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Amtsbote Lützow-Lübstorf
Ausgabe 2/2026
Aus den Gemeinden
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„Ist das Moor noch zu retten?“ Einblicke in die Wiederbelebung des Grambower Moores

Regional. Viele Leserinnen und Leser dieses Amtsblattes werden das Grambower Moor von Sparziergängen oder Führungen kennen. Das Grambower Moor ist das zweitgrößte Regenmoor in Mecklenburg-Vorpommern. Aktuell gleicht das Moor leider eher einem schönen Waldgebiet. Regenmoore - wie der Name schon sagt - beziehen ihr Wasser ausschließlich von oben, also als Regen, Schnee oder Tau. Sie sind nährstoffarm. Die prägenden Pflanzen sind Torfmoose. Durch die lange andauernde Entwässerung und Abtorfung ist der moortypische Zustand im Grambower Moor, wie bei über 90% der Moore in Deutschland, stark geschädigt. Die Folgen sind deutlich zu sehen. In den Jahren 2022 und 2023 trocknete der Große Moorsee fast vollständig aus. Der Rohrkolben, eine nicht regenmoortypische Pflanze, konnte sich hier flächig ausbreiten.

Der Moorschwund auf den entwässerten Böden führt zur Schrumpfung, Mineralisierung und Erosion. Folglich kommt es seit einigen Jahren wieder zu einem stärkeren Baumaufwuchs und Ausbreitung der Bewaldung. Die besonders schützenswerten Bereiche mit regenmoortypischer Vegetation gehen dadurch deutlich zurück. Mitte der 1990er Jahre wurden durch ABM-Kräfte und Mitglieder des Fördervereins Grambower Moor e.V. viele Entwässerungsgräben abgedichtet. Dies führte, verbunden mit niederschlagsreichen Jahren zu Beginn des neuen Jahrtausends, zu höheren Wasserständen im Moor. Alte Baumbestände sind damals auf Grund der höheren Wasserstände im Moor abgestorben. Fruchtendes Wollgras konnte großflächig bestaunt werden. Doch diese für das Moor förderlichen Wasserstände waren nicht von Dauer.

Regenmoor trocknet aus

Neue Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung sind erforderlich, um den flächigen Wasserabfluss innerhalb der oberen Bodenschichten und die damit verbundene weiter fortschreitende Austrocknung zu verhindern. Noch weist das Grambower Moor sehr schützenswerte natürliche Artengemeinschaften eines lebenden Regenmoores auf. Um diese zu erhalten und zu vergrößern, soll dem Grambower Moor eine neue Chance gegeben werden. Dazu wurden in Projektträgerschaft der Stiftung Umwelt und Naturschutz MV, Ende 2023 und Anfang 2024 im Rahmen eines Pilotprojektes auf den sogenannten Frästorfflächen zwei Dichtwälle gebaut.

Rettung in Sicht?

Die nächsten Maßnahmen im Moor sollen im Winter 2026/2027 starten. Sowohl die Genehmigung für die Umsetzung der Maßnahmen als auch die Zusage der Förderung und Finanzierung der nächsten drei Bauabschnitte u.a. aus europäischen Finanzmitteln liegen vor.

Neben der Verbesserung der Regenwasserrückhaltung spielt die Verdunstung eine nicht unerhebliche Rolle für den Wasserhaushalt im Moor. Große, dichte und immergrüne Baumbestände verdunsten mehr Wasser als kleine, lichte Bestände oder eine Torfmoosvegetation. Eine weitere Möglichkeit, mehr Wasser im Moor zu halten, ist also, den Bestand großer Bäume im Moor zu verringern und dichte Baumbestände auszulichten. Angestrebtes Ziel ist ein Wasserstand nahe der Geländeoberkante bzw. maximal 10 cm darunter. Torfmoose sollen sich flächig etablieren können und gute Wachstumsbedingungen erhalten. Großflächige Flachwasserbereiche im Gelände sollen genauso vermieden werden wie das Austrocknen der oberen Bodenschichten.

Im Rahmen des Projektes „Verbesserung des Wasserrückhaltes im Grambower Moor (Umsetzung)“ sollen die aufgezeigten unterschiedlichen Maßnahmen zur Herstellung und Stabilisierung moortypischer Wasserstände umgesetzt werden. Neben der beabsichtigten Verbesserung der Lebensbedingungen für viele regenmoortypische Tier- und Pflanzenarten, verfolgt das Projekt auch Klimaschutzziele. Durch eine erfolgreiche Wiedervernässung könnte das Grambower Moor von einer großen CO2-Quelle wieder zu einer CO2-Senke werden und über einen langen Zeitraum mehr CO2 aufnehmen und speichern als es abgibt. Die Grundwasserstände und die Lebensbedingungen im Moor werden aber letztlich durch das Wetter, die tatsächlichen Regenmengen, Wind und Sonne sowie die Verdunstung durch Bäume und Vegetation bestimmt.

Über diese Maßnahmen und den Fortgang des Projektes lesen Sie mehr in einer der nächsten Ausgaben.

Karsten Pellnitz (Förderverein Grambower Moor e.V.)