Da die ursprünglich mal jährlich stattfindende Informationsfahrt der Ortsbürgermeister nun schon drei Jahre zurückliegt, war die Freude über den geplanten Tag im Ahrtal besonders groß.
Auf der Fahrt durchs Ahrtal fällt auf, dass die öffentliche Infrastruktur größtenteils bereits wieder in Stand gesetzt wurde. An manchen Stellen wird allerdings noch fleißig mit schwerem Gerät gearbeitet. Einerseits sieht man am Wegesrand liebevoll wiederaufgebaute private Wohnhäuser, andererseits stehen auch weiterhin viele Gebäude leer und sind verwaist. Die an manchen Orten angebrachten Hochwassermarken lassen die gewaltigen Wassermassen nur erahnen, die sich hier mit einer ungeheuerlichen Kraft durch das enge Tal geschoben haben müssen.
Mit dem Reisebus ging es zunächst in die kleine Ortsgemeinde Rech, die mit rund 500 Einwohnern vergleichbar groß ist wie die meisten unserer Gemeinden im Westerwald. Wie in vielen anderen Dörfern auch, klaffen zur Ahr hin mittlerweile große Lücken, da eine Bebauung zu nah am Wasser für viele Eigentümer nicht mehr genehmigt wurde. Der dortige Ortsbürgermeister Thomas Hostert konnte den Teilnehmern unserer Fahrt einiges zu den aktuellen Projekten der Gemeinde berichten. So wurde beispielsweise in ein kommunales Nahwärmenetz investiert, es entsteht eine neue Dorfmitte mit einem Mehrgenerationenplatz, und eine neue Brücke wird demnächst die immer noch aktive Behelfsbrücke des THW ablösen.
Zu einem ganz besonderen Beispiel von kommunaler Zusammenarbeit trafen sich die Teilnehmer dann mit dem Schulleiter der Berufsbildenden Schule aus Limburg, Stefan Laux. Die Friedrich Dessauer Schule baut nämlich in einem Langzeitprojekt gemeinsam mit Azubis und Ausbildern ein altes Fachwerkhaus wieder auf. Der Landkreis Limburg hat im Rahmen einer Aufbaupartnerschaft das zerstörte Gebäude gekauft, der Ortsgemeinde Rech zur Verfügung gestellt und den Wiederaufbau finanziell unterstützt. Das Gebäude soll nach Fertigstellung als Gemeindezentrum und somit Ort der Begegnung für alle Einwohner aus Rech dienen. Stefan Laux konnte berichten, dass die Azubis aus vielen unterschiedlichen Gewerken meist für eine ganze Woche vor Ort sind und in einem benachbarten Gebäude in Sammelunterkünften übernachten. So wird einerseits das technische Verständnis an ganz praktischen Beispielen gefördert, insbesondere werden aber auch soziale Fähigkeiten und ein Verständnis für Gemeinschaft und gelebten Zusammenhalt vermittelt.
Ein insgesamt außergewöhnliches Beispiel für ehrenamtliches Engagement und kommunale Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg.
Nach einer kurzen gemeinsamen Wanderung durch die Weinberge fand der Abend einen gemütlichen Ausklang auf dem geselligen und durchaus familiären Weinfest des Weinortes Rech. Das Fazit: eine Reise ins Ahrtal lohnt sich, und die Menschen vor Ort freuen sich über den wieder auflebenden Tourismus und das Interesse für dieses schön gelegene Tal.