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Wusterhausener InfoPost
Ausgabe 1/2026
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Dessow – einst ein Bierbrauerdorf

Dessow gelegen an der Straße von Wusterhausen/Dosse nach Neuruppin zwischen Gartow und Lögow wurde 1357 erstmals urkundlich erwähnt. 1638 ist das Dorf vollständig abgebrannt. Die beiden Rittergüter wechselten oft die Besitzer wie von Rohr, von Jürgas, von Chasot, von Grabow, von Kriegsheim, Theodor Gilka bis 1914 zur „Eigenen Scholle“.

Das ehemalige Gutshaus wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vermutlich nach Plänen von Schinkel umgebaut, als klassizistischer Putzbau und eines der repräsentativsten Herrenhäuser (Schloss) der Region. Es diente einst als Herrensitz, nach 1947 als Zentralschule und später als POS. Wegen der Baufälligkeit wurde diese 1971 geschlossen. Nach kurzzeitiger Weiternutzung in den Jahren 1972 und 1973 überließ man das Gebäude dem Verfall. Im Oktober 1989 erfolgte die endgültige Sprengung der Ruine. Das „Weiße Tor“ ist das einzige Überbleibsel, welches das Eingangstor zum ehemaligen Gutshof war. Der Name „Weißes Tor“ geht sehr wahrscheinlich auf ein früheres, auffällig weiß gestrichenes Eingangstor zurück, welches heute nicht mehr vorhanden ist. Der Torbogen selbst hat einen Gelbton.

Der Herr von Chasot war auch gleichzeitig mit den Schillschen Husaren von 1807 bis 1809 Stadtkommandant von Berlin. Wir sagen immer, Berlin wurde auch mal von Dessow aus regiert.

Ein Höhepunkt in der Geschichte von Dessow war die Gründung der Brauerei 1867 durch den Herrn von Kriegsheim. Im Jahre 1912 bildete sich die Wirtegenossenschaft Schloßbrauerei Dessow eGmbH. Im Mai 1972 erfolgte die Verstaatlichung und gehörte dann zum Getränkekombinat Potsdam.

Nach der Wende erfolge die Reprivatisierung des VEB zur Schloßbrauerei eGmbH. Im Mai 1992 übernahm die Oettinger Brauerei den Betrieb und stellte am 31.07.2009 die Produktion nach 142 Jahre Brautradition für immer ein.

Ende 2024 erwarb die Gemeinde Wusterhausen/Dosse das Gelände. Hier wird in Zukunft der Bauhof seinen Stammsitz haben. Am 28. November 2025 besichtigten Dessower Einwohner das großzügige Areal. Ideen und Vorschläge zur weiteren Nutzung sind gefragt. Räumlichkeiten für Aktivitäten der Dessower – ob jung oder alt, für Handwerk, Kunst, Kultur und Vereine sollen entstehen. An die Brautradition erinnern noch das Brauereimuseum und die denkmalgeschützte Dampfmaschine aus dem Jahr 1916. Eine Besichtigung kann nach vorheriger Anmeldung erfolgen.

Neben dem Brauereigelände befindet sich die Dessower Kirche.

Sie wurde von 1824 bis 1827 neu am jetzigen Standort erbaut, da die alte einst auf dem Gutsgelände abgerissen werden musste. In den Jahren 1968/1970 wurde sie restauriert. 2006 erfolgten ein Neuanstrich und die Restaurierung des angrenzenden „Weißen Tores“. In der beheizten Kirche finden überwiegend im Winter Gottesdienste statt.

Hinter der Brauerei in Richtung Heilbrunn erinnert noch das Gebäude an die ehemalige Brennerei des Gutes. Es ist heute Lager und Wohnhaus.

Weiter in Richtung Heilbrunn stand früher in Klein Dessow eine Schäferei. Zu der Zeit gab es in Dessow mehr Schafe als Einwohner. So eine Statistik aus den diesen Jahren.

In Richtung Trieplatz befand sich an der Straße der KfL (Kreisbetrieb für Landtechnik und davor Maschinen- und Ausleihstation) für die umliegenden Dörfer. Der KfL bildete auch Lehrlinge aus. Es herrschte in der Zeit ein reges Leben. Heute ist das Areal der Sitz des landwirtschaftlichen Betriebes von Kerstin Weiß.

Weiter in Richtung Trieplatz als letztes Grundstück von Dessow gab es einst eine Obstplantage. Heute hat hier der landwirtschaftliche Familienbetrieb Waldburger seinen Sitz.

Der dritte landwirtschaftliche Familienbetrieb ist der der Familie Kreienkamp gelegen am Ochsenteich neben den Sportplatz.

Auf dem Sportplatz an der Trieplatzer Straße steht das Sporthaus. Einst fanden auf dem Platz Fußballspiele statt. In den vergangenen Jahren nutzte den größten Teil des Areals der Verein Kinder- und Jugendhundesportverein HOTDOGS e.V. Die Kinder erlernen hier den Umgang mit ihren Vierbeinern. Auch einige Veranstaltungen mit den Hunden fanden in der Vergangenheit statt.

Das Sporthaus wird für Versammlungen und Familienfeiern genutzt, der Tischtennisclub trainiert regelmäßig, alle 4 Wochen treffen sich die Kinder zum Basteln und Spielen, Donnerstagmittag gibt es Seniorensport und mehr. In der Adventszeit versammeln sich jedes Jahr unsere Senioren zu einem gemütlichen Nachmittag im Sporthaus. Die Kinder der Kita „Krümmelkiste“ aus Lögow begeistern alle Anwesenden immer wieder mit ihrem Programm.

