Erläuterungen vor Ort: (v.l.) Projektarchitekt Fritz Vennemann, Sabine Betzing Liechtener, Ministerin für Arbeit Soziales, Familie und Jugend, Ministerpräsident Gordon Schnieder, Leo und Malwina, Freiwillige der Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz, Dr. Ing. Markus Fritz von Preuschen, Landeskonservator.
DERNAU. Am vergangenen Dienstag, den 14. Juli, machte sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder ein Bild von der Arbeit der Jugendbauhütte in Dernau. Das Unmögliche wird hier machbar, wenn alle an einem Strang ziehen. Und damit das so bleibt, hat das Land ein stattliches Gastgeschenk im Gepäck.
Die jungen Freiwilligen der Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz, die sich derzeit im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) der Denkmalpflege befinden, zeigten dem Regierungschef die Arbeit zum Wiederaufbau des ehemaligen Bethauses in Dernau.
Das historische Gebäude, ein zweigeschossiger Fachwerkbau aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, ist eines der bedeutendsten Zeugnisse jüdischer Geschichte in der Region. Die Flut 2021 setzte dem Bauwerk schwer zu, legte aber paradoxerweise auch alte Schätze frei – wie die historische Kölner Decke im Betsaal, die wie durch ein Wunder die Wassermassen überstand.
Um dieses Erbe zu erhalten, wird nicht einfach der Betonmischer angeworfen. Hier wird gearbeitet wie vor 200 Jahren. „Wir nutzen historisch übliche Materialien wie Lehm und Stroh“, erklären die Freiwilligen dem Ministerpräsidenten. Es ist die Wiederbelebung der mittelalterlichen Bauhütten-Philosophie: Man lernt vom Meister direkt am Original. Dass man sich dabei dreckig macht, gehört zum guten Ton.
„Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz leistet wichtige Arbeit für unser kulturelles Erbe. Sie sorgt nicht nur dafür, dass wertvolle Denkmäler erhalten bleiben, sie begeistert auch junge Menschen für traditionelle Handwerksberufe.“ — Ministerpräsident Gordon Schnieder
Was unmittelbar nach der Flutkatastrophe als spontane Nothilfe begann, hat sich längst zu einer festen Institution entwickelt. Aus den ersten Hilfseinsätzen wuchs das „Mobile Team Fluthilfe“. Zwischen 2023 und 2025 reisten in den sogenannten Fluthilfecamps Hunderte aktive und ehemalige Teilnehmer aus ganz Deutschland für jeweils zwei Wochen an, um im Ahrtal anzupacken.
Der Erfolg war so durchschlagend, dass im September 2025 die offizielle „Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz“ gegründet wurde. Und das Engagement trägt Früchte – nicht nur an den Gebäuden, sondern auch in den Köpfen der Jugendlichen: Rund 80 Prozent der Teilnehmenden bleiben nach ihrem FSJ dem Handwerk, der Denkmalpflege oder der Restaurierung treu und beginnen eine entsprechende Ausbildung oder ein Studium.
Damit diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann, greift das Land tief in die Tasche. Die rheinland-pfälzische Landesregierung unterstützt die dauerhafte Einrichtung der Jugendbauhütte mit satten 650.000 Euro. Das Geld ebnet den Weg für weiteres Engagement – nicht mehr nur im Ahrtal, sondern zukünftig auch mit einem geplanten Schwerpunkt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.