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Wäller Wochenspiegel - Anzeiger für die Verbandsgemeinde Westerburg
Ausgabe 42/2019
Hauptthemen - Seite 4
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Verkehrssicherheit auf dem Prüfstand

Verkehrssicherheit auf dem Prüfstand

Behördenübergreifende Verkehrsschau untersuchte alle Verkehrsregelungen in der VG Westerburg

Westerburg. Im Juni 2018 fiel der Startschuss für ein ambitioniertes Projekt: Innerhalb eines Jahres sollte nicht nur die Stadt, sondern jede der 24 Ortsgemeinden in der Verbandsgemeinde Westerburg im Hinblick auf die vorhandenen Verkehrsregelungen untersucht werden.

Unter Federführung der Straßenverkehrsbehörde der Verbandsgemeinde Westerburg bildeten hauptsächlich Vertreter der Kreisverkehrsbehörde in Montabaur und der Polizeiinspektion Westerburg die Kommission, die die sogenannte Verkehrsschau durchführte. Bei den klassifizierten Straßen (Kreis-, Landes- und Bundesstraßen) wurde auch die Meinung der Straßenmeistereien und des Landesbetriebes Mobilität in Diez eingeholt. Auch die jeweiligen Ortsbürgermeister/innen konnten durch ihre Kenntnisse als Ortskundige der Kommission behilflich sein. Zusätzlich wurden auch Eingaben und Hinweise von Bürgern und Fahrschulen beachtet.

Hintergrund der großangelegten Aktion ist die in der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgelegte Verpflichtung der Verkehrsbehörden, alle Verkehrszeichen regelmäßig in den Blick zu nehmen und auf gute Erkennbarkeit sowie Vereinbarkeit mit geltendem Recht hin zu überprüfen. Von Herbert Hippenstiel, zuständiger Sachbearbeiter bei der Kreisverwaltung, war zu erfahren, dass Verkehrsfluss, Verkehrsströme und Verkehrsarten einer immer währenden Veränderung unterliegen, was eine turnusgemäße Überprüfung der Verkehrsregelungen zusätzlich notwendig macht.

„Wir möchten mit unserer Arbeit auch dazu beitragen, den bekannten Schilderwald in Deutschland abzubauen“, erklärte Collin Schmidt von der Westerburger Verkehrsbehörde. Dies sei auch so schon seit Jahren durch die StVO vorgegeben. Insbesondere sollen Schilder, die eine reine Wiederholung von ohnehin gesetzlich geltenden Regelungen darstellen, gar nicht angebracht werden. Je höher die Anzahl und Dichte an Verkehrszeichen ist, desto weniger werden von einem vorbeifahrenden Fahrzeugführer wahrgenommen, was dementsprechend auch eine geringere Beachtung von Verkehrszeichen zur Folge hat. Insgesamt werden so bald rund 670 Verkehrszeichen in der VG Westerburg entfernt!

Andreas Wolf, damals noch stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Westerburg, ist seit einiger Zeit Leiter der Autobahnpolizei in Montabaur: „Durch die Einrichtung von Tempo 30-Zonen in einigen Wohngebieten können vorfahrtregelnde Schilder entfallen – hier gilt dann die klassische „rechts-vor-links“- Regel. Dies fördert erfahrungsgemäß auch die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer und trägt zu einem verringerten Geschwindigkeitsniveau bei.“ Wie wichtig selbst das Vorhandensein von Straßennamenschildern in Wohngebieten ist, konnte die Polizei ebenfalls bestätigen: „Im Einsatz orientieren sich Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr an diesen Schildern – wenn die Orientierung schwer fällt, kann das im Notfall wertvolle Sekunden kosten!“

Neben der Rechtskonformität und Erkennbarkeit von Schildern wurden auch die Markierungen auf den Straßen überprüft. In der Regel werden diese durch die Straßenmeistereien oder verschiedene Fachfirmen regelmäßig erneuert.

Die durch die Kommission festgelegten Neuerungen werden sich in den nächsten Monaten spürbar auf das Gesamtbild in der Stadt Westerburg und den umliegenden Gemeinden auswirken. Als Nebeneffekt wird sich gerade für Westerburg und Umgebung als Prüfungsstandort des TÜV Rheinland für viele Fahrschüler eine bessere Lern- und Prüfungssituation ergeben.

Insgesamt arbeitete die Kommission rund 360 Stunden inklusive Vor- und Nachbereitung an diesem Großprojekt, das allen Beteiligten sehr am Herzen liegt. „Wir wollen erreichen, dass sich alle sicherer fühlen können, wenn sie am öffentlichen Verkehr teilnehmen. Selbstverständlich haben wir gleichermaßen auch Fußgänger und insbesondere Schulkinder als schwächere Verkehrsteilnehmer im Blick“, erklärt Schmidt. Andreas Wolf ergänzt, dass die Behörden ordentliche und rechtssichere Rahmenbedingungen für den reibungslosen Ablauf des Verkehrs schaffen wollen. Er gibt allerdings zu bedenken, dass die Verkehrssicherheit auch zu einem großen Teil bei jedem Verkehrsteilnehmer selbst liegt: „Ein Großteil der Unfälle ließe sich vermeiden, wenn alle ein wenig mehr Rücksicht und Vorsicht bei der Teilnahme am Straßenverkehr walten lassen würden.“

Die Verkehrsschau ist nur eines von mehreren Instrumenten, die die Behörden anwenden, um regelmäßig die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen zu gewährleisten und weiter auszubauen, wie Herbert Hippenstiel weiter ausführt: „Jährlich trifft sich auch die sogenannte Unfallkommission, bei der Unfallhäufungs- und Unfallschwerpunkte untersucht und verschiedene Modelle geprüft werden, um diese Streckenabschnitte nach Möglichkeit sogar gänzlich zu entschärfen. Maßnahmen können beispielsweise eine Änderung der Beschilderung und Markierung, oder aber bauliche Veränderungen am Fahrbahnbelag oder an der Streckenführung sein. Hierbei kommt uns die sehr effiziente Kooperation zwischen allen beteiligten Behörden zu Gute.“

Nun liegt es an den jeweiligen Ortsgemeinden, die bei den Verkehrsschauen festgestellten Mängel und Änderungen sukzessive umzusetzen. Um sicherzustellen, dass das Projekt auch Wirkung zeigt, sind laut Schmidt nach gegebener Zeit auch Überprüfungen durch die Verkehrsbehörde Westerburg vorgesehen.

Die Kommission v.l.: Hippenstiel, Wolf, Schmidt