AHRTAL. In alten Dokumenten aus der Grafschaft Saffenburg tauchen die ersten Hinweise auf Fischerei an der Ahr auf. Die Jahre 1244 und 1287 markieren frühe Momente, in denen festgehalten wurde, wer am Fluss Rechte hatte. Diese Urkunden sind Momentaufnahmen eines sozialen Gefüges, in dem der Fluss ein Machtinstrument war. Im Ahrweiler Schöffenweistum von 1511 heißt es: „Unsere Bürger haben allezeit das Recht gehabt, dort (in den Mühlenteichen) zu fischen, sofern niemand widerspricht.“ Ein Satz, der zunächst harmlos klingt, doch „sofern niemand widerspricht“ bedeutete: Das Recht war kein Recht, sondern eine Duldung. Jeder Herr, jeder Pächter, jeder Beamte konnte es widerrufen. Zwischen Ahrweiler und Wadenheim entbrannte über Jahrhunderte ein Konflikt um Wasser- und Fischereirechte.
1716 protestierten die Ortschaften Mayschoß, Rech und Laach gegen die Sperrung der Ahr durch herrschaftliche Fischer. Die Bewohner fühlten sich aus ihrem eigenen Fluss gedrängt. Die Obrigkeit hingegen sah die Ahr als einen Besitz an, der nur ihr zustand. Um 1800 änderte sich vieles. Die napoleonischen Gesetze schränkten die Macht des Adels ein und stärkten die Rechte der Bürger. Was für viele Bereiche des Lebens galt, galt auch für die Fischerei. Der Malmedyer Künstler Jean Nicolas Ponsart hielt um 1800 fest, was das Ahrtal damals prägte: harte Arbeit, einfache Werkzeuge, Menschen, die am und mit dem Fluss lebten. Auf seinem Druck (Anlage) sieht man: eine Frau, die ein Bündel Weinlaub auf dem Kopf trägt, einen Winzer mit einem Bottich zur Düngung der Weinberge und einen Fischer mit einem kleinen Senknetz – dem „Hewer“. Die Frage, was die Fischer mit diesem kleinen Hewer an der Ahr fingen, führt tief in den Alltag der Menschen dieser Zeit. Es waren keine großen Fische, keine kapitalen Forellen, die man heute auf Anglerfotos sieht. Es waren die kleinen, unscheinbaren Rümpchen – Elritzen, Phoxinus phoxinus. Schon Gottfried Kinkel beschreibt sie um 1850 so: „Die kleinsten, höchstens ein Fingerglied lang, genannt das Gesäme, sind die wohlschmeckendsten und teuersten.“ Diese Art des Fischfangs im Ahrtal wurde bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts von einigen Familien betrieben. In der nächsten Ausgabe dieser Zeitung wird ausführlich darauf eingegangen.
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