Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene und an die Misshandelten, weil ihr noch im Leibe lebt.
(Brief an die hebräischen Gemeinden, 13, Vers 3)
Seid verbunden und solidarisch, sagt der Monatsspruch - als säßet ihr selbst im Gefängnis. Als hättet ihr selbst Misshandlungen erlitten. Nutzt euer Einfühlungsvermögen.
Doch sind wir nicht auch innerlich gefangen? In Sorgen, ängsten und Vorurteilen und manchmal auch in der ständigen Ablenkung?
Nutzen wir unsere Vorstellungskraft. In den Erfder Adventsandachten im vergangenen Jahr wurde eine Geschichte von einer Frau vorgelesen, die in der Adventszeit unbeirrt jeden Tag Weihnachtslieder singt, trotz Spott, Häme und Ablehnung. Am Ende hat ihre Freude alle Menschen im Dorf angesteckt und ihre unwiderstehliche Begeisterung verändert alles.
Einen Vers vor unserem Monatsspruch steht ein Wort, das der eine oder die andere kennt: „Gastfrei zu sein vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt“. Ich verstehe das so: Seid einander Engel, offen und herzlich zugewandt. Teilt Sorgen und Hoffnungen, Ängste und Träume, Wunden und Wunder, erkennt: Wir sind alle Gäste auf dieser Erde.
Das gilt allerdings auch gegenüber den Menschen, die uns feindlich gesinnt sind.
Feindesliebe bedeutet nicht, Freunde zu werden, sondern einander mit Respekt zu begegnen. Auch in ihnen zeigt sich etwas von Gott.
Halten wir an Gottes Traum fest, dass die Erde heller für alle Menschen werde und alle Menschen in Frieden und Freiheit leben können, die Gefangenen frei kommen und die Wunden der Misshandelten verheilen können und Menschen endlich weltweit menschenwürdig leben können.
Bleiben wir realistisch - und glauben an Wunder.
Haltet an der Gastfreundschaft fest. Wer weiß, womit das Leben uns überrascht, wenn wir Menschen mutiger sind und befreiter, so wie Gott uns träumt.