Fritz Motzkau bei der Arbeit am Rotarmisten, aus: „Freie Erde“ vom 29.10.1954
Von Fritz Motzkau geschaffene Plastik „Christus trägt sein Kreuz“ (das Kreuz fehlt), Privatbesitz
Von Fritz Motzkau geschaffener Tisch mit Hinterglasmalerei und geschnitzten Beinen, Privatbesitz
Auch in diesem Monat kommt das Fundstück des Monats von der Arbeitsgruppe Ortsgeschichte. Vielen Dank für den Beitrag! Ich freue mich auf weitere interessante Beiträge von der Arbeitsgruppe und natürlich auch von allen anderen Geschichtsinteressierten aus Mirow und den umliegenden Dörfern.
50 Jahre lang krönte die Plastik des Rotarmisten das Mausoleum auf dem Neustrelitzer Marktplatz. Geschaffen wurde die Figur ursprünglich aus Holz von Friedrich Julius Motzkau, einem Bildhauer und Maler, der zur Zeit des Kriegsendes 1945 in Neustrelitz verheiratet war und im Haus Café Pogoda lebte.
Zeitzeugen berichten von einer Frau Motzkau in Neustrelitz, die russisch sprach und nach dem Kriegsende in der Kommandantur als Dolmetscherin arbeitete. Sie setzte sich dort für internierte Deutsche ein und schmuggelte Briefe und Lebensmittel zu den Gefangenen in Fünfeichen, bis sie bei den sowjetischen Machthabern in Ungnade fiel. Was danach aus ihr wurde, ist derzeit nicht bekannt. Unklar ist auch, ob es sich tatsächlich um die erste Ehefrau von Fritz Motzkau handelte. Es wäre denkbar, dass ihre Kontakte zur russischen Verwaltung den Auftrag zur Schaffung des Rotarmisten vermittelten.
Als Fritz Motzkau einige Jahre später nach Mirow zog, war er in zweiter Ehe mit Ursula Hinz aus Wesenberg verheiratet.
Die beiden lebten in Mirow in der Rudolf-Breitscheid-Straße 17 im Haus des Stellmachers Prüss. Hermann Prüss war Ursulas Onkel. Die Ehe blieb kinderlos. Fritz Motzkau starb als Rentner im März 1972 und wurde auf dem städtischen Friedhof in Mirow beigesetzt.
Wir wissen momentan nichts über Fritz Motzkaus ursprüngliche Herkunft. Ein in Privatbesitz befindliches Bild des Neustrelitzer Schlosses und einige wenige qualitätvolle Plastiken lassen eine künstlerische Ausbildung vermuten. Einer Erzählung zufolge soll er an der zentralen Christusfigur in der Mirower Kirche (mit-)gearbeitet haben. Das überlebensgroße Kruzifix wird bisher ausschließlich dem Architekten Paul Zühlke zugeordnet.
Gibt es in Mirow und Umgebung Menschen, die sich noch an Fritz Motzkau erinnern und über ihn berichten können? Besitzt jemand Werke von ihm, die er oder sie eventuell leihweise für eine Ausstellung zur Verfügung stellen würde?
Das Mirower Stadtarchiv und die Arbeitsgruppe Ortsgeschichte sind für jeden Hinweis dankbar. Bitte melden Sie sich über stadtarchiv-mirow@amt-mecklenburgische-kleinseenplatte.de oder wenden sich direkt an die Ortsgeschichtler Anne Görtz, Barbara Lange, Kevin Lierow-Kittendorf oder Bettina Strauß.