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Müritz Tipp
Ausgabe 2/2026
Regionales/Aktuelles
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Ein Junge, der nicht wegsah

(at). Es sind oft die kleinen Gesten, die große Wirkung entfalten – und manchmal kommen sie von den Jüngsten. Am Abend des 22.01.2026 zeigte ein 13-jähriger Junge im Anklamer Stadtpark, was Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein bedeuten können.

Gegen 19:30 Uhr fiel ihm eine ältere Dame auf, die angesichts der winterlichen Witterung nur leicht bekleidet unterwegs war. Während viele vielleicht vorbeigegangen wären, hielt der Junge inne. Er sprach die Frau an, hörte zu – und entschied sich zu helfen. Die Seniorin erklärte, sie wohne in der Ringstraße. Ohne zu zögern begleitete der 13-Jährige sie zu der rund 1,5 Kilometer entfernten Adresse.

Doch dort angekommen, passte etwas nicht zusammen. Die Frau konnte ihre angebliche Wohnungstür nicht öffnen, ihre Erklärungen wirkten zunehmend widersprüchlich. Statt wegzusehen oder sich selbst zu überlassen, traf der Junge eine bemerkenswert reife Entscheidung: Er wählte den Notruf.

Die kurze Zeit später eintreffenden Polizeibeamten überprüften die Wohnanschrift. Fast zeitgleich erschien ein Mitarbeiter eines örtlichen Pflegedienstes – auch er war bereits auf der Suche nach der 83-Jährigen. Schnell wurde klar: Die Seniorin lebt seit einiger Zeit in einer Pflegeeinrichtung. Die genannte Adresse war ein Ort aus ihrer Vergangenheit, kein Zuhause mehr.

Dank des umsichtigen Handelns des Jungen nahm die Geschichte ein gutes Ende. Die Seniorin konnte wohlbehalten in ihre Einrichtung zurückgebracht werden.

Dieser Vorfall ist mehr als eine Polizeimeldung und findet daher auch hier seinen Platz. Er ist ein stilles, aber starkes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, hinzuschauen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen – unabhängig vom Alter. In einer Zeit, in der Eile und Gleichgültigkeit oft den Alltag bestimmen, erinnert uns dieser 13-Jährige daran, dass Nächstenliebe kein großes Wort sein muss. Manchmal beginnt sie einfach damit, stehenzubleiben und zu fragen: „Geht es Ihnen gut?“