"Prospect der Stadt Wittenburg", C. Hane 1751
Von vielen heiß erwartet, gibt es seit wenigen Tagen die aktuelle Chronik der Stadt Wittenburg – oder besser: das „Heimatbuch“. Schließlich hat sich das Autorenteam um Dr. Ute Siering von vornherein dazu entschlossen, nicht trocken Jahreszahlen aneinanderzureihen, sondern auch und vor allem die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die in unserer Stadt und ihrer Umgebung gelebt haben und heute noch leben. Die hier ihre Heimat gefunden haben.
Unter dem Titel „800 Jahre Wittenburg – Beiträge zur Stadtgeschichte“ bildet das Buch ein buntes Panorama verschiedener Themen ab und schließt auch endlich die Lücke seit der letzten Chronik von 1976. Herausgeber des Buches ist der Wittenburger Kulturverein, bei dem es auch bestellt werden kann. Käuflich erwerben können Sie es ebenfalls in der Stadtbibliothek, in der Wittenburger Buchhandlung KIEBITZ und bei „Dies & das“ zum Preis von 36,90 €.
Im Folgenden finden Sie eine kleine Kostprobe – natürlich dem Datum angemessen von der Zeit der Stadtgründung und kurz danach:
Das Jahr 1226 wird als Jahr der Stadtgründung gezählt, weil in diesem Jahr Kaiser Friedrich II. der Stadt Lübeck die Reichsfreiheit verleiht und ihr den ungehinderten Handelsverkehr mit den Städten (!) Hamburg, Schwerin, Ratzeburg und Wittenburg zusichert. Wahrscheinlich erfolgte die Stadtgründung schon früher. Die Bezeichnung „civitas“ („Stadt“) und die Erwähnung der Kirche finden sich auch 1230 im Ratzeburger Zehntregister. Dort ist zu lesen, dass das Land Wittenburg damals 93 Ortschaften besaß, darunter 9 Kirchspieldörfer (Tsarnetin, Nienkerken, Dobersche, Parem, Hagenow, Priscire, Vilan, Curchowe und Camin). Es herrschte wie in vielen Städten Norddeutschlands das lübische Stadtrecht. Somit gehört Wittenburg mit zu den ältesten Städten Mecklenburgs.
Stadtherren waren zunächst die Grafen von Schwerin. 1282 war Wittenburg Hauptstadt einer selbstständigen Grafschaft, die sich von der Elbe bei Boizenburg bis hinter Crivitz erstreckte. Diese Grafenzeit dauerte etwa 70 Jahre.
1296 sind erstmals Ratsherren bezeugt, Bürgermeister lassen sich seit 1358 nachweisen. 1358 fiel die Stadt dann an die mecklenburgischen Herzöge und die Burganlage diente als Notlager und Nebenresidenz, später als Wohnsitz fürstlicher Witwen. Das Stadtgericht wurde vom Stadtvogt und zwei Beisitzern des Rates geleitet. Ein Scharfrichter wohnte an der Stadtmauer.1496 hatte die Stadt 500 bis 600 Einwohner.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich die Herzogin Anna-Sophie, die zeitweise ihren Wohnsitz in Wittenburg innehatte, für Wohlstand und Entwicklung des Landes ein. Sie ließ Eisengießer und Schmiede aus der Harzgegend kommen und in Wohlde und Schaalmühle Eisenschmelz- und Hammerwerke anlegen. Das Material lieferte der in der Gegend vorkommende Raseneisenstein. Auch Glashütten entstanden in dieser Zeit. Untergegangen ist die Industrie dann aber wieder in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges.
Zu den Stadtrechten gehörten neben dem Markt-, Münz- und Zollrecht auch das Recht, starke Mauern zur Befestigung zu errichten (Befestigungsrecht). Die Stadtmauer – als Wehrmauer errichtet – diente dem Schutz vor Angreifern, sie konnte nur durch die beiden Stadttore passiert werden. Für die Befestigungsanlagen in Wittenburg wurde Backstein als Baumaterial verwendet, der zu dieser Zeit in Norddeutschland starke Verbreitung fand.
Die Befestigungsanlage der Stadt bestand aus Stadtmauer, Wall und Wallgraben, Wehrtürmen und Stadttoren. Erhalten sind davon noch der dreigeschossige spätmittelalterliche gotische Torturm als Rest der Burganlage (Amtsbergturm), der 1998 saniert wurde, der Storchenturm in der Wallstraße (gegenüber Nr. 17/19), der Hungerturm in der Wallstraße 63 und Reste der Stadtmauer sowie Teile der Wallanlagen. Das Mühlentor wurde 1850 abgerissen, das Steintor 1869.
In Wittenburg teilte man die Stadt in das Steintorsche und das Mühlentorsche Revier. Zwei Bürgerworthalter, später Stadtsprecher genannt, und zwei sogenannte Viertelsmänner waren verantwortlich. Für die Stadtverteidigung wurden auch die Bürger verpflichtet, einzelne Abschnitte der Stadtmauern wurden den verschiedenen Handwerkerzünften und Kaufmannsgilden zugeteilt. Erste Bürgerwehren entstanden, in denen sich auch die Wurzeln der Schützengilden finden. Die Wittenburger „Schuttengilde“ wird erstmals 1514 urkundlich erwähnt. Damit ist sie eine der ältesten Schützenzünfte in Mecklenburg.
Zur Verteidigung von Burg und Stadt hatten die Burgherren selbstverständlich auch ihre eigene Mannschaft, darauf z.B. weist auch der Name Ritterstraße (heute Friedrich-Tarnow-Straße) hin.