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Süderholzer Blatt
Ausgabe 424/2026
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Wenn die Glocken läuten

sind Richard Lutzki´s Hände im Spiel. Der über Achtzigjährige ist der älteste "Läutnant" der Kirchengemeinde Groß Bisdorf und versieht nach dem Ableben des letzten Kreutzmannshäger Glöckners, Herrn Adolph Kasch, seinen Dienst in großer Treue und Zuverlässigkeit. Jeden Samstag, um 18 Uhr zieht er ungeachtet von Wind und Wetter die Seile zu den zwei Glocken am offenen Glockenstuhl auf dem Kirchhof am Rande des Dorfes, und auch, wenn einmal Gottesdienst stattfindet oder im Sterbefall.

Dieser Glockenstuhl wurde durch Kreutzmannshagener Einwohner im Jahr 2001 in Dienst genommen, was heißt, seit einem Vierteljahrhundert (was im Jahr der vielen Dorfjubiläen auch eine Erwähnung wert sein dürfte!) wird hier geläutet: zunächst eine Glocke; später kam eine zweite Glocke hinzu.

Für das SB berichtete die langjährige und unvergessene SB-Reporterin Rotraut Voigt über die damaligen Ereignisse:

"Am 24. und 25. August (2001) war neben der Kirche ... im Einsatz vieler freiwilliger Helfer das Betonfundament für den neuen Glockenstuhl entstanden. Einige Tage später wurde es mit Klinkern gefestigt und anschließend musste es ruhen und an Härte zunehmen. Am Sonnabend, dem 15.9. hatten sich am frühen Morgen wiederum viele Bereitwillige eingefunden. Unter der Anleitung von Zimmerermeister Thomas Herter aus Kreutzmannshagen wurden die Eichenschwellen auf das Fundament gesetzt... Am kommenden Wochenende folgten das Dach und die Turmspitze."

Am Reformationstag 2001 erfolgte dann die festliche Einweihung in einem Gottesdienst. Auf die Frage, ob die seit Wochen im Altarraum aufgestellte Glocke wieder klingen soll, gab es an diesem 31.Oktober 2001 die Antwort: Ja, die Glocke, die seit den Achtzigern vorigen Jahrhunderts verstummt war, konnte wieder erklingen!

Dazu beigetragen hatten in der Vakanzzeit (!) Straßensammlungen, Benefizkonzerte und Förderanträge. Mitgemacht hatten auch Menschen, die der Kirche nicht nahestanden, denen dieser Bau als gemeinsame Aktion für das Dorf aber wichtig war!

Der neue Glockenstuhl entstand an eben jener Stelle, wo einmal der Vorgängerbau gestanden hatte. Nicht ganz unbeteiligt war unter den vielen Helfern des Ortes Arno Pfeifer, welcher in der Kirchenzeitung schrieb: Nach dendrologischer Untersuchung stammte das Holz des Vorgängerbaus aus dem Jahr 1666. „Durch historische Quellen gesichert ist dessen Existenz allerdings erst ab 1800. Glockenstühle baut man nur in Friedenszeiten. Mögen dieses hölzerne Bauwerk und seine Glocke recht lange die Gemeinde zum Gebet zusammenrufen und nie eine Sturmglocke des Krieges werden."

Text und Foto: Bärbel Hohmann