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Stapelholm-Kurier
Ausgabe 2/2026
Allgemeine Mitteilungen
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Freude, Dankbarkeit und Freiheit

Was macht uns dankbar? Was schenkt uns Freude? Oft entsteht Dankbarkeit, wenn wir uns erinnern: an das, was war, an das, was sich verändert hat, an das Gute, das wir empfangen haben. Besonders im Gespräch mit Familie oder Freundinnen und Freunden wird uns bewusst, wofür wir danken können.

Die Bibel verbindet Dankbarkeit und Freude eng mit der Erfahrung von Freiheit. Im fünften Buch Mose wird erzählt, wie die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten ihr Ziel findet: das Gelobte Land. Doch Freiheit ist kein Selbstläufer. Sie braucht Pflege und Verantwortung. Freude und Dankbarkeit über das, was Gott schenkt, sind das Fundament, auf dem Freiheit bewahrt werden kann. So entsteht aus der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten eine gebundene, sich selbst verpflichtende Freiheit zu gerechtem Handeln gegenüber allen Menschen einer Gemeinschaft.

Diese Freude ist jedoch nie nur privat. In der Bibel heißt es ausdrücklich: Freue dich über alles Gute - du, deine Familie und die fremden Menschen in deiner Mitte.

Der Blick beginnt bei uns, darf dort aber nicht enden. Dankbarkeit weitet den Horizont und schärft den Blick für die Menschen, die auf Zuwendung, Schutz und Anerkennung angewiesen sind. Die Bibel schließt hierbei ausdrücklich die fremden Menschen ein.

Die Bibel begründet das mit einer Erinnerung: Auch wir waren Fremde. Identität ist zerbrechlich. Krieg, Gewalt (240) und Flucht können alle Menschen treffen. Unter uns leben Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben - oft mitten unter uns, aber nicht wirklich in unserer Mitte.

Ein Leben in Frieden und Freiheit bedeutet, sicher und sichtbar leben zu können, in Würde, ohne Angst und ohne sich verstecken zu müssen. Es bedeutet Respekt, unabhängig von Herkunft, Bildung oder Lebensgeschichte. Darin liegt eine große gegenseitige Bereicherung.

Freude und Dankbarkeit sind in der Bibel immer eine gebundene Freiheit. Sie verpflichten zu gerechtem Handeln und dazu, sich einzusetzen für eine Gemeinschaft, in dem alle einen Platz haben. In einer Zeit, in der Ausgrenzung, Gewalt und Hass spürbar zunehmen, ist das ein klarer Auftrag - für unsere Gemeinde und für uns selbst, in Stapelholm und weltweit.

Pastor Alexander Westbrock, Kirchengemeinde Stapelholm (339 Wörter)