Titel Logo
Mittelahr Bote
Ausgabe 29/2026
Vereine und Verbände
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

„Das Tal“: Zeitzeugnisse in der Pfarrkirche Mayschoß

Drei der vier Bildjournalisten, die in der Pfarrkirche in Mayschoß ihre Arbeiten ausstellen: (v.l.): Theodor Barth, David Klammer, Frank Schultze. Auf dem Bild fehlt: Gordon Welters.

 

MAYSCHOẞ. (kan.) Wer erinnert sich als Bewohner des Ahrtals nicht an den Geruch von Mitte Juli 2021? An die Mischung aus Moder, Fäkalien und Heizöl? Und wer am vergangenen Freitagabend bei der Ausstellung „Das Tal“ in der Pfarrkirche in Mayschoß war, dem stieg diese „Melange“ quasi wieder in die Nase. Ein junges Ehepaar, das damals als Fluthelfer im Ort anpackte, sagte genau das beim Gang durch die Ausstellung.

Die Kulisse für diese Ausstellung könnte nicht symbolträchtiger sein. Vor fünf Jahren stapelten sich in den Kirchenbänken von St. Nikolaus & St. Rochus keine Gesangbücher, sondern Hilfsgüter. Draußen regierte das Chaos aus Schlamm und Schutt, drinnen suchten Menschen Schutz und Orientierung. Das Dorf war tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Die Kirche St. Nikolaus und St. Rochus wurde zum Rettungsanker.

Heute, fast fünf Jahre später: Die Bilder jener Tage kehren zurück in die Kirche. Rund 50 Besucher kamen zur Vernissage und waren tief beeindruckt.

Vier international renommierte Bildjournalisten, die sonst für Magazine wie den Stern, Der Spiegel, GEO oder die New York Times die Welt erklären, zeigen der Kirche in Mayschoß ihre Arbeiten. Sie dokumentieren das Unfassbare, stellen aber den Menschen – Betroffene wie Helfer – in den Mittelpunkt. Ihre Perspektiven könnten dabei kaum unterschiedlicher sein: Gordon Welters: Fotografierte nah, direkt und im klassischen Stil des ehrlichen Journalismus. Er konnte zur Eröffnung aus privaten Gründen leider nicht selbst anwesend sein. Theodor Barth & David Klammer: Näherten sich dem Tal aus einer rein dokumentarischen, beobachtenden Perspektive. Frank Schultze: Wählte einen konzeptionellen Ansatz. Über clevere Bild-im-Bild-Kompositionen stellt er das Vorher und Nachher radikal gegenüber.

Laudator Frank Gerstenberg, FOCUS online Earth zitierte den Urvater des modernen Fotojournalismus, Henri Cartier-Bresson: „Ein gutes Foto ist ein Foto, das man sich länger als eine Sekunde anschaut.“ Nimmt man diesen Maßstab, bietet die Ausstellung in Mayschoß eine Ansammlung von „guten Fotos“. Die Besucher standen nicht sekunden-, sondern minutenlang vor den Bildern.

Doch die Ausstellung ist mehr als Kunst: Sie ist ein Ventil. Die Bilder dienten den Menschen bei der Vernissage als „Werkzeug“, um miteinander ins Gespräch zu kommen und so Erlebtes erneut zu verarbeiten. Die Besucherin Marion Kunz fasste zusammen: Sie wolle sich die Bilder von damals wieder vergegenwärtigen, aber vor allem mit den Menschen ins Gespräch kommen. Für sie ist das Projekt schlicht „sehr, sehr gelungen“.

Ausstellung kompakt: 

Titel: Das Tal

Ort: Pfarrkirche St. Nikolaus & St. Rochus, Dorfstraße 82, 53508 Mayschoß

Dauer: Bis zum 2. August 2026

Öffnungszeiten: Täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt: Frei