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Hoher Westerwald - Wochenkurier für die Verbandsgemeinde Rennerod
Ausgabe 27/2020
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100 Tage „Wäller helfen“

Vor 100 Tagen wurde auf einer Couch im beschaulichen Westerwald die Idee geboren, eine Gruppe in Facebook zu gründen, die sich "Wäller helfen - gemeinsam statt einsam“ nennt. Was sich daraus entwickelt hat, ist enorm. Innerhalb von wenigen Tagen ging die Zahl der Gruppenmitglieder in die Tausende und Wäller, die nun in Singapur, Kanada, Nicaragua oder sonst wo auf der Welt leben, verfolgen via Internet, was hier geschieht. Inzwischen haben die Gründer der Gruppe, Christan Döring (Vorsitzender) und Stellvertreter Björn Flick, "Wäller helfen" als Verein eintragen lassen. Die Mitglieder, etliche davon auch aus der Verbandsgemeinde Rennerod, haben es sich zur Aufgabe gemacht, während der Corona-Krise anderen Menschen in allen Lebenslagen hilfreich zur Seite zu stehen.

Das Vorhaben wurde von Hilfesuchenden und Helfern gut angenommen. Das soll - so hofft der Vorstand - auch nach Corona weiterhin so geschehen. In nur 100 Tagen haben die Mitglieder nicht nur die Nachbarschaftshilfe in Form von Einkäufen, Hundesitting, beim Umzug helfen, oder bei anderen Gelegenheiten geleistet, sondern auch interessante Internetaktionen gestartet. Musikfans konnten rund 50 Wohnzimmerkonzerte genießen. Die sportbegeisterten Menschen erhielten online in mehr als 200 Stunden Anweisungen von Fachleuten in beispielsweise Zumba, Workout oder Yoga, bei der zu den jeweiligen Stunden rund 40 Teilnehmer mitmachten. Auch die Kinder und Jugendlichen wurden nicht vergessen. Ein Team von 15 Erzieher/-innen kümmerte sich nahezu 200 Stunden lang um die kurzweilige Beschäftigung der jungen Leute.

In Verbindung mit Foodsharing wurden 250 Tafelkunden versorgt und als den 36 „Maskennäherinnen“ die Gummibänder ausgingen, kaufte „Wäller helfen“ 2,5 km Gummiband und verschenkte dieses an die Näherinnen. So konnte sich beispielsweise Yvonne Klages aus Zehnhausen bei Rennerod über 70 m Gummi freuen. Im Gegenzug spenden alle Näherinnen ein paar Masken. Damit unterstützt „Wäller helfen“ die nächste Aktion. Die Masken gehen zum Großteil an die Caritas Behindertenwerkstatt Rotenhain. „Auf dem Wege hilft jeder jedem“, so Björn Flick. Hilfe erhielt auch der Wildpark in Bad Marienberg. Die nächste Spende, ermöglicht über den Virtual Charity Run, ist für die Unnauer Patenschaft vorgesehen. „Wäller helfen" ist mittlerweile das größte Nachbarschaftsnetzwerk in Rheinland-Pfalz.

Ein mehr als 30-köpfiges Team war bislang 100 Tage ehrenamtlich tätig und wird auch in Zukunft immer noch für andere Menschen da sein. So werden zum Beispiel weiterhin Konzerte an den Altenheimen und anderen Einrichtungen stattfinden. Die Musiker Jens Ickenroth, Melanie Stampfer-Heier und der Chor „Happy Voices“ haben bereits zugesagt. Zudem soll ein „Wäller-Lauftreff“ ins Leben gerufen werden. Er wird dann von Tina Brückhof geleitet.

So ganz nebenbei dreht das Team von "Wäller helfen" mit dem Filmemacher Thomas Sonnenschein im gesamten Westerwald einen Kino-Film und dokumentiert, welche Probleme auftauchen und was die Zeit der Pandemie mit den Menschen macht. Elke Hufnagl