Blühfläche bei der Freiwilligen Feuerwehr Kropp
Bauhofleiter Timo Petersen im Gespräch mit Exkursionsteilnehmenden
Wie die Gemeinde Kropp einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leistet
Seit einigen Jahren ist der Rückgang einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten in aller Munde. Mit ihnen verschwinden auch ihre Lebensräume. Erinnern sich viele Ältere unter uns noch an blühende Wiesen mit Wiesenschaumkraut und Sumpfdotterblumen oder bunte Wegraine voller Schafgarbe und Wegwarte, so kennen die meisten Kinder dieses Bild leider nicht mehr. Nicht nur die Pflanzen, auch ihre auf sie angewiesenen Bewohner wie z.B. Insekten und Feldvögel sind verschwunden, rund 50 % sind inzwischen auf sogenannten Roten Listen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu finden. Diese Entwicklung muss uns aufhorchen lassen. Insekten sind durch das Bestäuben von Pflanzen für die erfolgreiche Ernte von Obst, Gemüse und Kulturpflanzen und somit für unsere Ernährung verantwortlich. Artenreiche und intakte Wälder und Moore werden ebenfalls immer weniger. Sie liefern uns jedoch Sauerstoff und speichern CO2, sorgen in heißen Sommern für Abkühlung und wirken der Klimaerwärmung entgegen. Außerdem sind sie wichtige Erholungsräume für Familien und stressgeplagte Menschen. Intakte Natur ist unser aller Lebensgrundlage.
Was kann eine Gemeinde für den Erhalt der biologischen Vielfalt und für unsere Lebensqualität tun? Kommunale Flächen können eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume und Arten aufweisen und im Idealfall wichtiger Rückzugsraum für Flora und Fauna sowie Trittstein im Biotopverbund sein. Dieses Potential wird jedoch in der Regel nicht ausgeschöpft. Ein erster Schritt könnte sein, kommunale, meist artenarme Rasenflächen in artenreiche, lebendige Lebensräume für Pflanzen und Insekten zu verwandeln. Diesen Schritt hat die Gemeinde Kropp bereits getan. Seit 2018 wurden mehrere Blühflächen mit gebietsheimischen Gräsern und Kräutern angesät, und damit artenreiche Lebensräume für Insekten geschaffen. Hilfestellung gab es vom DVL über das Projekt Blütenbunt - Insektenreich und der Lokalen Aktion KUNO e.V. aus Bergenhusen. Es wurden Flächen ausgewählt und standortgerechtes Saatgut kostenlos zur Verfügung gestellt, Tipps zur Ansaat und späteren Pflege wurden gegeben. Im Juni 2026 führte KUNO e.V. eine Exkursion zur Besichtigung der Blühflächen für MitarbeiterInnen anderer Lokaler Aktionen in SH und des DVL zwecks fachlichen Austausches durch. Gemeinsam schaute man sich die Flächen an und diskutierte über den Erfolg der Maßnahmen und den jeweiligen Pflegezustand. Nach einhelliger Einschätzung befinden sich die Flächen überwiegend in einem guten Zustand. Der Leiter des Bauhofes der Gemeinde, Timo Petersen, war ebenfalls anwesend und stand für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung. Er erläuterte, dass der Bauhof sein Pflegekonzept an die Anforderungen der artenreichen, bunten Blühwiesen angepasst hat. Das aufwändige wöchentliche Mulchen ist nicht mehr notwendig und ersetzt worden durch eine ein- bis zweimalige Mahd pro Jahr mit anschließender Abfuhr des Mahdgutes. Dieses Vorgehen ist letztendlich kostengünstiger, da der geringere Pflegeaufwand viel Zeit und damit Arbeitskraft, sowie Treibstoff spart. Es ist sozusagen eine Win-Win-Situation entstanden: mehr Artenvielfalt - weniger Kosten! Die Gemeinde hat sich deshalb hinsichtlich ihrer maschinellen Ausstattung verändert, aus Fördermitteln eine Maschine erworben, mittels derer in einem Arbeitsgang die Flächen gemäht und das Mahdgut gleichzeitig eingesammelt wird. Wichtig für eine erfolgreiche Pflege ist aus Timo Petersens Sicht außerdem, dass für die Blühflächen ein regelmäßiges, einfaches Pflegekonzept vorliegt, das gut in den allgemeinen Arbeitsablauf der Mitarbeiter integriert werden kann.
Und wie kommen die Blühwiesen bei der Kropper Bevölkerung an? Gemischt, aber inzwischen zunehmend positiv, meint Timo Petersen. Da es sich bei den gebietsheimischen Pflanzen wie z. B. Flockenblumen und Wiesenlabkraut im Vergleich zu Sonnenblumen und Phacelia um eher weniger auffällige Arten handelt, sind die Flächen für viele Bürgerinnen und Bürger auf den ersten Blick optisch weniger ansprechend. Jedoch bei genauerem Hinsehen kann die Pflanzen- und Insektenvielfalt entdeckt werden, es leuchtet, flattert, summt und krabbelt. Grashüpfer, Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge finden hier ein Zuhause und können so auch innerhalb der Ortschaft einen Lebensraum haben. Dies ist ein wichtiger Beitrag der Gemeinde Kropp zur Förderung der Artenvielfalt und somit für unser aller Wohlbefinden.
Hat auch Ihre Gemeinde Interesse? Vielleicht möchten Sie sogar weiter gehen und andere ungenutzte Flächen in lebendige Naturoasen verwandeln? Möchten Sie z. B. Kleingewässer, Obstbaumwiesen oder Knicks anlegen? Dann melden Sie sich bei uns! Wir unterstützen gerne bei der Planung und Umsetzung sowie der Beschaffung von Fördermitteln für unterschiedliche Naturschutzmaßnahmen.
Kontakt: Lokale Aktion KUNO e.V., Martina Bode, Goosstroot 1, 24861 Bergenhusen, martina.bode@kunoev.net, Tel. 04885-585