Erinnern Sie sich noch an die vergangenen Mai-Wochen? Wechselhafte Himmelfahrt. Strahlendes Pfingsten … Der 27.Mai 2027 war ein sonniger und freundlicher Frühlingstag, so wie man sich einen Frühlingstag eben vorstellt: mit blühenden Kastanien und Fliederbüschen - eigentlich genauso, wie der Kirchenlieddichter Paul Gerhard im Jahre 1653 schrieb:
„Die Bäume stehen voller Laub/das Erdreich decket seinen Staub/mit einem grünen Kleide;/Narzissus und die Tulipan/die ziehen sich viel schöner an/als Salomonis Seide...“
Angesichts dieser Worte sieht man sich in einen blühenden Garten versetzt, nicht wahr?
Am 27.Mai vor 350 Jahren aber hatte der Dichter dieser Worte für immer seine Augen geschlossen.
Er, sein Name waren mir in Lübben begegnet – auf einem Denkmal vor der gleichnamigen Kirche. Eigentlich war eines seiner bekanntesten Sommerlieder ihm voraus - und mir entgegen geeilt:
„ Geh aus mein Herz und suche Freud ...“
Der damalige Leipziger Gewandhausorganist Matthias Eisenberg hatte 1985 in einer so nachhaltig beeindruckenden Weise über diese Melodie von August Harder improvisiert, dass mir die Melodie nicht wieder aus dem Sinn gehen wollte. - Wer aber war der Dichter dieser Zeilen?
Paul Gerhardt, am 13.3.1607 im sächsischen Gräfenhainichen geboren, gestorben am 27.5.1676 in Lübben/ Spreewald, (damals kursächsisch). Seine Eltern hatte er früh verloren. Er wurde evangelischer Pfarrer in schwieriger Zeit. Der dreißigjährige Krieg tobte in deutschen Landen. Seine Wirkungsstationen waren u.a. Wittenberg, Mittenwalde und Berlin. Wegen eines theologischen Streits mit dem brandenburgischen Kurfürsten verlor Paul Gerhardt sein Amt und zog in die Provinz. Krankheit und Not begleiteten ihn; vier seiner fünf Kinder waren vor ihm gestorben. Und auch seine Frau hatte er verloren. - Was trieb diesen Mann, solche Verse zu dichten?
„Du meine Seele singe wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren loben, hier preisen auf der Erd
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.“
Was in heutiger Zeit vielen Ohren fremd und unverständlich klingen mag, ist - so meine ich – von anhaltender Aktualität. Denn Tod und Leid existieren nach wie vor, sie lassen sich nicht einmal durch KI vermeiden. Paul Gerhardt jedenfalls beugte sich seinem harten Schicksal nicht; er suchte mit seinen Worten in seinem Glauben nicht nur Trost, sondern seine Worte vermochten auch andere Menschen zu trösten.Er bedient sich dabei einer einfachen, volksnahen Sprache. Und Lieder wie diese haben es verdient, dass sie immer wieder gesungen werden:„Befiehl du deine Wege“. „Ich bin ein Gast auf Erden“. „Ich singe dir mit Herz und Mund...“
Gründe genug, an diesen Mann zu erinnern, Anlass für ein kleines spontanes Konzert. Mehr als ein Dutzend Melodien, denen Paul Gerhardts Worte zugrunde liegen, erklangen in der Kirche von Kreutzmannshagen von der Orgel.
Schön wäre, wenn sich in Orgelklang und den Gesang der Vögel auch einmal die eine und andere menschliche Stimme mischte! Denn das war wohl das eigentliche Anliegen des bekannten Kirchenlieddichters Paul Gerhardt: verstummte Seelen (und Kirchen) wieder zum Klingen zu bringen.