Am Freitag, 20. März 2026, wurde der Marktplatz in Selters zum lebendigen Klassenzimmer: Die Oberwaldschule – Grundschule – Selters beteiligte sich mit allen Klassen am „Aktionstag für Vielfalt und Demokratie“ – ein starkes Zeichen im Rahmen der „Internationale(n) Woche gegen Rassismus“. Schirmherren waren Bürgermeister Oliver Götsch und Stadtbürgermeister Rolf Jung. Organisiert vom „Quartier für alle“ der Stadt und moderiert von der Schulleiterin der Grundschule, Petra Edel, setzte die Veranstaltung sicht- und hörbare Signale gegen Ausgrenzung und für ein solidarisches Miteinander. Zwischen farbenfrohen Pavillons präsentierten sich Einrichtungen aus Stadt und Region mit vielfältigen Mitmachangeboten. Am Stand der Grundschule hinterließen kleine und große Besucherinnen und Besucher ihren bunten Fingerabdruck auf einer Leinwand – eine wachsende, fröhliche Spur der Zugehörigkeit, die an das bunte Schulball-Logo der Grundschule erinnert.
Kraftvolle Trommelklänge zur Eröffnung des Aktionstages gaben den Takt für einen engagierten Vormittag vor. Punkt 10:30 Uhr versammelten sich Kinder und Erwachsene aus den ansässigen Schulen, den Kitas, dem Hort, Vertretungen vieler weiterer Einrichtungen und der Kirchen sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Satz, der weit mehr ist als ein Motto: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der erste Satz im Grundgesetz ist das Fundament unserer Demokratie – und wurde an diesem Vormittag immer wieder betont und mit Leben gefüllt. Doch was heißt das konkret? Einige Kinder der Grundschule fragten am Mikrofon nach – stellvertretend für die Schülerschaft und mit spürbarer Neugier.
Im Gespräch mit den beiden Bürgermeistern zeigten sich Demokratie und Teilhabe ganz nahbar. Rolf Jung erklärte anschaulich, dass Demokratie aus den griechischen Wörtern „demos“ (Volk) und „kratos“ (Macht) komme – alle Macht gehe vom Volk aus. Jede und jeder dürfe die eigene Meinung frei sagen, und das Wahlrecht sei ein zentrales Recht und eine Verantwortung. Sein Appell an die Großen: wählen gehen! Zugleich machte er Mut zur Mitgestaltung: Ideen für einen neuen Spielplatz in Selters? Wünsche für den Bolzplatz? „Sammelt eure Vorschläge im Kinderparlament, schreibt sie auf – ich nehme sie gerne mit in die Beratungen.“ Ein Termin soll folgen, damit Kinderbeteiligung nicht nur Wort bleibt, sondern Wirkung entfaltet.
Auch persönliche Fragen fanden Raum: Was motiviert Menschen, Verantwortung zu übernehmen? Oliver Götsch, parteilos, schilderte seinen Weg: 27 Jahre arbeitete er bei der Polizei – sein Traumberuf. „Nun ist ein neuer Traumberuf hinzugekommen: Bürgermeister der Verbandsgemeinde“, erklärte er. Man müsse sich nicht für das ganze Leben festlegen. Wie zuvor als Polizist, so handle er auch als Bürgermeister in der Exekutive, der ausführenden Gewalt – nah an den Menschen, verantwortlich für das praktische Tun. Rolf Jung erzählte, dass er 42 Jahre lang Polizist war. Bürgermeister sei er geworden, „weil ich nicht nur meckern, sondern etwas tun wollte“. Sein Ziel: Selters mitgestalten und schöner machen. Geschmunzelt wurde über die Erkenntnis, dass beide Bürgermeister vorher Polizeibeamte waren. „Polizisten scheinen sehr verantwortungsbewusst zu sein“, stellten sie fest.
Die Kinder wollten außerdem wissen: Was bedeutet es genau, wenn die Würde des Menschen unantastbar ist? Warum werden Menschen gewählt – und ist der Job so, wie man ihn sich vorstellt? Die Antworten machten deutlich: Demokratie lebt von Respekt, frei geäußerter Meinung, fairer Beteiligung und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Der Aktionstag setzte ein klares Zeichen für gegenseitigen Respekt, Menschenwürde und Zusammenhalt. Die Kinder der Oberwaldschule – Grundschule – Selters zeigten, dass sie Vielfalt kennen und schätzen – ganz im Sinne ihres Schulmottos: „Miteinander leben – Voneinander lernen – Vieles neu entdecken.“ Mit Fragen, Fingerabdrücken und vielen Ideen wurde Demokratie an diesem Vormittag in Selters buchstäblich angefasst und erfahrbar gemacht.