Neukloster erinnert in einer Ausstellung an seine verschwundene Ladenvielfalt. 21 Tafeln zeigen vom Ortseingang bis zum Waldhotel, wie sich das Stadtbild seit 1900 verändert hat. Ein Gärtner, eine Schneiderei, ein Manufakturwarengeschäft, Maler und Lackierer, ein Kleidungsgeschäft, ein Fahrradgeschäft, ein Kaufhaus, ein Zahnarzt mit einem Zahntechniker gleich nebenan, natürlich auch Lebensmittelgeschäfte, Bäcker, Fleischer – eigentlich gab es nichts, was es nicht gab im einstigen Neukloster. Der Museumsverein zeigt an 21 Tafeln anschaulich in alten und neuen Bildern sowie überschaubaren Texten, welche Geschäftstreibende es vom Ortseingang Neuklosters von Wismar kommend bis Ortsausgang Neukloster Richtung Bützow ab 1900 bis heute gab oder noch gibt. Einst war Neukloster gewerbetechnisch eine bunte, vielschichtige Stadt, in der ihre Einwohner alles bekamen, ohne die Stadt verlassen zu müssen. „Heute ist fast alles weg“, so der Tenor der Leute, die diese Tafeln sehen.
Der Museumsverein Neukloster unter Vorsitz von Olaf Zietek lud am 4. Mai 2026 zur Museums-Wiedereröffnung nach langer Winterpause mit gleichzeitiger Ausstellungseröffnung ein. Viele Interessierte kamen, denn die neue Ausstellung lockte. Hatte sie doch einen frühen Anfang, also mehr als ein Jahr Vorbereitungszeit. „Am 18. November 2024 gab es auf der Vollversammlung des Vereins den Vorschlag, eine neue, große Ausstellung über die Gewerbetreibenden Neuklosters zu initiieren. Am 21. Februar 2025 fanden wir uns dazu zum ersten Mal zusammen. Bis zum Sommer wurde heiß diskutiert, bis wir wussten, wie wir die Ausstellung gestalten wollen. Und dann ging es los“, so Olaf Zietek.
Vereinsmitglied Heike Lodders war letztlich diejenige, die das Zepter der Arbeitsgruppe bestehend aus etwa sieben Mitstreitern, in die Hand nahm. „Herrmann Schulz, ein ehemaliges Mitglied unseres Vereins, hatte mir schon vor Jahren 16 dicke Bände des sogenannten „Boten von Neukloster“ gegeben. Da haben wir viel Material herausnehmen können. Das brauchten wir bloß mit Heute vergleichen“, erzählte sie. „Im Februar letzten Jahres hatten wir einen Aufruf gestartet und nach alten Postkarten und Bildern gefragt. Da kam einiges zusammen. Die Leute wünschten sich viele Fotos und wenig Text. Ich glaube, diesen Wunsch konnten wir gut umsetzen.“
Viele Fotos bzw. Postkarten aus der Zeit um 1900 erhielt die Arbeitsgruppe. Also konnte sie 1900 starten. Haus für Haus, Geschäft für Geschäft, Handwerker für Handwerker von der Tankstelle bis zum Waldhotel nahmen sie sich vor und zauberten hochinformative Schautafeln.
Elfi Fuest (72) lebt seit 1970 in Neukloster. Beim Lesen und Betrachten der Tafeln kamen in ihr so einige Erinnerungen hoch. „Z.B. erinnere ich mich noch sehr gut an Frau Gierke in ihrem Kurzwaren- und Spielzeugladen. Hier gab es von Knöpfen bis Spitze, ja sogar Weihnachtsmasken alles. Und ich sehe sie noch vor mir, wie sie da hinter dem Tresen stand. Oder das Apothekenhaus von Otto Held. 1943 hatte er es an die Tochter Anneliese übergeben, die hatte es später verkauft. Heute ist es nur noch ein Wohnhaus. Oder die Schneiderin Persky. Bei ihr hatte ich mir noch eine Hose schneidern lassen. Heute gibt es das alles nicht mehr. Und zu dem Haus Hauptstraße 18 hatte ich eine ganz besondere Beziehung: Dort hatte Anton Fuest seine Zahnarztpraxis, zusammen mit dem Kaufhaus. Nebenan arbeitete Winfried Fuest, der spätere Bürgervorsteher, als Zahntechniker. Den Mann habe ich geheiratet. Damals waren also Praxis und Labor gleich nebeneinander. Heute ist da nichts mehr.“
Die 87-jährige Brigitte Kaaksteen erzählte: „Wir sind 1944 aus Neubrandenburg hierher geflüchtet. Meine Mutter war hier geboren und wir blieben. Ich kenne noch alle Straßen und die kleinen Geschäfte waren so schön. Was ist heute? So gut wie nichts!“
Wer ebenfalls in alten Erinnerungen schwelgen möchte, der kann das im Museum, Klosterhof 1 in Neukloster immer dienstags bis samstags von 10 bis 16 Uhr.