Diese drei Kunstwerke haben die Flut im Jahr 2021 überstanden.
In Mayschoß am Saffenburgtunnel soll die Tunnelgalerie wieder zum Leben erweckt werden und sie waren dabei.
MAYSCHOSS. (kan.) Es sind sehr oft Bilder, die Geschichten erzählen, Begegnungen ermöglichen und Erinnerungen bewahren. Genau ein solcher Ort soll nun in Mayschoß wieder zum Leben erweckt werden: die Tunnelgalerie im Saffenburger Tunnel. Und nicht zufällig lautet das Motto: Begegnungen.
Nach ihrer Zerstörung infolge der Flutkatastrophe von 2021 beginnt die Wiederherstellung eines Projekts, das für Einheimische und Gäste weit mehr war als eine „normale“ Ausstellung. Gemeinsam mit Heranwachsenden des Jugendtreffs Mayschoß und dem Künstler Wolfgang Kutzner aus Staffel entsteht die Galerie neu. Unterstützt wird das Vorhaben von der Jugendstiftung der Kreissparkasse Ahrweiler.
Bereits 2006 wurde die nördliche Röhre des Saffenburger Tunnels zur außergewöhnlichen Ausstellungsfläche. Der rund 235 Meter lange Tunnel, durch den der Ahr-Radweg führt, verwandelte sich damals in eine besondere Galerie. Entstanden war das Projekt als Gemeinschaftsarbeit des Jugendtreffs Mayschoß unter Leitung von Anneliese Baltes gemeinsam mit regionalen Künstlern.
Die Idee dahinter war ebenso einfach wie wirkungsvoll: Aus einem dunklen, nüchternen Betontunnel sollte ein Ort werden, der Radfahrer und Fußgänger überrascht und das Tal kulturell bereichert. Und so kam es: Die Kunstwerke machten den Tunnel zu einem Blickfang entlang des Radwegs.
Mit der Flutkatastrophe im Juli 2021 wurde die Tunnelgalerie ebenso getroffen wie zahlreiche andere Orte entlang der Ahr. Infrastruktur, Radweg und Kunstwerke wurden schwer beschädigt oder zerstört. Gleichzeitig begannen umfangreiche Wiederaufbauarbeiten rund um die Ahrtalbahn und die angrenzende Radwegeinfrastruktur.
Doch während vielerorts zunächst Beton, Brücken und Gleise im Mittelpunkt standen, reifte in Mayschoß ein anderer Gedanke: Auch die kulturellen Erinnerungsorte sollten zurückkehren.
Nun nimmt dieses Vorhaben konkrete Formen an. Wie Anneliese Baltes berichtet, sollen insgesamt 16 neue Kunstwerke entstehen. Ab Mitte Juli werden die Motive gemeinsam mit Jugendlichen in der Alten Schule in Mayschoß entwickelt und gestaltet. Anschließend sollen sie ihren Platz in der Tunnelgalerie finden. Künstler Wolfgang Kutzner aus Staffel begleitet das Projekt federführend.
Dass Jugendliche erneut die Hauptrolle übernehmen, ist kein Zufall. Schon das ursprüngliche Projekt lebte von der aktiven Beteiligung junger Menschen. Die Galerie war nie nur Kunst zum Anschauen. Sie war immer auch ein Ort der Begegnung, des gemeinsamen Gestaltens und des kreativen Austauschs.
Besonders bemerkenswert: Drei Kunstwerke haben die Flut von 2021 überstanden. Nach Angaben der Projektinitiatoren konnten diese Werke gerettet werden und sollen als sichtbare Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft erhalten bleiben. Zu den geretteten Motiven gehören unter anderem Arbeiten mit den Titeln „Es ist normal, verschieden zu sein“ sowie „Begegnungen mit der Angst“.
Damit schlagen die verbliebenen Bilder eine Brücke zwischen den Erinnerungen an die alte Galerie und den neuen Werken, die nun entstehen.
Das Projekt passt zugleich zum übergeordneten Thema „Begegnungen“, das die Verantwortlichen in den Mittelpunkt stellen möchten. Dabei soll auch die Flutkatastrophe ihren Platz finden – allerdings nicht ausschließlich als Geschichte von Verlust und Zerstörung.
Vielmehr sollen jene Momente sichtbar werden, die vielen Menschen im Ahrtal bis heute in Erinnerung geblieben sind: Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Nachbarschaftshilfe und menschliche Nähe. Bereits in ersten Überlegungen wird deutlich, dass die Galerie nicht nur zurückblicken, sondern auch Zuversicht vermitteln soll. Dies geht aus dem aktuellen Konzept zur Wiederherstellung hervor.
Jugendstiftung der Kreissparkasse Ahrweiler fördert das Kunstprojekt
Die Wiederbelebung der Tunnelgalerie zeigt beispielhaft, wie Wiederaufbau im Ahrtal verstanden werden kann. Es geht nicht allein darum, Schäden zu beseitigen. Es geht auch darum, Identität zu bewahren und neue Perspektiven zu schaffen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Jugendstiftung der Kreissparkasse Ahrweiler, die das Projekt mit 3.000 Euro unterstützt. Die Stiftung wurde 1985 anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Kreissparkasse Ahrweiler gegründet und engagiert sich seit Jahrzehnten für die Förderung junger Menschen im Kreis Ahrweiler. Zu ihren zentralen Aufgaben gehören die Unterstützung von Jugendpflege, Jugendfürsorge und Jugendwohlfahrt sowie die Förderung von Erziehung, Weiterbildung und Berufsbildung. Darüber hinaus initiiert und begleitet sie regelmäßig kreisweite Projekte für Kinder und Jugendliche.