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Müritz Tipp
Ausgabe 5/2026
Regionales/Aktuelles
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Eine Welt im Kleinformat

Katja Schülke, alias „Frieda“, restauriert viele Stücke selbst

Besondere Fundstücke aus DDR-Kinderzimmern wecken Erinnerungen

Auch Puppen jeglicher Herkunft sind hier im Puppenstubenmuseum zu Hause

Katja Schülke vor einem originalgertreuem Nachbau (1,40 m Hoch) eines Hauses aus Rothenburg ob der Tauber

Der Kugelschreiber gilt lediglich als Größenvergleich: Filigrane Küchenkunst mit Originalen aus alten Zeiten

Wie „Friedas kleine Scheune“ Erinnerungen lebendig macht

Darze (at). Die Weite Mecklenburgs, die Tiervielfalt und die Herzlichkeit der Menschen haben für Katja Schülke eine besondere Bedeutung. Seit 2016 lebt die 53-Jährige hier – und hat sich mit „Friedas kleiner Scheune“ einen lang gehegten Traum erfüllt: ein Puppenstubenmuseum, das weit mehr ist als eine Ausstellung. „Es ist ein Ort der Erinnerungen, der Emotionen und der gelebten Alltagsgeschichte“, sagt sie.

Die Idee entstand aus einer Kindheitserinnerung. Das gemeinsame Puppenhaus mit ihrer Schwester – „mit winzigen Möbeln, beleuchtetem Aquarium und Kühlschranklicht“ – musste bei einem Umzug zurückbleiben. Der Schmerz blieb, doch die Faszination für die Welt im Kleinformat wuchs weiter. Mit Anfang zwanzig kaufte sich Katja Schülke ihr erstes eigenes Puppenhaus. Aus einem Stück wurden viele. Auf Flohmärkten, über Ebay und sogar auf einer Mülldeponie entdeckte sie weitere Schätze. Eine Begegnung mit einer Miniaturen-Händlerin und gemeinsame Bastelstunden vertieften die Leidenschaft.

Heute umfasst die Sammlung mehr als 220 Puppenstuben und -häuser, vor allem originale DDR-Modelle aus verschiedenen Manufakturen des Erzgebirges. Auch einige schwedische Häuser sowie besondere Eigenbauten gehören dazu. In der Ausstellung sind derzeit rund 135 Häuser zu sehen – überwiegend aus den 1950er- und 1960er-Jahren, ergänzt durch detailreiche Bäder, Spielzeug, Puppen und Puppenwagen.

Katja Schülke, alias „Frieda“, restauriert viele Stücke selbst, baut Zubehör nach und orientiert sich dabei am Original. „Lieber einen Wasserfleck in der Tapete, als neu bekleben“, sagt sie – denn nur so bleibe die Authentizität der Ausstellungsstücke erhalten. Interessenten kommen inzwischen aus aller Welt nach Darze, auch Pakete mit Sachspenden treffen regelmäßig ein. Die Hobbykünstlerin hat zudem große Pläne: Ein Juwelierhäuschen, ein Motorradladen, ein Café oder ein Seemannshaus sollen entstehen – als Krönung sogar ein Puppenstubenmuseum im Puppenstubenmuseum.

Viele Besucher entdecken vertraute Details aus ihrer Kindheit wieder: Küchenschränke, Tapetenmuster oder Emaille-Töpfe im Miniaturformat. Die Miniaturen spiegeln den Alltag ihrer Zeit detailgetreu wider – „von der Kohlenschütte über Waschkrug und Schüssel bis zum aufziehbaren Abwaschtisch“. Möbel, Lampen und Tapeten zeigen die Handschrift der Jahrzehnte. Für Katja Schülke sind die Stücke „weit mehr als Spielzeug: Sie sind kulturelles Erbe und erzählen vom Leben vergangener Generationen.“

Ein besonderes Schmuckstück ist ein Haus von 1895 aus Marienberg im Erzgebirge, gefertigt von Moritz Gottschalk und in bemerkenswert gutem Originalzustand.

Die Resonanz auf die Ausstellung ist groß. Viele Besucher loben die liebevolle Einrichtung, selbst skeptische Gäste bleiben fasziniert stehen. Manche Erinnerungen gehen tief: „Erinnerungen an verlorene Puppenhäuser aus Zeiten von Krieg und Flucht lassen Tränen fließen.“ Andere erfüllen sich einen Kindheitstraum und nehmen ein Puppenhaus mit nach Hause. Für die Zukunft plant Katja Schülke, die gesamte Ladenfläche in Museumsräume umzuwandeln. Bis dahin bleibt „Friedas kleine Scheune“ eine liebevolle Fundgrube, in der Geschichte im Kleinformat weiterlebt.