Mit einer musikalischen Performance beendete am 27.06.2026 das Eunoia-Trio (englische Aussprache: Junoia: „beautiful thinking“) die diesjährige open-arts -Saison im Kunsthaus Wäldchen. Am heißesten Tag des Jahres hatten die open-arts-Macher zu einer Veranstaltung der besonderen Art geladen: Aus einer großen Karaffe durften sich die Gäste im nach dem ersten Schauer schon etwas abgekühlten Foyer kostenfrei mit kühlem Trinkwasser versorgen, während die drei Musiker:innen mit szenischen Bewegungsimprovisationen und experimentellen Elementen Geschichten über Erinnerungen, Grenzen und Möglichkeiten des Zusammenwachsens eines Kontinentes erzählten.
Zur Einführung hatte das Trio zunächst das Konzept erläutert, bei dem in verschiedenen Projektabschnitten Audio-Interviews mit in den jeweiligen europäischen Ländern öffentlich bedeutsamen Persönlichkeiten von dafür beauftragten Komponisten musikalisch bearbeitet werden. Im hier zur Aufführung gebrachten ersten Teil wurden Kompositionen von Henri Växby mit Interviewtexten von Caj Bremer aus Finnland und von Catherine Kontz mit Texten von Erna Hennicot-Schoepges aus Luxemburg umgesetzt.
Thematisch waren Texte und Kompositionen von einer traumatische Kindheitserfahrung eines Bombenangriffs in der Nähe von Helsinki sowie von der Auseinandersetzung mit dem ambivalenten geliebten und durch die Kriegserfahrung gehassten Deutsch als zweite Heimatsprache im kleinen EU/EWG-Gründungsmitglied Luxemburg bestimmt.
Neben den stimmlichen Virtuositäten der Sängerin Johanna Greulich beeindruckte gleichfalls die großartig inszenierte Perkussion von Louisa Marxen, selbst Luxemburgerin. Sie agierte mit allerhand ungewöhnlichen Materialien wie einer klingenden Granathülse aus dem Besitz ihres Vaters, von ihm eigenhändig mit einer Inschrift im Gedenken an die Ardennenschlacht 1945 graviert. Dann wiederum verwendete sie Rosen als Drum-Sticks für Trommeln und Blumenschalen – Rosen als Synonym für ein fragiles Friedenssymbol.
Auch Clemens Hund-Göschel am Piano wirkte mit feinfühligen Melodiekaskaden und Tastenläufen sowie gezupften Saitenklängen im präparierten Klavier für extrem besondere, einfühlsame Momente.
Das ganze Präsentation setzte klanglich-ästhetische Akzente, welche nachhaltig Spuren für die Sensibilität und Gefährdung unseres durch die Versöhnung befriedeten Kontinents hinterließen.
Ein mutiger Ausklang, für das sich das Publikum mit viel Beifall bedankte und anschließend auch mit engagierten Rückfragen und Feedbacks an die Künstler bei einem Glas Wein im Kunsthaus Garten wenden durften. Auf dem Weg dorthin ging es auch noch einmal durch das West-Foyer, in dem die beeindruckende Text-Raum-Installation des Künstlers Harald Hermann zu bewundern war.
Das open arts-Team blickt nach dem gewaltigen Ringen um die Finanzierung und demzufolge im Vorhinein dank der engagierten Unterstützung aus vielen privaten Helferhänden, aus Wirtschaft, mit Bankenengagement und nicht zuletzt auch dank der Unterstützung der öffentlichen Hand nach der so erfolgten Rettung des Festivals auf eine inhaltlich überaus gelungene Saison.
Im Etat bleibt ein Rest-Defizit, das deutlich geringer als in den letzten Jahren ausfällt und emotional und mental von der hohen öffentlichen und der Publikum-Resonanz und aufgrund der hohen Qualität der Veranstaltungen wieder aufgefangen wird. Keine Veranstaltung ist ausgefallen, die Besucherzahl konnte im Verhältnis zum Vorjahr noch einmal gesteigert werden. Dafür sind die Macher besonders auch der Verbandsgemeinde Hamm (Sieg) mit dem „KulturGenussSommer“ sowie dem Festival „StadtLandFluss“ dankbar, in welche die open arts eingebettet sind.
Das Konzept der vielfältigen offenen Formate hat wiederum Menschen aller Generationen den Genuss von für sie teils völlig neuer Kunst- und Musikgattungen ermöglicht, die sie ohne open arts mit dem immer wieder gelobten einmaligen Ambiente nie kennengelernt hätten.
open arts verabschiedet sich und hofft auf einen guten Neustart und ein Wiedersehen im nächsten Jahr zur Eröffnung am 5. Mai!