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Mitteilungsblatt Hamm Sieg
Ausgabe 5/2024
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Weitergabe eines Lebenswerks

Für sein Engagement wurde Moog 2018 mit dem „German Jewish History Award“ der US-amerikanischen Obermayer-Stiftung ausgezeichnet. Dafür vorgeschlagen hatten ihn unter anderem jüdische Familien, die ehemals in Hamm gelebt und in die USA geflohen und ausgewandert sind. Moogs Nachforschungen halfen ihnen bei der Suche nach ihren Wurzeln.

Zum Schluss blätterte Horst Moog noch einmal durch die prall gefüllten Ordner. Natürlich bleiben ihm diese in Zukunft nicht verschlossen. Nichtsdestotrotz schien es, als wolle er noch einmal das Wichtigste begutachten - sich vergewissern, dass nichts fehlt, ehe er es aus der Hand gibt. Die Sammlung enthält 1715 Fotos, die Dokumente reichen bis ins Jahr 1763 zurück. Zwei ganze Alben beschäftigen sich alleine mit den jüdischen Familien aus Hamm, ihren Häusern und Lebensdaten.

Um die Fotos und Dokumente zuordnen zu können, muss Moog meistens nicht einmal einen Blick auf die Bildunterschrift werfen - er erzählt aus dem Stehgreif, woher er dieses oder jenes Foto beschafft, wann er diese oder jene althebräische Inschrift in die Übersetzung gegeben hat. Beeindruckend ist nicht nur sein Wissensreichtum, sondern auch die eindrückliche Weise, dieses Wissen weiterzugeben.

Moog berichtete von einigen Begebenheiten aus seiner Forschung, etwa als er vor Jahren durch Zufall im Schrank eines öffentlichen Gebäudes auf einen Tora-Vorhang stieß und diesen davor bewahrte, als Putzlappen zu Enden. Stattdessen gelang die Restauration des seltenen Stücks, das bereits im Kulturhaus zu sehen ist.

Ziel der Arbeitsgruppe für das Museum ist es, Horst Moogs Lebenswerk mit der Ausstellung seiner Sammlung ein würdiges Gesicht zu geben. Indes sagte dieser mit seinem wachen Blick, dass er weiterarbeiten und forschen werde. Sein Drang zur Aufklärung und Dokumentation ist unermüdlich. Aktuell ist Moog dabei, übrige Grabinschriften übersetzen zu lassen und ein weiteres Familienschicksal aufzubereiten. In seiner Erklärung zum Schenkungsvertrag vermerkt er, dass weitere Alben noch vorbereitet werden. (jr)

Ähnlich zum Thema: Ein neues Forschungsprojekt zeigt, dass in rheinland-pfälzischen Familien selten über die Zeit des Holocausts gesprochen wird. Mehr dazu unter der Rubrik „Aus der Region“.