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Süderholzer Blatt
Ausgabe 422/2026
Schule
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Das Klassenzimmer ohne Wände – Lernen in der Natur

Wer sagt eigentlich, dass Unterricht immer in vier Wänden stattfinden muss? Auf dem Golfplatz in Kaschow, weit weg vom eigentlichen Schulhof, eröffnet sich für uns durch Kooperation mit dem Golfpark Strelasund ein grünes Klassenzimmer voller neuer Lernmöglichkeiten. Hier gibt es keine Tafel, keine Pausenklingel und keine Hefte, aber jede Menge Raum zum Entdecken. Es entsteht ein Lernort, der Natur, Umweltbildung und praktische Erfahrungen auf einzigartige Weise verbindet und eine besondere Lernatmosphäre schafft.

Für jede Klassenstufe haben wir am Anfang des Schuljahres besondere Projekte geplant. Den Anfang machten im Herbst die beiden ersten Klassen. Statt Mathe und Deutsch standen an diesem Tag Streuobstwiesen und Pilze auf dem Stundenplan. Unser Rundgang mit Herrn Vorbau und Herrn Rösemeier führte uns zuerst über etliche Streuobstwiesen, wo verschiedene alte und regionale Obstsorten angepflanzt wurden. Sie blühen und fruchten zu unterschiedlichen Zeiten und schaffen so über das ganze Jahr hinweg eine Lebensgrundlage für viele Tiere. Apfelbäume sind besonders wichtig für Wildbienen und Hummeln, weil ihre Blüten im Frühling reichlich Nektar liefern. Auch Schmetterlinge profitieren davon. Im Herbst dienen die Äpfel dann vielen Vögeln oder kleinen Säugetieren als Nahrung. Birnenbäume und Kirschbäume werden gern von Wespen, Vögeln und Fledermäusen genutzt. Zudem bieten ältere Obstbäume mit ihren Höhlen und Rindenspalten Lebensräume für Spechte, Siebenschläfer und Käfer. Die Kinder lernten auch, dass nicht alle Früchte, die Tiere gern genießen dürfen, für den Menschen essbar sind. Also lieber Finger weg von unbekannten Bäumen und Sträuchern. Gerade auf größeren Geländeflächen wie einem Golfplatz spielen Streuobstwiesen eine wichtige Rolle. Golfplätze bestehen aus weiten Grünflächen, die nicht immer ökologisch abwechslungsreich sind. Durch das Anlegen von Streuobstwiesen entstehen wertvolle Inseln der Biodiversität. Sie fördern Artenvielfalt, verbessern das Landschaftsbild und schaffen einen natürlichen Ausgleich zu intensiv gepflegten Rasenflächen. Unser weiterer Weg führte uns vom Golfplatz zum angrenzenden Wald. Hier erfuhren die Schüler, dass in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns neben den bekannten Speisepilzen auch viele eher unbekannte Pilze wachsen, die aber durch besondere Merkmale auffallen. Im Wald war für uns ein liebevoll gedeckter Pilztisch angerichtet, der uns schon durch die Vielzahl an Pilzen zum Staunen brachte. Vom Trompetenpfifferling bis zum Lacktrichterling, über Stiele, Hüte, Lamellen und Falten wurde uns alles kindgerecht erklärt. Überrascht nahmen die Kinder auch den Schopftintling in Augenschein. Mit seinem weißen, schuppigen Hut sieht er sehr ungewöhnlich aus, ist aber als junger Pilz ein guter Speisepilz. Ältere Pilze zerfließen später in einer schwarzen tintenartigen Masse. Auch Täublinge und Pilze mit knoblauchartigem Geruch lernten wir kennen. Wichtig war auch hier wieder, ohne erfahrene Pilzberater Finger weg von unbekannten Arten. Mitnehmen durften wir einen blau-grün gefärbten Stock. Er war komplett vom Grünspan-Träuschling überwachsen und erweckte den Eindruck, dass er angemalt sei. Wir bedanken uns herzlich für den tollen Tag im grünen Klassenzimmer und die vielen neuen Eindrücke für die Kinder.

Unseren zweiten Projekttag zum Thema Fuhrpark erlebten Ende des letzten Jahres die dritten Klassen. Auch hier waren die Schüler überrascht, welch große Flotte an Fahrzeugen für einen Golfplatz notwendig ist. Ob Maschinenpark, Greenkeeping-Fuhrpark oder Golfcartflotte, es gab viel Spannendes für die Schüler zu erfahren und sogar auszuprobieren. Um die Anlage in einem guten Zustand zu halten, sind täglich sechs Greenkeeper und gelegentlich Saisonkräfte im Einsatz. Für die Greens, Fairways und Abschläge stehen unterschiedliche Rasenmäher zur Verfügung. Abschläge werden sehr kurz und eben gemäht, damit der Ball gut getroffen werden kann. Die Hauptspielfläche, der Fairway, befindet sich zwischen Abschlag und Green. Hier darf das Gras etwas länger sein. Der wichtigste Bereich ist das Green, wo sich das Loch mit der Fahne befindet. Hier wird das Gras sehr kurz gemäht, damit der Ball gleichmäßig rollen kann. Diese Arbeit muss fast täglich verrichtet werden. So lernten die Schüler Spindelmäher, Rotationsmäher, Sichelmäher und Großflächenmäher kennen. Auch Traktoren und Transportfahrzeuge für Werkzeuge, Sand und Dünger wurden gezeigt. Die Highlights des Ausfluges waren der Golfballsammler, eine Maschine, die automatisch alle abgeschlagenen Bälle einsammelt und die Golfcarts. Diese elektrischen Golfcarts, die eine recht einfache Steuerung besitzen, durften die Schüler dann auch selbst ausprobieren. Auch für diesen Tag geht ein herzliches Dankeschön an den Golfpark und Herrn Kreßmann. Nachfolgend lesen Sie noch Auszüge aus den Berichten der Kinder zu diesem Projekttag.

Ich fand den Ausflug sehr toll. Wir hatten Spaß und haben viel Neues gelernt. Es war schön, dass wir mit dem Golfcart gefahren sind. Wir haben uns die ganze Technik angeschaut, viele Traktoren und Rasenmäher. Ich kann mich noch gut an den John Deere erinnern. Und wir durften viele Golfbälle sammeln. Das war zwar anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht. Mathilda

Ich fand am besten, dass wir Golfcart gefahren sind und dass wir einen Golfball bekommen haben, die wir vorher aufsammeln durften. Ich habe viele verschiedene Maschinen gesehen und wäre sogar groß genug dazu, um diese zu fahren. Aber das ging natürlich nicht. Jonas

Mir gefielen am besten die Rasenmäher. In die Fahrzeuge durften wir uns auch reinsetzen. Wir haben auch eine Ballsammelmaschine gesehen. Wir durften Bälle einsammeln und haben einen Ball bekommen. Auch Golfcart durften wir fahren und Kuchen essen. Moritz

GS Süderholz (A.-B. Lomber)