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Bi uns to Hus
Ausgabe 5/2026
Schul- und Kitanachrichten
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Neues aus dem ÜFZ SEHEN Neukloster

Schauen wir mal - oder „wir erleben es einfach“

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Was passiert eigentlich hinter den Türen des ÜFZ SEHEN Neukloster? Wie funktioniert der Unterricht mit sehbehinderten und blinden Schülern? Diese und viele weitere Fragen konnten am 22. Apil 2026 beantwortet werden. Nach über 10 Jahren wurden das erste Mal wieder die Türen der „Blindenschule“ (denn so wird sie in Neukloster noch immer genannt) für Gäste geöffnet.

 

 

Unter dem Motto „Schauen wir mal“ haben Lehrer und Schüler ganz viele Einblicke in den Schulalltag ermöglicht. Das Ziel: Zeigen, wie sehbehinderte und blinde Schüler den Schulalltag erleben.

Alles war möglich - ob mit Simulationsbrillen schreiben oder die paralympische Sportart Goalball ausprobieren. Hilfsmittel wie Bildschirmlesegeräte oder die Brailleschriftmaschine ausprobieren, auf Mathefolien zeichnen, unter der Augenbinde Geld abzählen oder den richtigen Deckel für eine Dose finden. Im Schulteil für den zusätzlichen Förderbedarf Geistige Entwicklung wurden ebenfalls spezielle Arbeitsmaterialien und Hilfsmittel sowie Berufsorientierungsmaßnahmen vorgestellt. Es kamen die Vorschulkinder des Kindergartens, Schüler der benachbarten Schulen, Eltern von derzeitigen oder zukünftigen Schülern zu Besuch und auch Neuklosters Bürgermeisterin Frau Bruck sah sich die Einrichtung ganz genau an. Es gab sowohl Führungen durch die verschiedenen Schulteile und das Internat als auch einen Kuchenbasar, für den fleißige Eltern zahlreiche Kuchen gebacken haben.

„Ist ja wie in einem Hotel hier!“, „Euer Schulhof - so riesig!“, „So schön hier!“ – das waren Zitate, die die Schülerzeitungsredaktion von den Besuchern gesammelt hat. Die folgenden Worte eines Vorschulkindes fassen den Eindruck der Besucher fantastisch zusammen: „Diese Schule ist schön, wichtig und praktisch.“

 

 

Die staunenden Gesichter der Besucher beim Ausprobieren der Punktschrift oder beim Entdecken, wie blinden Schülern Mathematik mithilfe spezieller Hilfsmittel verständlich vermittelt wird, rundeten diesen Tag ab. Es ist wichtig, die Türen nach innen zu öffnen - bevor Urteile von außen fallen. Deshalb will das ÜFZ SEHEN Neukloster künftig regelmäßig Einblicke in seine Arbeit ermöglichen.

„Man soll nicht aufhören, bevor es am schönsten ist.“1

Am schönsten ist es natürlich, wenn man für seine Arbeit belohnt wird. Auch, oder besonders, wenn sie unbequem ist, schwierig war und wenn man gar nicht mit einer Belohnung gerechnet hat. So erging es uns, der Schülerzeitungsredaktion BLIND DATE des Überregionalen Förderzentrums Sehen in Neukloster.

Denn auf der Preisverleihung des diesjährigen Schülerzeitungswettbewerbs Mecklenburg-Vorpommerns erhielten wir den Sonderpreis „Bester Artikel - Die Stimme der Schüler:innen“ für ihren zweiteiligen Artikel „Die Demonstration, die nie eine war und trotzdem verboten wurde!“.

 

 

Auslöser war im März 2025 ein Konflikt um die Raumnutzung am ÜFZ Sehen. Obwohl es nur um einen Raum ging, schlugen die Wellen doch hoch und brachten viel Unzufriedenheit für alle Beteiligten.

Wir, die Schülerzeitungsredaktion, und die Schülersprecher versuchten Antworten auf Fragen zu bekommen und setzten uns für die Interessen der Schüler ein. Erst gab es Stillstand, dann Gespräche und irgendwann auch eine Kompromisslösung. Das Thema fand natürlich Platz in der Sommerausgabe des vergangenen Schuljahres.

Fast genau ein Jahr später wurde nun unser Engagement belohnt: „Der Artikel hat die Jury überzeugt, weil er zeigt, was Schülerjournalismus leisten kann, wenn er genau hinschaut, nachfragt und Haltung zeigt […], den Wert von Bildung von kultureller Teilhabe und Mitbestimmung.“, heißt es in der Laudatio von Caroline Wenndorff, Redakteurin beim Nordkurier.

Der Preis kam für uns völlig unerwartet, umso größer war die Freude darüber. Und aufhören werden wir jetzt natürlich nicht, denn „E[s] macht Mut, die eigene Stimme zu nutzen.“2 und bestärkt uns darin, „dass Schülerzeitungen nicht nur Berichte erstatten, sondern auch Orte der Meinungsbildung und des demokratischen Denkens sein können.“2 Und – noch viel wichtiger, dass ein Einsatz zum Wohle aller, wenn auch nicht direkt – irgendwann belohnt wird, vor allem, wenn er notwendig ist.

Sophie Hönemann

1 Walter Ludin (*1945), Schweizer Journalist, Redakteur, Aphoristiker und Buchautor, Mitglied des franziskanischen Ordens der Kapuziner.

2 Laudatio von Caroline Wenndorff, Redakteurin beim Nordkurier.