Stephan Struve fertigt neue Nester für Störche an
Das Gewässer (vorn) ist zugefroren - das aus dem Süden kommende Storchenpaar braucht die Hilfe der Struves
Erfde: Schon wochenlanges Frostwetter mit bis zu 14 Grad Minustemperaturen und einer geschlossenen Schneedecke - so erleben wir es derzeit in Schleswig-Holstein.
Ein Besuch der privaten Storchenschutzstation in Erfde gibt darüber Auskunft, wie es aktuell mit dem Storchenbestand in Erfde und Tielen ausschaut. „Grundsätzlich haben die Störche, die bei uns in der Außen-Voliere überwintern, kein Problem mit der Kälte“, betont Storchenvater Stephan Struve. Insgesamt hat er „25 Winterlinge“ bei sich in der Pflege. Das sind Jungstörche, die zum Abflugtermin im vergangenen September einfach zu schwach waren. Hauptgründe sind die sogenannten Spätbruten, die immer dann erfolgen, wenn die Storchenpaare nicht zeitig genug mit dem Eierlegen beginnen. Diese von dem Ehepaar Struve aufgepeppten Jungvögel werden im März in die Freiheit entlassen, um sich dann den zurückkommenden Störchen anschließen zu können. Aber dazu muss es wärmer werden und der Frost aus den Böden verschwinden. „So einen grimmigen Winter haben wir mit den Störchen bei uns noch nie erlebt“, sagt Anke Struve. Täglich werden die Flugtiere mit aufgetauten filetierten Fischen aus der Gefriertruhe gefüttert. Zusätzlich bekommen sie zusammen jeden Tag 50 Liter Warmwasser zum Trinken. „Uns tun aber auch die anderen Wildvögel leid“, bekennt der Storchenvater. So kommen beispielsweise täglich Fischreiher, Elstern und Krähen auch ihre Portionen ab. Denn zugefrorene Gewässer bieten derzeit kein Nahrungsangebot für diese Vögel. Struve hat genügend Süßwasserfische in seinen Truhen. Er bekommt sie von den umliegenden Angelvereinen angeboten. Aktuell hilft Struve mit seinen Fischen im Westküstenpark in St. Peter-Ording aus. „Die haben dort wegen der zugefrorenen Gewässer nicht genügend Süßwasserfische für ihre Zöglinge“, so Struve.
Wenn alles optimal verlaufen wird, dann rechnet Struve wieder mit 20 und mehr Storchenpaaren, die ihre Nester in Erfde und Tielen wieder besetzen. Am Wendehammer im Stapelholmer Weg ist das Nest schon besetzt. Der männliche Storch kam am 10. Februar, das Weibchen am 15. Februar. Eine weitere Storchenfrau ist seit dem 18. Februar im Nest der Familie Knutzen angekommen. Ein Storchenmann weilt seit dem 19. Februar bei Gastwirt Lühr.
„Beide sind noch solo und warten sehnsüchtig auf die bessere Hälfte“, hofft der Storchenvater.
Aufgrund der kleinen Sendeanlagen, die einige Störche tragen, weiß Struve, dass „Fritzi aus Erfde“ sich noch in Frankreich aufhält. Einen langen Weg hat die Ostzieherin „Eva aus Tielen“ noch vor sich. Sie weilt aktuell noch in der Nähe von Kigali in Uganda und wird Anfang April zurückerwartet.
Das Ehepaar Struve hat die Winterzeit genutzt, um 35 neue Horste aus Buschwerk zu flechten. Zusätzlich fertigte Stephan 15 neue Gestelle als Horst-Träger an. „Sogar aus Lüneburg habe ich eine Familie, die sich bei uns Nistmöglichkeiten für Störche aus Erfde abgeholt hat“, freut er sich. Ausbesserungsarbeiten an bestehenden Nestern sind aktuell wegen des Frostes nicht möglich: „Alles ist da oben zu einem Eisklumpen geworden - es muss endlich wärmer werden.“