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Wochenblatt der Verbandsgemeinde Montabaur
Ausgabe 47/2025
Montabaur
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Wenn der ICE strandet – und das Publikum mitten drin steckt

(FOTOS: Thilo Daubach)

Theatergruppe des MGV Harmonie-Liederkranz Eschelbach begeistert mit Winnie Abels Komödie „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“

Samstagabend. Theaterstimmung herrscht in der Waldbachhalle in Eschelbach. Es liegt im Vorfeld schon eine erwartende lustige Stimmung. Zuerst zum Inhalt: Wer kennt das nicht: Die Deutsche Bahn und ihre Tücken. Verspätungen, verpasste Anschlüsse, defekte Klimaanlagen – und irgendwo im Nirgendwo steht man plötzlich fest. Genau dieses Szenario nahm sich die Theatergruppe des MGV Eschelbach in ihrer neuen Inszenierung von Winnie Abels Komödie „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“ vor – und brachte das Publikum in drei ausverkauften Aufführungen in der voll besetzten Waldbachhalle zum Toben vor Lachen.

Gleich zu Beginn kündigte Zugsteward Jörg Jung mit charmantem Lächeln und wohltrainierter Bahnstimme die „Speisen und Getränke der Deutschen Bahn“ an und ging dabei durch die Reihen im Publikum – als wären die Zuschauer selbst Fahrgäste im ICE. Schon in diesem Moment war klar: An diesem Abend würde die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum auf herrlich komische Weise verschwimmen.

Der ICE 6948 strandet auf offener Strecke. Ohne Handyempfang, ohne Taxi, ohne Aussicht auf Weiterfahrt finden sich die Fahrgäste an einem trostlosen Provinzbahnhof wieder. Doch die echte Katastrophe steht erst bevor: Unter den Gestrandeten soll sich angeblich ein Psychopath befinden – und schon nimmt ein unglaublich witziges Nervenchaos seinen Lauf.

Mit viel Spielfreude und Liebe zum Detail auf Eschelbacher Dialekt, schlüpften die Darsteller in ihre Rollen: ein quirliger Frauen Kegel-Club, dargestellt von (Eva Volkmann, Iris Aßmann und Lotte Schenkel) eine gestresste Business-Frau (Klaus Kurz), ein verschrobener Verschwörungstheoretiker (Ralf Nebgen), der traditionelle unter einer Decke versteckt, der Bahnhofspenner Reinhold (Holger Bast) –nein – „der Mann wartete nur auf den Zug“ und eine hyperaktive Motivationstrainerin (Anne Nebgen) Zum guten Schluss fällt auch noch eine Psychiatriepatientin auf Abwegen in das Geschehen ein (Gloria Brix) – ein bunter Querschnitt durch die Gesellschaft, der in der Zwangspause aufeinanderprallt.

Besonderes Lob verdient die gelungene Einbindung des Publikums. Immer wieder wurden die Zuschauer als „Mitreisende“ ins Geschehen einbezogen, was für spontane Situationskomik und beste Unterhaltung sorgte. Ein Ordnungsbeamter des Ordnungsamtes – gekonnt gespielt von Brigitte Kruse – sorgte zwischendurch im ganzen Verwirrspiel für Ordnung und Sicherheit, was immer wieder für zusätzliche Komik und charmante Zwischentöne sorgte.

Auch das Bühnenbild überzeugte mit der Technik (Janis Volkmann): Mit Bahnhofsansagen, Abfahrtsanzeigen und Sitzreihen wurde die Illusion eines echten Bahnabenteuers perfekt eingefangen.

Unter der Regie von Christiane Bast und Michaela Rosenberg entstand ein temporeiches, pointensicheres Stück, das mit Witz und Charme den Alltagswahnsinn der Bahnreise auf die Bühne brachte. Der Satz „Senk ju vor träwelling wis Deutsche Bahn!“ hallte noch lange nach, begleitet vom begeisterten Applaus eines Publikums, das sichtlich Spaß an der unfreiwilligen Bahnpanne hatte. Am Ende feierte das Publikum die Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.

Fazit dieser drei Tage:

Drei spritzige, humorvolle Theaterabende, der die kleinen und großen Katastrophen des Reisens augenzwinkernd aufs Korn nimmt und eine herrliche Einladung, über den ganz alltäglichen Bahnwahnsinn herzlich zu lachen.