v.l.n.r.: Baumpaten Isabel Christmann, Peter Bum Krahwinkel und Renate Krämer im Parc de Roissy.
„Wurzeln schlagen, dann blüht uns was!“ – So lautet der Slogan der seit kurzem ehrenamtlich tätigen Aktionsgruppe von Bürger:innen aus Hamm (Sieg), die sich in Kooperation mit der Ortsgemeinde Hamm (Sieg) zum Ziel gesetzt hat, Grundstücke, die der Ortsgemeinde gehören, in dauerhafte, robuste Grünflächen zu verwandeln.
Im Dezember startete die Gruppe mit der Pflanzung von dreierlei Baumarten im Parc de Roissy. Jede von ihnen erzählt eine besondere Geschichte und ist mit seinem jeweiligen Baumpaten durch eine Erinnerung verbunden:
Angefangen bei der Nordischen Mehlbeere (Sorbus aria), für die Peter Bum Krahwinkel die Baumpatenschaft übernommen hat. Der gelernte Gartenlandschaftsbauer erklärte bei der Pflanzungsaktion, dass die Mehlbeere ihn an seinen Schwiegervater Wilhelm Krahwinkel sowie an dessen Frau Emma erinnere (geb. Steinhauer; Tochter des Müllers der alten Kobersteinermühle). Krahwinkels Schwiegervater betrieb als Landwirt in der Nachkriegszeit bis Anfang der 60er Jahre den Hänschelshof in Scheidt.
Der Name der „Mehlbeere“ kommt nicht von ungefähr: Früher war der Baum ein geschätzter Nachbar jeder einfachen Behausung auf dem Land, da man in schweren Zeiten auf ihre Früchte zurückgreifen konnte, um sie zu einem Mehl zu malen, wenn die gängigen Getreide (wie Weizen oder Roggen) sehr rar waren.
Bei dem Schützling der Baumpatin Renate Krämer handelt es sich um eine Libanonzeder (Cedrus libani) – auch Napoleons-Zeder genannt –, die tatsächlich nicht nur mit der Geschichte des Eroberers, sondern auch mit der französischen Partnergemeinde von Hamm (Sieg), Roissy-en-France, zusammenhängt. Ursprünglich wurde die Zeder aus dem Libanon nach Frankreich mitgebracht und unter anderem in Roissy-en-France gepflanzt. Dessen Schlossgarten wurde dadurch in einen Landschaftspark verwandelt.
Die weit gereisten Zedern entpuppten sich einige Jahrhunderte später als Schutzpatrone für die Gemeinde: Roissy hätte in Teilen abgeholzt oder umgesiedelt werden können, als der an die Gemeinde angrenzende Flugplatz Roissy-Charles-de-Gaulle erweitert werden sollte. Doch da es nicht in Frage kam, die kulturträchtigen und als Naturdenkmal geltenden Libanonszedern zu fällen, wurde davon abgesehen. Auch heute noch gilt die Libanonszeder als „Lieblingsbaum“ der Bürger:innen von Roissy.
Nun kann der reiseerprobte Baum nicht nur dort, sondern auch in der Partnergemeinde bestaunt werden; denn: Die in Hamm (Sieg) wohnhaften Mitgliedern der Jumelage bekamen bei ihrem letzten Besuch in Roissy eine junge Zeder als Geschenk überreicht. Währenddessen verblieb ein zweites Exemplar von gleicher Größe in Roissy – ein Zeichen der Verbundenheit der Partnergemeinden. Die Hämmscher „Zwillingszeder“ wurde nun final im Parc de Roissy angesiedelt.
Mit dem Ginkgo Baum (Ginkgo biloba) verbindet Isabel Christmann als langjähriges Mitglied der „Jumelage“ (Städtepartnerschaft zwischen Hamm (Sieg) und Roissy-en-France) eine Menge. Besonders beeindruckt ist die Baumpatin von der Resistenz, die der Baum schon in anderen Regionen der Erde unter Beweis gestellt hat: In Japan kennzeichnet er als „Tempelbaum“ heilige Plätze und Kraftorte. Nach den Atombombenabwürfen im zweiten Weltkrieg gehörte der Ginkgo in Hiroshima mit sechs Exemplaren neben dem Kampferbaum (zwölf Exemplare) und der Trauerweide (fünf Exemplare) zu den Pflanzen, zu den „Hibaku jumoku“ – den bombardierten, überlebenden Arten.
Den anhaltend lebensfeindlichen Umständen zum Trotz gelang es dem Ginkgo sogar, nach der Atomkatastrophe wieder in Hiroshima und Nagasaki auszutreiben. Spätestens seit diesem Ereignis gilt er als Mahnmal für Frieden und ein Symbol der Hoffnung.
Bei den drei Bäumen soll es allerdings nicht bleiben: Isabel Christmann, Renate Krämer und Peter Bum Krahwinkel haben im Parc de Roissy nur den Startschuss gegeben. Die Aktion sei „mit bester Absicht und aus guten Gründen zur Nachahmung empfohlen“, so das Trio, das sich weitere Mitstreiter:innen erhofft. Unter anderem soll auch noch die Fläche gegenüber der alten Eiche an der Ecke Eintrachtstraße/Schützenstraße in Hamm (Sieg) (Naturdenkmal seit 1981) mit geeigneten Pflanzen begrünt werden.
Wer also selbst Lust bekommen hat, einen Baum oder eine Pflanze zu setzen, um die „Begrünung mit Geschichte“ fortzusetzen, kann sich gerne an die Organisatoren aus der Ortsgemeinde wenden, um z.B. einen geeigneten Pflanzort auszuwählen, an welcher der Baum auf Ortsgemeindeboden gute Chancen hat. In der Regel können viele robuste, blühende Strauch- und Baumarten witterungsabhängig (ohne Bodenfrost) am besten zwischen Ende September bis Anfang/Mitte Dezember sowie von Anfang März bis Ende April gepflanzt werden. (jr)
Interessierte können gerne eine E-Mail an die Ortsgemeinde: ortsgemeindehamm@hamms-sieg.de schreiben oder sich per Whatsapp an Peter Bum Krahwinkel wenden, Tel. 0176-55327899.
…über die Mehlbeere (Baum des Jahres 2024):
www.kulturheimat.de/die-echte-mehlbeere-sorbus-aria-ist-der-baum-des-jahres-2024/
…über die Zedern im Landschaftspark von Roissy:
https://www.grand-roissy-tourisme.com/de/die-Zedern-des-Schlossparks/
…über den Ginkgo als Friedens- und Gedenkbaum: