„Heute hier, morgen da“ – das Lied von Hannes Wader wird zum Leitfaden des Röbeler Männerchores – Friedrich Karff blickt auf bewegte Jahre zurück.
Röbel (at). Geboren in Röbel/Müritz, Elektriker gelernt, Elektrotechnik studiert, nach der Wende selbstständig mit eigenem Elektrofachgeschäft – und seit 2015 im Ruhestand. Dass er einmal Vorsitzender des Männerchor Röbel werden würde? „Hätte ich nie gedacht. Null Ahnung von Noten – aber Lust auf Gemeinschaft.“
Seit 2000 singt er mit. Was mit der Suche nach Geselligkeit begann, wurde zu einer Herzensangelegenheit. Damals waren rund 30 aktive Sänger dabei – „und wir waren 20 Jahre jünger“, erinnert er sich schmunzelnd. 2005 half er beim 150-jährigen Bestehen mit, spürte: Hier wird Kultur gelebt. Heute trägt er die Verantwortung, die Tradition fortzuführen, die 2025 mit dem Kulturpreis der Stadt gewürdigt wurde.
Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie wissen, dass Sie diese lange Tradition heute weiterführen?
„Musik ist ein Schatz, den wir bewahren. Höhen und Tiefen gab es viele, aber der Chor prägt das kulturelle Leben Röbels. Zu sehen, wie Gemeinschaft entsteht, Freude am Singen verbindet – das macht mich stolz. Und wir spüren: Tradition verpflichtet, aber sie darf nicht stillstehen. Musik und Gesang waren, sind und werden immer ein fester Bestandteil unserer Kultur sein. Dieses hohe Gut zu bewahren, zu schützen und zu fördern ist eine gleichermaßen anspruchsvolle wie erfüllende Aufgabe, die uns fortwährend bei der gesanglichen Arbeit begleitet.“
Was war Ihnen von Anfang an wichtig – und worauf liegt Ihr Fokus heute?
„Mir war von Anfang an wichtig, dass wir als Vorstand gut zusammenarbeiten und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Mit meiner Wahl 2024 begannen direkt die Planungen für das Jubiläumsjahr ‚170 Jahre Männerchor‘ 2025 – mit Festveranstaltung, Sommerkonzert und weiteren Terminen. Dabei sind wir bei ganz unterschiedlichen Anlässen gefragt: von Familienfeiern bis zu Darbietungen in der Diakonie oder in Kliniken – alles ehrenamtlich und mit viel Unterstützung aus der Stadt.
Heute liegt der Schwerpunkt klar auf Nachwuchs. Unser Chor ist in die Jahre gekommen: 18 aktive Sänger, Durchschnittsalter 75,6 Jahre. Wir brauchen dringend neue und junge Stimmen, frischen Wind und moderne Ideen. Das mehrstimmige Singen und die damit verbundene Singfähigkeit und Klangqualität stellt uns momentan vor Herausforderungen. Neben der Tradition wollen wir auch mit moderneren Chorwerken, neuzeitlichen Text- und Songschreibern und mit neuen Musikrichtungen neue Wege gehen – und lernen, dass Tradition nicht Stillstand bedeutet. Anfänge sind gemacht, neue Arrangements wurden angeschafft. Ein großer Dank gilt dabei unserer Chorleiterin Claudia Götting, die mit viel Geduld und musikalischem Können unsere Probenarbeit prägt und uns immer wieder motiviert, neue Wege zu gehen.“
Was singen die Männer besonders gern – und haben Sie ein Lieblingsstück?
„Unser Repertoire reicht von Klassik über Heimatlieder bis zu Shantys und modernen Stücken. Viele lieben die vertrauten Lieder, doch schwungvolle Songs wie ‚Frischer Wind‘, Titel von Santiano oder ‚Griechischer Wein‘ bringen Energie. Das letzte Weihnachtskonzert war ein buntes Erlebnis – Publikum und Sänger gleichermaßen begeistert. Singen verbindet und macht einfach Freude.“
Was würden Sie Männern sagen, die sich noch nicht trauen, vorbeizuschauen?
„Kein Stress. Du musst nicht vorsingen, Notenkenntnisse sind kein Muss – Begeisterung zählt. Einfach zuhören, mitmachen, die Gemeinschaft erleben. Jeden Montag von 19.30 – 21 Uhr treffen sich die Männer im Schinko-Haus zum Singen. Die anderen haben nur Angst davor. Also: Mann, sing mit! Gemeinsam klingt es besser.“
Was ist Ihr Lieblingsplatz?
„Ganz klar: die bunte Stadt am kleinen Meer und mein Garten zu Hause.“