Am 21.12.2025 gab es zum ersten Mal eine Kinderweihnachtsfeier. Man konnte spielen und basteln, leckeren Kuchen und Stockbrot essen. Zum Schluss erhielt jedes Kind ein kleines Weihnachtsgeschenk. In diesem Jahr soll dies wiederholt werden.

2024 entstand auf dem Sportplatz ein Basketballfeld mit Hilfe von Förder- und Spendengeldern. Dieser wird gut angenommen.

Bis vor Jahren fanden auf dem Areal unsere alljährlichen Dorffeste statt, bevor es in den Park verlegt wurde.

Die größten Feste in der Vergangenheit waren hier die Feiern „650 Jahre Dessow“ im Mai 2007, „10 Jahre Line Dance“ im September 2016 und „666 Jahre Dessow“ im Juni 2023.

In der Nähe des Sportplatzes befindet sich der Ochsenteich, der einst zum Waschen von Pferdefuhrwerken vom Gut genutzt wurde. Dank einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme aus einem Windkraftanlagenprojekt in Kantow erfolgte im letzten Jahr die Sanierung des Teiches und des Umfeldes. Zwei Bänke laden jetzt zum Verweilen ein.

Weiter in Richtung Friedensweg hat sich jüngst auf dem ehemaligen Grundstück Probst ein Gewerbetreibender niedergelassen, die Fa. Hein mit Holzhandel und Landschaftsgestaltung. In der Straße gab es auch einst den Fleischer Probst und die Gärtnerei Jagodzinski.

Kurz vor dem Abbiegen auf der Dorfstraße ist zur rechten Seite noch die ehemalige Gaststätte zu sehen, die heute als Wohnhaus genutzt wird. Erstmals erwähnt wurde diese 1837.

In der Dorfstraße befindet noch das alte Schulgebäude. Bis zur Wende war hier die Kita untergebracht und heute ein Wohnhaus. Auf der anderen Straßenseite steht das Feuerwehrgebäude der Einheit Dessow (Ganzer/Lögow/Trieplatz).

Ein kleines Stück weiter mitten im Ort gab es ein Dorfkonsum. Nach dem Umbau wird er heute als Wohnhaus genutzt.

Wenn wir nun weiter in Richtung Ganzer fahren, kommen wir zum Bahnübergang. 1902 erhielt Dessow durch die Eisenbahnstrecke Neustadt – Neuruppin einen eigenen Bahnanschluss mit Bahnhof, Gaststätte und Verladestation. Der Personenverkehr wurde zuletzt von der Prignitzer Eisenbahn vorgenommen. Am 09.12.2006 fuhr der letzte Triebwagen offiziell diese Strecke. Nach 104 Jahren wurde die Personenbeförderung auf der Schiene eingestellt. Für den Güterverkehr nutzt man primär diese Verbindung. Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs wird zurzeit diskutiert und geprüft.

Auf dem Bahnhofsgelände waren auch jahrelang der Sitz der BHG (Bäuerlich-Handels-Genossenschaft) und des ACZ Dessow (Agro-Chemisches-Zentrum). Diese beiden Betriebe waren zuständig für die umliegenden Orte.

An der Ecke Dorfstraße/Bahnhofsweg konnte man bis Anfang 1990 in der Bäckerei Dieter Dammasch in dritter Generation frische Backware kaufen.

Am Ortsausgang von Dessow in Richtung Ganzer an den „Vier Teichen“ befand sich einmal eine Ziegelei. Der Begriff der Teiche resultiert aus dem Tonabbau.

In der Dorfstraße standen früher auf beiden Seiten Eichen, welche den dörflichen Charakter widerspiegelte. Anfang der 70iger Jahren wichen diese auf der einen Seite wegen des Straßenbaues. Inzwischen mussten einige gefällt werden bzw. wurden Opfer von Stürmen. Im Februar 2026 begann die Ersatzpflanzung. Im Zuge der geplanten Straßenumbenennung könnte die Dorfstraße demnächst „Dessower Allee“ heißen.

Leider ging in der Geschichte des Dorfes viel verloren wie z. B. von Handwerk, Gewerbe, Handel und Schule. Aber wir wollen optimistisch in die Zukunft schauen. Uns an den Dingen erfreuen, die wir noch haben und die wir auch noch ausbauen wollen.

Zum Beispiel findet unser Parkfest in diesem Jahr am Samstag, den 02.05.2026 statt. Hier sind Ideen bzw. Vorschläge der Einwohner für das Programm gefragt. Da alles sauber und ordentlich sein soll, wird es am Samstagvormittag, den 28.03.2026 ab 9.00 Uhr einen Arbeitseinsatz geben. Nach getaner Arbeit wird der Grill angemacht.

In den letzten Jahren zogen erfreulicherweise viele junge Familien nach Dessow. Die Anzahl der Kinder hat zugenommen. Hinter der Feuerwehr befindet sich ein sehr überschaubarer Spielplatz. Eine Ergänzung mit Spielgeräten wäre wünschenswert. Nach Abriss des ehemaligen Jugendclubs (siehe WIP Ausgabe 4) ist genug Platz vorhanden.

Vor Jahren war die Sanierung des Friedens- und Postweges geplant. 2021 erfolgte der grundhafte Neubau des Friedensweges.

Nun hofft man, dass auch der Postweg in Zukunft erneuert wird.

Es gibt immer wieder etwas, was im Ort getan bzw. geändert werden muss. Alle paar Wochen findet im Sporthaus eine öffentliche Ortsbeiratssitzung statt.

Zusammenhalten, gemeinsam anpacken sowie auf Ordnung und Sicherheit achten macht ein Dorf lebenswert. Ohne aktive Bürgerinnen und Bürger geht wenig. Wir danken allen, die interessiert am Dorfleben teilnehmen und sich auch ständig tatkräftig engagieren.