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Unsere Verbandsgemeinde Selters Ww
Ausgabe 8/2026
Aus Stadt und Gemeinden
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Kur- und Verkehrsverein Herschbach e.V.

Unsere Mutter mit unserem ältesten Bruder Karlheinz.

Heimatkunde – Eine Hochzeit im Kriegsjahr 1945, Teil 5

von Günther Faber

Es war der „Antweiler‘sch Franz“. Im Lazarett des Gefangenenlagers hatte der Vater ihn kennengelernt. Er erzählte ihm, dass er mit der Hildegard Herbst verheiratet ist. So entwickelte sich eine weitere Freundschaft in der Kriegsgefangenschaft. Heimlich schmiedeten sie zunächst einen Plan für die Flucht. Nach reiflicher Überlegung entschied sich unser Vater dann doch dagegen. Er hatte ja eine junge Familie zuhause, für die er die Verantwortung trug. Das Risiko, erwischt zu werden und dabei zu Tode zu kommen, war zu groß. Der Antweiler‘sch Franz war damals unverheiratet. Sollte ihm die Flucht gelingen und unser Vater aus der Gefangenschaft zurückkehren, so versprach er, bei der Geburt eines weiteren Kindes die Patenschaft zu übernehmen. Eines Tages gelang ihm doch die Flucht und er erreichte unter großen Strapazen seinen Heimatort Herschbach. Nach der Rückkehr unseres Vaters löste er sein Versprechen ein und wurde „Patten“ unserer Schwester Hilde.

Durch die erfolgreiche Flucht hatte unsere Mutter den Ort der Gefangenschaft unseres Vaters erfahren und postalisch Kontakt mit ihm aufnehmen können. So konnte sie wenigstens ein Foto von sich und seinem kleinen Sohn in die Gefangenschaft schicken.

Damit es nicht verloren ging, hatte sie es vorsichtshalber mit ein paar Stichen an den Brief angenäht. Es war wohl der einzige Trost und auch die Hoffnung für unseren Vater, wieder einigermaßen gesund nach Hause zu kommen. Nach der Rückkehr in die Heimat war er von den Strapazen gezeichnet und kränklich geblieben. Hinzu kam, dass er die ersten Jahre im Steinbruch Herschbach schwere Arbeit verrichten musste. Letztendlich war er zwar nicht im Krieg, aber an dessen Folgen im Alter von 45 Jahren gestorben. Er hinterließ eine Familie mit sechs Kindern. Eine formale Anerkennung als Kriegerwitwe und somit ein besserer Rentenanspruch war unserer Mutter nicht zuteilgeworden. Von nun an musste sie uns Kinder mit ihrer kärglichen Rente alleine durchbringen, was sie schließlich auch geschafft hatte.

Der komplette Bericht von Günter Faber über „Eine Hochzeit im Kriegsjahr 1945“ ist ab sofort auf der Website des Kur- und Verkehrsvereins www.kvv-herschbach.de abrufbar. Oder nutzen Sie den Link:

www.kvv-herschbach.de/bereiche/heimatkunde/fabers-geschichten