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Amtliches Mitteilungsblatt des Amtes Nord-Rügen
Ausgabe 2/2026
Aktuelles aus der Region
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130 Jahre Wittower Fähre – Neue Ausstellung im Hafen von Wiek

 

Heimatverein Wiek / Rügen e.V.

Straße der Jugend 16, D - 18556 Wiek/Rügen

Tel.: +49 - 38391-70724

E-Mail: info@heimatverein-wiek-ruegen.de

Homepage: www.heimatverein-wiek-ruegen.de

Der Heimatverein Wiek zeigt vom 12. Juni bis zum 31. Dezember in seinem Ausstellungsraum am Hafen (Am Hafen 3) eine neue Sonderausstellung zum 130-jährigen Jubiläum der Wittower Fähre. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils dienstags und donnerstags von 16 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei – oder, wie man auf Wittow vielleicht sagen würde: „Es kost' nix.“

Auf sieben großformatigen Tafeln wird die Geschichte Wittows und seiner wachsenden Verkehrsverbindungen lebendig erzählt. Alte Fotografien, historische Dokumente, neu gezeichnete Grafiken und leicht verständliche Texte schlagen dabei einen Bogen von den frühesten Wegen von der einstigen Insel Wittow bis hin zu Fähren, Eisenbahn und moderner Verkehrsanbindung.

Natürlich: Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Schiffen der Wittower Fähre. „Erzählt wird die Geschichte jener Fahrzeuge, die zunächst als Eisenbahntrajekte dienten und später Autos, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger über den Bodden brachten.“

Ergänzt wird die Ausstellung durch acht Hörbeiträge des Autors Klaus Bock. Diese nennt er bewusst nicht Podcasts, sondern „Hör mal ’n beten to“-Geschichten. Die zwischen zehn und fünfunddreißig Minuten langen Beiträge erzählen Hintergründe, Anekdoten und Geschichten, die sich auf einer Ausstellungstafel oft nur schwer darstellen lassen.

„Manches kann man besser erzählen als zeigen“, sagt Bock. Er ist derselbe Geschichtenerzähler wie der, der die Podcasts für Kap Arkona produziert hat. Eine der Hörgeschichten widmet der großen Brücke von Muttland nach Wittow, die nie gebaut wurde. Warum sie nie entstand, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Eine der Hörgeschichten widmet sich der großen Brücke von Muttland nach Wittow, die nie gebaut wurde. Warum sie nie entstand, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. In seiner Erzählung liefert Bock dafür eine ebenso logische wie frei erfundene Erklärung. Historische Fakten und erzählerische Fantasie gehen dabei gelegentlich Hand in Hand.

Die Ausstellung greift zudem heute nur noch wenig bekannte Kapitel der Regionalgeschichte auf. So wird unter anderem an die Planungen erinnert, in den 1960er Jahren auf Wittow einen großen Fährhafen mit Verbindungen in den Ostseeraum zu errichten. Verwirklicht wurde das Projekt bekanntlich nicht. Jahre später entstand stattdessen der Fährhafen Mukran.

Besondere Aufmerksamkeit dürften auch zahlreiche historische Fotografien auf sich ziehen. Viele von ihnen werden erstmals koloriert gezeigt. Möglich wurde dies mit Hilfe moderner KI-Technik, die aus alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen überraschend lebendige Farbbilder entstehen lässt – „wenn man die KI höfflich bittet“, erläutert Bock.

Kurz vor Fertigstellung der Ausstellung kam noch ein weiteres spannendes Thema hinzu: Die Story, dass eines der Wittower Fährschiffe während des Zweiten Weltkriegs Raketen von Peenemünde zur Greifswalder Oie transportiert haben soll. Soll! Also so etwas wie ein Konjunktiv. Hat sie oder hat sie nicht? Ob sich diese Geschichte vollständig belegen lässt oder nicht – egal, sie eröffnet einen spannenden Blick auf die Anfänge der Raketentechnik. Von den ersten Versuchen auf der Greifswalder Oie (mit der Fähre „Jaspar von Maltzahn“?) spannt sich der Bogen über die Raumfahrtpioniere bis zum ersten Menschen im All, Juri Gagarin, und den Mondlandungen.

Sogar die berühmte Mondrakete aus dem Comic „Schritte auf dem Mond“ taucht dabei am Rande auf. Was sie hier zu suchen hat? Kommen Sie, schauen Sie, staunen Sie.

Auch Freunde des Modellbaus kommen auf ihre Kosten. Liebevoll gestaltete Modelle der Wittower Fähren u.a. vom Modelleisenbahnclub Sassnitz sind in der Ausstellung zu sehen. Außerdem hat der Modelleisenbahnclub Kreischa-Sachsen ein Modell des Fährschiffes WITTOW im Maßstab einer Garteneisenbahn gebaut, das den Besuchern auf Wunsch mit einer Zugeinheit in Funktion präsentiert werden kann.

Trotz moderner Technik versteht sich die Ausstellung ausdrücklich als ein Projekt von Menschen für Menschen. Sie wurde mit großem ehrenamtlichem Engagement und vergleichsweise einfachen Mitteln realisiert. „Man merkt dieser Ausstellung an, dass sie mit Herzblut gemacht wurde“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Wiek, Karl-Heinz Walter. „Sie ist natürlich nicht so digital und spektakulär wie manche Museumsausstellung mit riesigem Etat, dafür erzählt sie unsere Geschichte, hier vor Ort, in einem Maßstab, der zu einem Heimatmuseum passt.“

Karl Heinz Walter steht während der Öffnungszeiten selbst als Ansprechpartner zur Verfügung und ergänzt die Ausstellung gern mit persönlichen Erinnerungen, Hintergrundwissen und Geschichten, die auf keiner Tafel stehen.

So bietet die Ausstellung Stoff für einen abwechslungsreichen Besuch von etwa einer Stunde. Geschichte, Technik, Heimatkunde, Modelle, Hörgeschichten und Filme verbinden sich zu einem Blick auf Wittow, wie man ihn sonst kaum bekommt. Manche lokale Besucher werden Bekanntes wiederentdecken. Besucher werden überrascht sein, was sich hier alles abgespielt hat.

Heimatverein Wiek / Rügen e.V.

Ausstellung:

130 Jahre Wittower Fähre

Ort:

Heimatverein Wiek, Am Hafen 3, Wiek Rügen

Zeitraum:

12. Juni bis 31. Dezember

Öffnungszeiten:

Dienstag und Donnerstag 16:00 bis 19:00 Uhr

Eintritt:

Frei. Oder auf Wittow: „Es kost nix.“