Bei einer gemeinsamen Begehung informierten sich die beiden Ausschüsse über die geplante Neuausrichtung des Waldfriedhofs Wissen.
Bürgermeister Berno Neuhoff stellt den Teilnehmern das Zukunftskonzept vor.
In einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Bauen, Infrastruktur und Umwelt sowie des Haupt- und Finanzausschusses, Wirtschaft und Soziales der Stadt Wissen wurde ein neues Konzept für den Waldfriedhof in Wissen vorgestellt. Künftig soll dort unter anderem die Möglichkeit geschaffen werden, einen „Generationenbaum“ zu erwerben. Außerdem ist ein neues Grabfeld für „Sternenkinder“ vorgesehen. Ein weiteres neues Angebot soll ein einheitlich gestaltetes Grabfeld für Erdwiesengräber in Form eines Grabkammersystems sein. Dies sind die wesentlichen Änderungen im neuen Konzept.
Grund für die Neuausrichtung sind unter anderem die Möglichkeiten des neuen Bestattungsgesetzes von Rheinland-Pfalz, das im September 2025 in Kraft getreten ist. Neben den bisherigen Bestattungsformen sind damit neue Formen wie ein Aschestreufeld möglich. Nach den derzeitigen Planungen soll auch dies als kostengünstige Bestattung ab 200 Euro neu angeboten werden. Auch Tuchbestattungen sollen künftig möglich sein und können unabhängig von religiösen Gründen gewählt werden.
Bürgermeister Berno Neuhoff betonte die besonderen Potenziale des Waldfriedhofs für die Stadt Wissen und die Region Wisserland. Ziel sei es, den naturnahen, parkähnlichen Charakter zu erhalten. „Eine bessere Vermarktung und die Steigerung der Attraktivität sind Bestandteil eines richtungsweisenden Konzepts.“, erklärte Neuhoff. Die Menschen könnten bereits zu Lebzeiten ihre gewünschte Bestattungsform wählen und Vorsorge treffen.
Am äußersten Rand des Friedhofs soll zudem über einen eigenen Zugang die Möglichkeit für Tierbestattungen geschaffen werden. Tiere sollen dort ausschließlich in einer Urne und für drei Jahre beigesetzt werden können. Für kleinere Tiere ist eine sogenannte „Taschengeldbestattung“ vorgesehen.
Die Verwaltung hat rund ein Jahr gemeinsam mit verschiedenen Fachämtern – darunter Bauamt, Friedhofsverwaltung, Bauhof und Finanzen – an dem neuen Konzept gearbeitet. Auch die Friedhofsgebühren und die damit verbundenen Kosten wurden betriebswirtschaftlich überprüft und auf eine neue Kalkulationsgrundlage gestellt. Christina Kipping vom Referat Finanzen stellte die entsprechenden Berechnungen in der gemeinsamen Sitzung ausführlich vor.
Der Garten- und Landschaftsplan des Pflanzenhofs Schürg wurde an die neuen Gegebenheiten angepasst. Garten- und Landschaftsarchitektin Andrea Pithan erläuterte, wo die neuen Grabstätten und Grabfelder entstehen sollen. Der Bauhof der Verbandsgemeinde Wissen soll die Neugestaltung schrittweise in Eigenregie umsetzen. Stellvertretender Bauhofleiter und Fachgruppenleiter der Friedhöfe Stefan Weidenbruch stellte zudem geplante Baumpflanzungen und die damit verbundenen Möglichkeiten für Baumbestattungen vor.
Für die neuen Grabfelder soll künftig eine einheitliche Friedhofsplatte verwendet werden. Dies gilt auch für den geplanten Urnenhain „Habermannsches Dreieck“ unterhalb der Friedhofshalle. Aufgrund seiner attraktiven Lage soll dieser besonders gestaltet werden. Die Ausschüsse beauftragten die Verwaltung, für die Wiesengräber und den Urnenhain entsprechende Kostenschätzungen vorzulegen. Die Liegezeit wurde auf 20 Jahre festgelegt.
Bei der Konzepterstellung wurden neben der benachbarten Baumschule auch ein externes Bestattungsunternehmen einbezogen. Je nach Akzeptanz sollen künftig weitere Sitzgelegenheiten geschaffen werden, insbesondere für ältere Menschen. Gleichzeitig soll der parkähnliche Charakter erhalten bleiben, sodass der Waldfriedhof auch für Familien und Kinder attraktiv bleibt und ein Ort der Begegnung wird.
Ein weiteres Ziel des neuen Konzepts ist es, den Deckungsbeitrag des Friedhofs zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten zu senken. Nach Angaben der Stadt verursacht der Waldfriedhof derzeit jährliche Kosten von rund 70.000 Euro.
Der Bauausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Wissen votierten einstimmig für den Vorschlag der Verwaltung. Die endgültige Entscheidung soll am 24. September im Stadtrat fallen. Aufgrund des künftigen Angebotes der konfessionsunabhängigen Tuchbestattungen, soll zudem der städtische Migrationsbeirat in die weiteren Beratungen einbezogen werden.