst im Blick.

Dann sichere und gute Fahrt!

Soll niemand sagen, mit der heutigen Jugend sei nicht viel los...

Bärbel Hohmann