Bürgermeister Thies Brandt, Ramona Peper, Birgit Thoms, Marktleiterin Claudia Froboes und Jens Sell mit Geschenk und Urkunde der Gemeinde, v. l.
Eingangsbereich Marktreff mit Girlande
Bergenhusen Mit Höhen, aber auch Tiefen, sind 10 Jahre seit dem 07.04.2016 vergangen. An diesem Tag eröffnete Kaufmann Jens Sell den Kaufmannsladen in Bergenhusen neu. Zuvor erfolgte die Übernahme von den Vorgängern Joachim und Helga Krüger, die den Geschäftsbetrieb aus Altersgründen aufgaben. Aus „Top Kauf Krüger“ wurde Ihr „Kaufmann Jens Sell“. Mit von der Partie ist seitdem auch die Unternehmensgruppe Bartels-Langness (Bela), die mit ihrem Logo nah&frisch in der Region die örtlichen Kaufleute mit den Waren des täglichen Bedarfs versorgt. Damit erfolgte auch ein Sortimentswechsel, der einige Neuerungen, wie die Eigenmarke Hofgut mitbrachte.
Pünktlich zum Jubiläum wurde Anfang April der Eingangsbereich mit einer Girlande geschmückt, die zuvor von der Belegschaft und den Nachbarn gebunden wurde. Bürgermeister Thies Brandt überbrachte, aufgrund vorheriger Terminschwierigkeiten erst jetzt die Glückwünsche der Gemeinde. „Wir sind froh und dankbar, dass es den Laden und euren Einsatz für unser Dorf und damit auch für die Gemeinschaft in Bergenhusen immer noch gibt“, bedankte er sich gleichermaßen bei Jens Sell und den fünf Frauen, die Werktags täglich den Geschäftsbetrieb stemmen. Vor allem Claudia Froboes hat als Vertreterin des Chefs in Bergenhusen als Marktleiterin die Fäden in der Hand um „ihre“ Kunden zufrieden zu stellen. Jens Sell selbst ist heute mit dem Geschäftserfolg des Ladens hochzufrieden. Dazu bedurfte es allerdings einiger Anstrengungen und auch Rückschläge zu überwinden. Nachfolgend ein Rückblick mit Ausblick:
Zur Attraktivitätssteigerung und Akzeptanz des Geschäfts wurden bereits 2017 auf Initiative der Gemeinden Bergenhusen und Wohlde im Innen- und Außenbereich mit mehreren Sitzgelegenheiten ein Treffpunkt und die Möglichkeit zum Verweilen geschaffen. Beide Gemeinden, deren Einwohner das Geschäft frequentieren, honorieren seitdem die Quadratmeter, die der Kaufmann dazu bereitstellt, mit einer symbolischen Miete.
Anfang 2021 war es dann fast vorbei mit dem Kaufmann in Bergenhusen. Jens Sell hatte angekündigt sein Geschäft zu schließen, da es wirtschaftlich nicht mehr tragbar war und der Eigentümer des Gebäudes Eigenbedarf angemeldet hatte. Unter der Führung des damaligen HGV Vorsitzenden Stefan Schnaut formierte sich ein breites Bündnis mit dem Motto „Kauf vor Ort im Storchendorf“. Die Forderung, alle Beteiligten an einen Tisch zur Einigung zusammen zu führen, gelang. Fast 150 Bürger-innen folgten dem Aufruf und verpflichteten sich per Unterschrift zur Unterstützung, Nebenbei wurden über 7500 Euro gesammelt, die über die Gemeinde zur Modernisierung, u.a. der Kühlung, in das Ladengeschäft investiert wurden. Von der Bela wurde eine komplett neue Obst- und Gemüseabteilung installiert. Viele freiwilligen Stunden an Arbeit wurden investiert. Namentlich muss hier Thorsten Kunisch genannt werden, der den zentralen Servicebereich geplant und erstellt hat. Auch Handwerksbetriebe wie Elektro Langner aus Bergenhusen und Maler Thoms aus Tolk sind hier zu nennen. Beide stellten kostenlos Material und je zwei Fachkräfte, um Arbeiten für ihre Gewerke zu erledigen. Jens Sell, der neben dem Kaufmann noch mehrere Tankstellen betreibt sagt heute dazu: „Bei dieser Aktion hat mir das Dorf gezeigt, wie es zu seinem Laden steht. Ich entnehme hier keinen Gewinn, sondern investiere viel für die Zukunft. Der Laden ist mir eine Herzensangelegenheit geworden.“
Heute ist der Laden nach mehreren Einbrüchen gut gesichert und mit einer Videoüberwachung ausgestattet. Seit 2025 wurde in besonderen Bereichen wie den Spirituosen die Warensicherung eingeführt. Ladendiebstähle wurde damit nicht nur reduziert, sondern nahezu auf null gesenkt. Ebenfalls wurden in dem Jahr eine komplett neue Kühlung angeschafft und der Laden für die Laufwege der Kunden optimiert. Neu eingeführt wurde in diesem Jahr ein SB-Schrank mit frischen Backwaren, der sich mit belegbar steigenden Umsätzen zunehmender Beliebtheit erfreut. Eine besondere Dienstleistung steht für alle Vereine und Organisationen bereit. Bei besonderen Anlässen wird die Ware bestellt, auf Kommission übernommen und bei der Rückgabe wird abgerechnet. Ob Vereine oder auch die Gemeinde selbst, sind dankbar für dieses Entgegenkommen, das gleichzeitig Mehraufwand für das Personal bedeutet. Dieser Aufwand macht sich aber ebenfalls im täglichen Betrieb bemerkbar. Das Geschäft präsentiert sich räumlich beengt mit verwinkeltem Zuschnitt. Ein barrierefreier Zugang ist nur über eine steile Rampe durch die in die Jahre gekommene Ladentür möglich. Durch diese erfolgt, wie der tägliche Kundenverkehr, auch ein Großteil der Warenanlieferung mit Rollcontainern.
Bereits 2023 erfolgte der Anschluss an das Kooperationsbündnis Markt Treff Schleswig Holstein. Nun wurde das Geschäft offiziell zum Markttreff. Als aktuelle Weichenstellung für die Zukunft will die Gemeinde in enger Abstimmung mit Sell, nun über eine Machbarkeitsstudie den Neubau eines Markttreffs prüfen lassen. Dazu wurde in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung ein Beschluss gefasst. Es wird dabei auch der sogenannte hybride Betrieb mit kombiniert persönlicher Bedienung zu Kernzeiten wochentags und digitaler Selbstbedienung in den Randzeiten oder am Wochenende geprüft. Dieses Konzept ermöglicht durch verlängerte Öffnungszeiten bei reduzierten Personalkosten bereits in vielen Gemeinden eine kostendeckende Grundversorgung. Dazu werden über das Bündnis Markttreff bis zu 75 Prozent aus EU Fördertöpfen vermittelt.