Kunsthaus Wäldchen – Forst. Es ist kalt, es schüttet und stürmt an diesem Fronleichnam-Tag 2026. Aber das Studio im Kunsthaus Wäldchen ist bis zum letzten Platz besetzt. Ausverkauft. Und die Menschen erleben einen rauschenden Jazz-/Klang-Abend. Zwei komplette Stunden lang zelebriert die Markus-Stockhausen-Group feinsten symphonischen Jazz mit wuchtigen und mitreißenden Grooves sowie sphärischen Klangreisen.
Schon nach dem Eröffnungsstück „Sunday morning“ ist das Publikum kaum noch auf seinen Plätzen zu halten.
Die Band des renommierten Trompeters Markus Stockhausen, Sohn des Kölner Komponisten Karlheinz Stockhausen brillierte mit Eigenkompositionen wie auch Stücken der anderen drei allesamt kongenial auftretenden Kollegen, oft mit langen Improvisationsteilen und Klangpassagen. Alle Stücke an diesem Abend sind auf den Trompeter ausgerichtet, sicher einer der führenden lebenden Meister seines Faches. Dieser begeisterte neben dem Standardinstrument auch mit virtuosem Spiel auf Flügelhorn und Piccolo-Trompete. Und dennoch agieren die Musiker Jörg Brinkmann, Cello, Christian Thomé und Jeroen van Vliet, Piano gleichberechtigt, spielen sich immer wieder auch in Dialogen die Bälle zu und treten an diversen Stellen in den Mittelpunkt, um schließlich sofort wieder in den Dienst des Gesamtkunstwerkes zurückzukehren.
Die außergewöhnliche Besetzung mit dem Cello als Bass, aber auch als Melodie-Instrument, wie bei allen Instrumenten außer dem Schlagzeug leicht verstärkt, und immer wieder mit Soundeffekten optimiert, ermöglicht assoziative Reisen nicht nur durch innere Dimensionen, sondern auch durch Musikstile und -Gattungen. Nicht zuletzt durch ungeheure Dynamikwechsel und Steigerungsmomente erlebt man also Abstecher in die Welt des Art Ensemble of Chicago oder Herbie Hancocks „Sleeping Giant“, fühlt sich erinnert an den frühen Miles Davis, plötzlich aber eben auch findet man sich im Trio Cello, Klavier und Trompete als Violinen-Adaption in Beethovens Tripelkonzert wieder.
Im Stück „Nebula“ setzt Stockhausen mit vielen Dissonanzen und Reibungen mit Anklängen an den unendlichen kosmischen Raum ein Thema um, das auch seinen Vater – wie z.B. im Stück „Sternklang“ (1971) immer wieder beschäftige. Angesichts der unfassbaren Dimension des Kosmos, so philosophierte Stockhausen in der Anmoderation erscheinen unsere kleinen Erdplanet-Problemchen geradezu lächerlich.
Die Band bedankte sich nach euphorischen Ovationen des Publikums mit einer eingängigen Jazz-Balade „There is always hope“.
Im Anschluss führte dann der Trompeter, der übereinstimmenden Rückmeldungen des open-arts-Leitungsteams nach nicht zum letzten Mal bei open arts aufgetreten ist, das Publikum samt Flügelhorn in die westliche Eingangshalle, auf dessen Galerie er dann noch einige Zeit weiter zur Vernissage der Raum-Text-Installation des Künsters Harald Herrmann improvisierte.
Die Kunst-Fahnen des Freiburger Künstlers, der lange in Köln lebte, gefertigt aus Transparent und Teebeutel-Papier, sind mit schwarzen senkrechten Text-Zeichen versehen und fallen senkrecht über fast 11 Meter vom First zum Boden des Glasgebäudes im Kunsthaus. In den Schriftzeichen, die von den Besuchern fasziniert bewundert wurden, sind zwei Gedichte von Paul Celan und Rainer-Maria Rilke verarbeitet.
Die Installation ist an den kommenden Sonntagen, 14. und 21. Juni noch je von 14 bis 18 Uhr zu bewundern. (Daniel Diestelkamp)
Die nächsten Veranstaltungen bei open arts:
Sonntag, 21. Juni Eintritt frei
Raum-Text-Installation von Harald Herrmann
Ausstellung geöffnet jeweils 14 -18 Uhr
Samstag, 27. Juni, 20 Uhr Eintritt 15/10 €
Konzert Eunoia-Trio „Europa hörbar machen“
mit Finissage der Kunstinstallation und Festival-Abschluss-Fest
Johanna Greulich – Sopran, Clemens Hund-Göschel – Klavier und Louisa Marxen - Schlagzeug
Ein weiterer Bericht zum Konzert der ukrainischen Band „ELBA“ gibt es in dieser Mitteilungsblattausgabe in der Rubrik „Bildung und Kultur“ zu lesen.