Es strömte... nein, nicht von oben – der Regen, sondern es strömten - die Menschen. Alle mit einem Ziel: St. Bartholomaei am Marktplatz von Demmin, wo es schon recht adventlich leuchtete an diesem Vorabend des ersten Advent.
Der „Messias“ von Georg Friedrich Händel stand auf dem Programm. Dieses anspruchsvolle Werk sangen die etwa einhundert Sänger der Demminer Kantorei zum wiederholten Male. Seit dreißig Jahren ist Thomas Beck in Demmin Kantor und seither leitet er den großen, mittlerweile übergemeindlichen Kirchenchor mit Charme und Engagement.
Die Messias-Aufführung 2025 war also Bestandteil eines Jubiläumsjahres. Inzwischen ist Beck KMD, (das heißt „Kirchenmusikdirektor“,) und als solcher überregional bestens bekannt und vernetzt. Zu den Choraufführungen begleitet das Preußische Kammerorchester aus Prenzlau regelmäßig die Demminer Sänger, die aus der gesamten Region zusammenkommen. Die erfolgreiche langjährige Arbeit des Demminer Kantors belegt auch eine Honorarprofessur an der Universität in Greifswald.
Das alles weiß man in der Musikstadt an der Peene wohl; die Damen und Herren des Chores werden das Ihrige zum Bekanntheitsgrad ihres Leiters beigetragen haben. Die große Kirche, räumlich etwa dem Dom in Greifswald vergleichbar, war bis in die letzten Bankreihen besetzt; selbst auf den Emporen war kaum noch Platz zu finden, was wir zum ersten Mal so erlebten.
Über das bekannteste Werk Händels zu schreiben, überlassen wir dem profunden Wissen des Programmheft-Stammautors, Pfarrer. i.R. Klaus Voigt. Von ihm ist zu erfahren: Händels Zeitgenosse J.S.Bach war in Demmin schon mit dem Weihnachtsoratorium zu erleben.
Dass der „Messias“ wiederholt aufgeführt wurde, war ein Herzenswunsch vieler Besucher. Vor allem das große Halleluja erwarten sie stets mit wachsender Spannung. Der berühmteste Part aus dem Oratorium berührte während seiner ersten Aufführungen in der Mitte des 18.Jahrhunderts den englischen König derart, dass dieser sich spontan von seinem Platz erhob. Dabei ging es ihm nicht so sehr um Ehrerbietung für den Komponisten, sondern eher um Ehrerbietung für den „lebendigen Gott“.
Ergreifend war es wiederum, knapp 300 Jahre nach Händel, am Vorabend des 1.Advent 2025 in Demmin! Der Chor übertraf sich selbst! Der Mangel jeglicher Sprache ist, dass sie nicht ansatzweise so zu bewegen vermag wie die Kraft dieser Musik! Das demonstrierten einhundert Sänger an diesem Abend in St. Bartholomaei. Sogar ihr Dirigent schien so beeindruckt von dem gelungenen Vortrag, dass er einen kleinen Handkuss hinaufwarf zu seinem Chor noch während des Gesanges - um damit seine Anerkennung zu zollen. Das gewaltige Halleluja hatte kraft- und machtvoll das ganze Kirchenschiff erfüllt. Und in den Besucherreihen hörte man es ergriffen flüstern: „Toll!“
Die kleinen Gesten beweisen: Man fühlt sich eins. Kein Missklang! Auch zwischen den Musizierenden stimmt „die Chemie“! Dem sind allerdings lange Wochen der Proben vorausgegangen. Und sicher auch die eine oder andere „Entbehrung“. Man ist im besten Sinn des Wortes zu einem Klangkörper verschmolzen.
Der Dirigent dankt aber auch den Solisten, dem Konzertmeister, dem Orchester, dem Chor … und tritt selbst bescheiden in den Hintergrund. Er ist kein Mann großer Gesten. Doch spürt man den Sängerinnen und Sängern einen großen Respekt ab für ihren Chor-Chef. Zum guten Demminer Ton gehört auch, dass die Jüngsten den Solisten nach gelungenem Auftritt Blumensträuße überreichen.
Aber nicht alle hatten bis dahin gelesen, was im Programmheft noch zu erfahren war. Erst bei der Zugabe nach minutenlangem Applaus, - natürlich erklang das „Halleluja“ noch einmal -, standen viele der Besucher auf, wie seinerzeit der englische König– allerdings zu standing Ovations: für den Chor, das Orchester und ihren Dirigenten.
Zu nennen sind hier endlich auch die Solisten des Abends: die Sopranistin Lea Witkowski, eine der ehemaligen Schülerinnen des Demminer Musikgymnasiums. Aus Rostock kam der Tenor Shinho Choi, der sich schon früh für Gesang interessierte und als Experte für Oratorien und Kantaten gilt. Ein alter Bekannter ist auch Lars Grünwoldt, Bass-Bariton-Sänger und ebenfalls ein Absolvent der Demminer Spezialklasse für Musikerziehung am Goethe-Gymnasium.
Am Continuo, der kleinen Schwester der Orgel, saß wiederum Kirchenmusikerin Monika Riedel.
So schloss sich ein Kreis. Nach der Johannes-Passion, aufgeführt im April, und einer Geistlichen Abendmusik im Juni d.J. beschenkte sich Professor Thomas Beck mit dieser Händel-Aufführung, arrangiert von keinem Geringeren als Wolfgang Amadeus Mozart, quasi selbst. Der Andrang war groß, die Aufführung bestens gelungen. Chapeau!, bleibt einem da nur zu sagen. Die Stadt an der Peene dürfte stolz sein auf ihren Kantor von St. Bartholomaei, der große Musik in dem kleinen Ort erlebbar machte. Wünschen wir uns und ihm sowie den Sängern der Kantorei noch viele weitere glückend - beglückende Musikereignisse!