In Ahrbrück trafen sich Fluthelfer, -opfer und viel Politik zur Einweihung der MemoriAHR-Stele.
AHRBRÜCK. TW. Wer mit der Ahrtalbahn bis zur Endstation nach Ahrbrück fährt, stößt beim Ausstieg auf eine Stele des „Memori-Ahr-Wegs der Erinnerung für die Zukunft“, die dort am Samstagmittag ihrer Bestimmung übergeben wurde. Es wird nicht der endgültige Standort des Objekts sein, dass zu einer Serie informativer Stelen zählt, die von der Ahrquelle in Blankenheim bis zur Mündung bei Kripp aufgestellt werden. Wenn Ahrbrück seine neue Ahrquerung erhält, dann soll die von Künstlerin Angelika Furth maßgeblich mitgestaltete Ahrbrücker Stele in den dortigen Bereich umziehen. Auf den vier Seiten der Stele sind die Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 aus Ahrbrücker Sicht dokumentiert und die Zeit danach dokumentiert. Denn das Unglück hat bewirkt, dass sich der Ort Ahrbrück einem kompletten Wandel unterzieht. Die Mitte wurde mehr oder weniger zerstört, die Katastrophe riss alleine aus dem Ort neun Menschen in den Tod. Nur dem beherzten Eingreifen der Feuerwehr sei es zu verdanken, dass diese Zahl nich noch wesentlich höher sei, bemerkte Ortbürgermeister Guido Galle im Rahmen der Einweihungsfeiern. Galle danke dabei den vielen Helfern der ersten Stunden und Tage, als der Ortsteil Brück nicht mehr erreichbar war und von den Menschen aus den Höhenorten Lind und Plittersdorf versorgt wurde. Die nach der Flut gelebte „SolidAHRität“ sei leider abhandengekommen, befand die Kreisbeigeordnete Christina Steinhausen im Rahmen der Einweihungsfeiern.
In Ahrbrück wurden 260 Häuser beschädigt oder zerstört, darunter die Kirche St. Andreas, die in der Folge abgerissen werden musste. Der ganze Ort ist im Wandel, unter anderem entstehen derzeit auf dem Gelände einer einstigen Industrieanlage der Firma Brohler Wellpappe Mehr- und Einfamilienhäuser, geplant sind bis zu 120 Wohneinheiten. Ahrbrück wird wachsen. Auch ein neuer Kindergarten und ein Dorfgemeinschaftshaus sollen dort entstehen.
Für gute Stimmung bei Ortsgemeinde und Sportverein sorgte am Rande der Stelen-Einweihung die für den Wiederaufbau zuständige Staatssekretärin Simone Schneider. Sie hatte einen Förderbescheid mitgebracht und übergab diesen an Ortsbürgermeister Galle. Mit rund 1,1 Millionen Euro aus dem Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ gefördert wird der Wiederaufbau der Sportanlage in Ahrbrück. „Die Sportanlage Ahrbrück ist ein wichtiger Treffpunkt für Schul-, Vereins- und Individualsport in der gesamten Region. Mit der Ausstattung des Spielfelds mit Kunstrasen, dem Bau einer 100-Meter-Leichtathletikbahn und der neuen Weitsprunganlage soll hier eine moderne und zukunftsfähige Sportinfrastruktur entstehen und verlässliche Trainings- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und alle Sportbegeisterten vor Ort geschaffen werden“, sagte Staatssekretärin Schneider.
Annette Holzapfel von der Bürgerinitiative, die das Projekt MemoriAHR ins Leben gerufen hatte, berichtete derweil, dass im Mainzer Landtag zu einer Ausstellung zur Flutkatastrophe mit insgesamt 38 Stelen kommen werden. Von August 2026 an sollen diese Stelen dann rund zwei Jahre lang als Wanderausstellung quer durch Deutschland reisen und den Menschen an möglichst vielen Orten die Katastrophe, die Hilfe und den Wiederaufbau nahebringen. Einen dauerhaften Aufstellungsort einer Stele soll es zudem in der Nähe des Mainzer Landtags geben.