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Süderholzer Blatt
Ausgabe 423/2026
Reisen
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Die USA – ein Land voller Widersprüche?

USA und BRD – ein Größenvergleich

Kurt Günther mit „seiner“ Amerikaflagge

Beim Thema USA gibt es derzeit wohl zahlreiche widerstreitende Gedanken und Gefühle: Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Das lernten wir schon als Kinder, und angesichts der Kennedy-Morde und des Todes von Martin Luther King war zu fragen: Ja, was für ein Land sollte das sonst sein, wo ein Tellerwäscher zum Millionär werden konnte, um dann abgeknallt zu werden? Das allein war schon ein Widerspruch in sich!

Die USA – ein Land voller Widersprüche? Diese Frage wollte Herr Kurt Günther, stellvertretender Vorsitzender des Schlossvereins, im Rahmen eines Vortrags im Schloss Griebenow am 12.Februar diskutieren bzw. beantworten.

Eine Reihe von Fotos in Dauerschleife, die am Beginn dieses Vortragsabends die Video-Wand vor dem InterimsCafe in der Kelleretage des Schlosses belebten, sie ließen bereits eine eindeutige Antwort zu: Ja, hinsichtlich ihrer Natur und Landschaft mochten die Vereinigten Staaten widersprüchlich wie kaum ein anderes Land sein. Da sind die Grand Canyons, die Wüste von Nevada, die großen Nationalparks zwischen den Rocky Montains und Appalachen, die imposanten Stadtsilhouetten, die großen Seen, Geysire und Vulkane, die fantastischen Strände von Miami bis Hawaii, über viertausend Kilometer von der Ost- bis zur Westküste, durch diverse Zeitzonen und Vegetationsbereiche – welch unterschiedlichste Eindrücke lassen sich allein daraus gewinnen!

Aber wer reiste heute gern in die Vereinigten Staaten? Unter der jüngsten Administration sei der Tourismus geradezu eingebrochen, weiß der Referent des gut einstündigen Vortrags zu berichten. Er war mehrmals in den USA: während seines Studiums der Amerikanistik, beruflich an der University of Maryland und als Tourist. Er kennt die Vereinigten Staaten also nicht nur aus dem Film oder von den „Schokoladenseiten“ eines Urlaubsreisenden. Beeindruckend sei die unendliche Weite des Landes, meint er.

Fünf Schwerpunkte gliederten seine Ausführungen, u.a. die Frage: Wer eigentlich ist Amerikaner? Fotos belegten, dass dies nicht einfach zu beantworten sei. Es gäbe keine einheitliche Amtssprache! Die gegenwärtig größte Einwanderungsgruppe stellen die Latinos dar. Aber die Bevölkerung der USA besteht zu großen Teilen auch aus Europäern, wovon die Deutschen die größte Gruppe ausmachten. Amerikaner nennen sich auch ehemalige Afrikaner, Chinesen und Japaner. Sind aber zuallererst nicht die ursprünglichen, die indigenen Bevölkerungsgruppen zu nennen?

Die zahlreichen Besucher erfuhren etwas über Geschichte und Kultur des Landes. Mit einem Scippis, einem Cowboyhut hatte Kurt Günther seine Besucher begrüßt und auf einem Nebentisch Souvenirs seiner zahlreichen Besuchsreisen ausgestellt. Auch zur Problematik des Waffenbesitzes gab es einige Anmerkungen. Das Recht Waffen zu besitzen ist durch die amerikanische Verfassung gedeckt. Waffen schützen und sichern den freien Mann! Es gäbe mehr Waffen als Einwohner! Daraus ergibt sich leider auch eine besorgniserregende Statistik einschließlich erschreckender Nachrichten von Amokläufen und sonstigem Mordgeschehen.

Mit Statistiken und Diagrammen veranschaulichte der Referent seine Ausführungen und gab einen kleinen Einblick in gesellschaftliche Bereiche, wie z.B. in schulisches und religiöses Leben mit einer Übersicht über die vielen Religionsgruppen und Kirchen in den USA.

Den Stolz, Amerikaner zu sein, auf „Stars and stripes“ und auf die Verfassung zu schwören, das lernten die Kinder bereits in der Schule, denn das mache einen „echten Amerikaner“ aus.

Darum wirkt besonders befremdlich, was vor wenigen Wochen in Minneapolis passierte, als ICE-Leute US-Staatsbürger auf offener Straße erschossen! Das brutale Vorgehen dieser „Einwanderungsbehörde“ thematisierte Bruce Springsteen in seinem Song „Streets of Minneapolis“, den Kurt Günther audiovisuell vorführte; emotionaler Höhepunkt und Fast- Abschluss des Abends. Doch wollte der Vortragende seine Besucher so nicht entlassen. Mit einer lustigen Karikatur forderte er sie auf, sich von den Vereinigten Staaten selbst einen Eindruck zu verschaffen. „Reisen Sie in die USA!“, so seine Worte, „ Machen Sie sich selbst ein Bild! Finden Sie Ihr Amerika!“ Der Schriftsteller Anatole France (1844 - 1924) hätte ihm zugestimmt:

Ja, was ist denn Reisen? Nur ein Ortswechsel? Keineswegs! Beim Reisen wechselt man seine Meinungen und Vorurteile. Es bedeutet Grenzen zu überschreiten, auch die eigenen.

Anerkennung und Dank gelten wieder einmal den Damen und Herren des Schlossvereins Griebenow. Mit geöffnetem Cafe und den Veranstaltungen auch in der kargen Winterzeit sorgen sie für Abwechslung und belebende Unterhaltung in der Gemeinde.

So fanden und finden in den kommenden Wochen weitere Vorträge statt, gehalten von Experten aus der Umgebung, wie z.B. zum Thema Gesundheit und Bewegung oder demnächst mit Dr. Wolfgang Weiß über Rassen und Rassismus. Als langjähriges Mitglied der Greifswalder Sternwarte wird Manfred Wolfgram über „Kometen als Vagabunden des Weltalls“ sprechen.

Auch musikalische Unterhaltung und der Frühlingsmarkt im März gehören wieder zum Programm.

Genaue Termine sind auf den entsprechenden Seiten der Internetpräsenz von Schloss Griebenow oder im Greifswalder Kulturkalender zu erfahren. Es lohnt sich hin und wieder hineinzuschauen!

Fotos und Text: B. Hohmann