Kein Geld mehr für soziale Wohltaten. Kein Geld für allgemeine Bildung und Schulen.
Hundert Krankenkassen schreien nach Geld... Löcher tun sich auf, wo früher noch fester Grund war.
Nun also auch im IKMU, der ehemaligen Greifswalder Kirchenmusikschule, gegründet in der Nachkriegszeit vom Ehepaar Pflugbeil, das in Stettin ein Kirchenmusikseminar zurückgelassen hatte. Neubeginn in der pommerschen Hansestadt am Bodden. 1946 ...
2026. In diesem Jahr fand zum 80.Mal das bekannte Ereignis in der Regie der Kirchenmusikschule statt, die Bach-Woche, das mittlerweile älteste Kirchenmusikfestival im Nordosten der Republik. Aber die Feierstimmung schien etwas getrübt zu sein, denn Sparmaßnahmen bedrohen auch die Existenz des IKMU. Ein Millionenloch im Uni-Haushalt zwingt zu Sparmaßnahmen; das IKMU soll zwei Studienfächer „abgeben“, zwei Professuren sind vakant.
Mit dem IKMU aber steht und fällt die Bach-Woche! Namen wie Manfred Schlenker, Jochen A. Modeß, Mathias Schneider, Frank Dittmer … sind mit der Greifswalder Kirchenmusik verbunden. KMD Prof. Thomas Beck, verdienter, rühriger Kantor an St. Bartholomäi in Demmin, hatte seine Ausbildung hier. Generationen von Kirchenmusikern, mittlerweile im Lande verstreut, lernten in Greifswald die ersten Takte Kirchenmusik. Bischof Tilman Jeremias betont die Bedeutung des Instituts für diesen Landesteil: Hier würden die Organisten und Kantorkatecheten ausgebildet, die es in den Kirchen braucht! Als die Pflugbeils in den Nachkriegsjahren Bachs Musik im unzerstörten Greifswald zur Aufführung brachten, taten sie das in der Absicht, in schwieriger Zeit den Menschen Orientierung und Zuversicht zu vermitteln.
Die Zeiten ändern sich. Bachs Musik, noch immer ein Kraftquell, eindringlich und klar, würde als solcher versiegen, wenn diese Musik nicht mehr zur Aufführung gelangt. Die Gefahr besteht durchaus, wenn in der Folge o.g. Sparmaßnahmen das IKMU an Attraktivität verliert und womöglich schließen muss.
Fakt ist: was verschwindet, wird irgendwann nicht mehr vermisst.-
Die sonntäglichen Kirchen sind oft fast leer. Die Gemeinden schrumpfen, werden zusammengelegt, Pfarrstellen werden halbiert. Und wo die Orgeln schweigen, tönt es vermeintlich modern aus der Musikbox.
Der Wohlstandsatheismus entfaltet auch hierzulande seine Wirkungen.
Wozu also noch Geld erübrigen für ein Kirchenmusikalisches Institut? … Zweitausend Besucher der diesjährigen Bach-Woche bekundeten aber: So weit darf es nicht kommen! Mit ihren unterschriebenen Tickets drückten sie ihren Protest aus gegen Einsparungen auf Kosten der Kirchenmusik.
„Nach dem Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“ lässt uns Goethe im Faust I wissen.
Als das Institut noch Kirchenmusikschule war, vor 1989, unter DDR-Verhältnissen also, galt es ganz andere Hürden zu nehmen. Geld war immer knapp. Aber die Bach-Wochen waren stets „sicher“, ihre Programme von der Stasi überwacht … Trotz alledem ging es weiter, gab es immer wieder eine neue Bach-Woche im nächsten Jahr. Wohl nicht ganz ohne geschwisterlichen Beistand oder „mit Gottes Hilfe“, wie man hier sagen würde.-
Sollte es damit jetzt etwa vorbei sein? Sind wir nun von allen guten Geistern verlassen?
Wem das Thema ein paar Gedanken mehr wert ist, der findet weitere Infos unter https://www.greifswalder-bachwoche.de