Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt man so. Und das gilt vornehmlich wohl für die Kunst, weshalb die oft auch als „brotlos“ bezeichnet wird. Jedoch: Die Besucher einer Theateraufführung werden ohne bezahlten Eintritt nicht vor die Bühne gelassen! Wer ein Rock/ Pop- Event besucht, hat mitunter tief ins Portemonnaie zu greifen. Zwei- oder dreistellige Ticketpreise sind heutzutage keine Seltenheit, es kommt auf die Location an und auf die Show. Und natürlich auf die Akteure …
Manchmal wird auch kein Eintritt erhoben, nur eine Spende erbeten, weil man das Kunsterlebnis einem breiten Publikum ermöglichen will. Aber die Zeiten, da die „Stunde der Orgelmusik“ in den Greifswalder Altstadtkirchen 1.50 kostete, gehören der Vergangenheit an! Zwischendurch mussten dafür schon mal acht Euro hingelegt werden. Derzeit aber zahlt man NICHTS! Am Ausgang wird lediglich um eine Kollekte gebeten, eine Geldsammlung für kirchliche oder karitative Zwecke, (so erklärt die KI diesen Begriff). Die Kirchenmusiker und Konzertveranstalter hoffen, mit den eingegangenen Beträgen auch weiterhin die Kosten für diese Veranstaltungsreihe abdecken zu können...
Zu beobachten ist jedoch, wenn schon nicht alle Besucher pünktlich sind, dass es umgekehrt welche gibt, die vorzeitig die Aufführung verlassen. Sie alle mögen dafür Gründe haben, doch kommt einem der Verdacht, dass selbst die eintrittfreie Veranstaltung manch einen Zeitgenossen überfordert und die Münze, die er hätte erübrigen wollen, dann doch in seiner Tasche verbleibt … Zu peinlich! - Eilt man darum wie vom Teufel getrieben davon, die Kollektenschale ignorierend? -
Selbst wenn der Sammelzweck ein nicht-kirchlicher ist, obsiegt gern der Geiz, zumal bei anonymer Geld-Abgabe. Neulich wurde für die Jugendfeuerwehr in Süderholz gesammelt. Die Bläser der Kirchenchöre wollten ihre Kollekte also für diesen „karitativen“Zweck spenden, denn dafür spendeten sie eine Stunde lang ihre fröhliche Musik den Besuchern. Allerdings landete neben wohl erwarteten Euro- Scheinen für den noblen Zweck - wenn überhaupt - eher viel „Klimpergeld“ in der Schale. - (Auch Geld, möchte mancher erwidern.)
„Es soll rascheln und nicht klappern!“ Kennen Sie auch diesen Spruch? Vielleicht bedarf es öfter jener freundlich - unverfrorenen Aufforderung. Denn auch, was nichts kostet, hat ja einen Wert, steckt nur Herzblut darin!
Wer o.g. „Weisheit“ als Begründung für sein Knausern an der Spendenschale anführt, wird sich vielleicht selbst schon geärgert haben über unverschämt hohe Rechnungen, sei es gefordert durch einen Handwerksmeister oder für eine Dienstleistung. Nur sind solche Leistungen von anderer „Tragweite“ im Alltag.
Mit einem defekten Getriebe kann man sein Auto nicht fahren. Auf das Konzert fern des Wohnorts muss dann wohl verzichtet werden - „Alles wird teurer!“ seufzt der gebeutelte Kunstkenner, der auch die aktuellen Spritpreise kennt. -
Wer will schon verzichten?-
Niemand wird ins Konzert gezwungen! Abgesehen von den eigenen Erwartungen wird da oft professionell Hervorragendes geboten. Und das hat nicht nur künstlerischen Wert...
Vor kurzem gastierte im Rahmen des Greifswalder Orgelsommers der Philharmonische Kinderchor aus Dresden in St. Nicolai. Glockenheller, reiner Gesang von eher jungen Mädchen unter dezenter Leitung ihres Chorleiters, Prof. Gunther Berger, der gegen Ende des Programms erklärte, warum dieses Konzert auch für ihn ein besonderes war: vor Jahrzehnten habe er seine Geburts - bzw. Heimatstadt verlassen um „in die Welt zu ziehen“. Jetzt war er zurückgekehrt …
an seinen Heimatort: Greifswald. Das Publikum spendete – nicht nur lang anhaltenden Beifall.-
Schwierig sind Vergleiche. Natürlich betrifft das musikalische Beispiel auch andere Künste, wie Malerei oder darstellende. Kunst, die von Können kommt, assoziiert mitunter den Gedanken von Gottgegebenem, also ist so auch der Lohn …?
Aber jeder Mensch möchte doch Wertschätzung erfahren! Und die sieht unterschiedlich aus, wie die Menschen verschieden sind. Was dem einen ein nettes Sümmchen in der Hand, dafür genügt einem anderen vielleicht ein freundliches Wort oder eine anerkennende Geste. Und ein Chorleiter ist Künstler, den Applaus erfreut, so wie den Organisten der Stadtgemeinde, aber beide verstehen sich auch als Handwerker, die monetären Lohn für ihren Dienst beanspruchen dürfen.
Zu viele erhalten zu wenig für das, was sie ihrem Nächsten an Nützlichem und Gutem tun.
Was nichts kostet, ist nichts wert? Ein Anruf, ein Brief, ein Besuch … kosten nichts (bzw. kosten sie nicht die Welt). Sind sie also darum nichts wert?-
Vergessen Sie diesen Spruch!