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Wäller Wochenspiegel - Anzeiger für die Verbandsgemeinde Westerburg
Ausgabe 36/2020
Hauptthemen - Seite 10
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Einsatz für das Überleben der Wälder: Bundeswehr im Gemeindewald Höhn

Gruppenfoto mit allen Aktiven im Einsatz gegen den Borkenkäfer. Foto: Landesforsten Rheinland-Pfalz

Rennerod. Die Existenz des Waldes ist bedroht. In Rheinland-Pfalz sind etwa neun Millionen Kubikmeter Schadholz in den letzten zwei Jahren angefallen. Besonders geschwächt sind die Fichten, die unter dem Schädlingsbefall des Borkenkäfers leiden. Die Borkenkäferpopulationen, welche sich durch die warmen Temperaturen explosionsartig ausbreiten, befinden sich unter den anhaltend trocken-warmen Klimabedingungen bereits in der dritten Generation in diesem Jahr. Die exponentielle Vermehrung des Borkenkäfers sei erschreckend, beschreibt der Revierleiter Michael Welte. Im Gemeindewald Höhn arbeiten die Forstwirte in Zusammenarbeit mit ihm als Förster, wie in jedem anderen Waldteil des Forstamtes, unter Hochdruck. Die Fichtenbestände, die man bislang mit Blick auf die Zukunft noch regelmäßig pflegte, sind nun fast alle dem Käfer zum Opfer gefallen. Handflächengroße Fraßbilder von einem einzelnen Schädling lassen sich unter der Rinde erkennen.

Die Fichten leiden alle unter einem lebensbedrohenden Befall. Selbst jene Fichten, die noch eine grüne Krone haben, sind bereits geschädigt, was an der abblätternden Rinde unter der Krone gut zu erkennen ist. Michael Welte erläutert, man versuche den Wald in seinem Bestehen noch zu retten. Allerdings ist ihnen allen bewusst, dass durch den fortschreitenden Schädlingsbefall und die Klimaveränderung in den nächsten Jahren keine Fichten mehr in unseren Wäldern zu finden sein werden. Auch er bestätigt das oft beschriebene Wettrennen gegen den Borkenkäfer. Es ist beängstigend, wie schnell der Zustand der Bäume sich täglich verschlechtert.

Die Schädigungen durch den Borkenkäfer gleichen einer Katastrophe, weshalb die Bundeswehr durch ein offizielles Amtshilfegesuch der Landesregierung, in den Forstämtern Hachenburg, Neuhäusel und nun in Rennerod die Revierarbeit unterstützt. Aus den Standorten Augustdorf, Hilden, Mainz und Wilhelmshaven wurden Soldatinnen und Soldaten vom Feldjägerregiment 2 zur Amtshilfe in den Westerwald geschickt. Sie entrinden das frisch befallene Holz, da dieser Prozess eine weitere Vermehrung der Käfer unterbricht Die Bäume werden zuvor von den beiden Forstwirten Kappi und Böge gefällt und entastet. Die Zusammenarbeit der Soldatinnen und Soldaten mit den beiden Forstwirten funktioniert reibungslos, so Michael Welte. Der Sicherheitsabstand zwischen den Fällarbeiten der Forstwirte und der Entrindungsarbeit der Kameradinnen und Kameraden der Bundeswehr ist jeder Zeit gegeben.

Die beiden Forstwirte sind sich einig, dass die zehn Soldatinnen und Soldaten auf jeden Fall eine unbedingt notwendige Arbeitsunterstützung in der derzeitigen Lage darstellen.

Obwohl das Abschälen der Baumrinde körperlich anstrengend und besonders belastend für Arme und Schulter ist, arbeiten die Soldaten fleißig und zeigen vollen Einsatz. Sie berichten, dass sie nun bewusster den Wald beobachten und den Befall deutlicher wahrnehmen als im zivilen Leben als Waldbesucher. Es sei erschreckend, wie viele Larven des Käfers sich in der Rinde der Fichten befinden. Aus diesem Grund sind die zehn Militärangehörigen sich einig, dass man diese Katastrophe vermutlich nicht aufhalten kann. Letztendlich kann man die Ausbreitung des Borkenkäfers nur verlangsamen, aber kaum stoppen.

Abschließend bedankten sich der Revierförster Michael Welte mit seinen Forstwirten, der stellvertretende Forstamtsleiter Martin Keßler und die Ortsbürgermeisterin Karin Mohr für die kooperative Zusammenarbeit und Hilfe bei den Soldatinnen und Soldaten.