Am 28. März 1852 gründete sich ein Verein zur Rettung „sittlich verwahrloster“ Knaben, worauf der Freiherr Max von Romberg auf seinem Gut in Tornow übergangsweise eine Hofstelle als Rettungshaus zur Verfügung stellte. Im Jahr 1855 erwarb der Verein dann ein Grundstück bei Brunn und baute ein Wohnhaus mit Neben- und Stallgebäuden als dauerhafte Unterkunft, in dem dann 15 Jungs einzogen. Schon damals bildete die Landwirtschaft mit Tierhaltung und Gartenbau die Grundlage zur Lebensmittelversorgung. Das Haupthaus und ehemalige Schulgebäude als Backsteinbau prägen auch heute noch das Erscheinungsbild von Heilbrunn. Die Namensgebung Heilbrunn erfolgte auf Grundlage des Bibelwortes „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen“ (Jes. 12,3). 1958 musste aufgrund staatlichen Zwangs die Arbeit als Kinder- und Jugendheim beendet werden. Die Kinder und Jugendlichen mussten Heilbrunn verlassen und es zogen Jugendliche mit einer geistigen Behinderung aus dem Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie aus Brandenburg Görden nach Heilbrunn. Seit 1973 gehört die diakonische Einrichtung zur Stephanus-Stiftung. Sie ist heute eines der größten deutschen Organisationen im sozialen Sektor mit Hauptsitz in Berlin. Im Rahmen ihrer vielfältigen Tätigkeitsfelder kümmern sich heute 4.500 Mitarbeitende an 140 Standorten in Berlin und Brandenburg um 10.000 Menschen in besonderen Lebenslagen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der arbeitstherapeutische Bereich im Jahr 1991 zu einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und zugleich Ursprung für die Stephanus-Werkstätten Ostprignitz-Ruppin mit ihren vier Standorten Kyritz, Wittstock, Neuruppin und Heilbrunn. Heute befinden sich die Wohnstätte und die WfbM auf dem Hof Heilbrunn.
Neben den 55 Menschen, die hier wohnen, werden ca. 50 Personen im Berufsbildungsbereich und Arbeitsbereich pädagogisch begleitet. Die Angebote erstrecken sich von der Landwirtschaft, Fleischerei mit Hofladen und Hauswirtschaft bis hin zur Garten- und Landschaftspflege. Die Betriebsstätte Heilbrunn bewirtschaftet ca. 300 ha Acker und Wiese, hält 250 Schweine, 180 Rinder der Rasse Simmentaler Fleckvieh und Aberdeen Angus sowie 80 Legehennen im Mobilstall und 200 Enten und 50 Gänse.
Auf den Feldern werden Getreide, Körnererbsen, Kleegras, Mais, Wicken und Grassamenvermehrung angebaut. Die Landwirtschaft basiert auf einer klassischen Kreislaufwirtschaft. Alle Tiere werden mit eigenem Futter versorgt und auf Stroh gehalten, welches dann wieder in Form von Stalldung als natürlich organischer Dünger auf den Feldern ausgebracht wird. Die Mutterkühe stehen mit ihren Kälbern von Frühjahr bis Herbst auf den umliegenden Weiden.
In der hofeigenen Fleischerei werden jährlich über 60.000 kg Fleisch verarbeitet, welches von den eigenen Schweinen und Rindern stammt. Über 100 Produkte in Form von Steak, Wurst, Braten und Burgerpatties werden wöchentlich frisch zubereitet und jeden Donnerstag und Freitag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr im Hofladen direkt vor Ort angeboten.
Zudem werden Futtermittel wie z. B. Weizen, Schrot und Quetschhafer sowie Heu und Stroh in kleinen Mengen verkauft. In allen Tätigkeitsbereichen des Stephanus-Hofes arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung Hand in Hand. Sie tragen zur regionalen Wertschöpfung ganz individuell und nach persönlichen Möglichkeiten bei. Wer Heilbrunn näher kennenlernen möchte, ist herzlich zu den jährlichen Veranstaltungen eingeladen. Neben dem Frühlingsmarkt, der Landpartie und dem Weihnachtsmarkt bietet das alljährliche Jahresfest eine gute Gelegenheit, sich vor Ort mal umzusehen und ins Gespräch zu kommen.
Traditionell findet das Jahresfest jedes Jahr am letzten Sonntag im August statt. Das bunte Programm lockt über 1.000 Besucher nach Heilbrunn und ist mittlerweile weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.
Wir hoffen, Ihr Interesse an unserem Hof geweckt zu haben und würden uns sehr freuen, Sie hier vor Ort begrüßen zu können, an dem Ort zum Leben, dem Ort der Begegnung und dem Ort der individuellen persönlichen Entwicklungsmöglichkeit.
Julia Mauksch | Oliver Grube |
Wohnstättenleiterin | Betriebsstättenleiter |