Auf der Rinde der jungen Buche sind alte, überwachsene Trockenschäden erkennbar. Der Baum hat die damalige Trockenheit überlebt. Der Baum steht in einem sonnigen Südhang.
Eine Reaktion auf Trockenstress ist das frühe Abwerfen von grünen Blättern. Damit können Bäume schnell ihre Verdunstung reduzieren.
Die Blattverfärbung hat in diesem Sommer früh eingesetzt. Die Blätter an manchen Bäumen sind schier verbrannt.
Wird 2026 ein neues Trockenjahr…?
In diesem Jahr haben wir bisher 4 große Hitzewellen erlebt. Lange anhaltende Hochdrucklagen sorgen europaweit für extrem heiße Temperaturen. Zugleich bleibt der Regen aus. Welche Auswirkungen hat dies auf unseren Wald?
Zu Beginn des Jahres war die Ausgangssituation bezüglich der Bodenfeuchte recht gut. Im vergangenen Winter fiel bei uns zwar wenig Schnee, jedoch hatten wir in den folgenden Monaten regelmäßig Niederschläge, die für eine kontinuierliche Wasserversorgung der Pflanzen sorgten. Bis in den Juni hinein war der Waldboden in unserer Region noch gut mit Wasser gesättigt.
Seit Anfang Juli mit ausbleibendem Regen und etlichen Hitzetagen trocknet der Oberboden stark aus. Die Waldbrandgefahr steigt. Waldbrände kannte man bis vor wenigen Jahren nur aus südlichen Ländern. Mittlerweile müssen wir uns auch in Deutschland daran gewöhnen, dass es zu Bränden kommt. Die Ursache ist meist ein sorgloser Umgang von Personen mit Grillstellen oder das Wegwerfen von glimmenden Zigaretten. Die Gefahr wird erhöht durch große Mengen an Totholz, vor allem auf den Waldflächen, auf denen die Fichten abgestorben sind.
Der Wassermangel schwächt die Bäume und erhöht deren Anfälligkeit gegenüber Schädlingen wie Pilzen, Insekten und Krankheiten.
Trockenstress wirkt sich zudem auf das Wachstum aus. Der Zuwachs der Bäume, den man an den Jahrringbreiten eines Baumes ablesen kann, nimmt ab und die Fruchtbildung wird vermindert. Manche Bäume reagieren auf den Stress durch das Abwerfen von Blättern (z.B.: bei der Zitterpappel), dem Abwerfen ganzer Zweige (z.B.: bei Eichen) oder früher Laubverfärbung (z.B.: bei Birken und Linden). Damit begrenzen sie den Wasserverlust. Manchmal sterben die Baumwipfel ab oder sogar der ganze Baum. Das Phänomen des frühen Laubfalls ist bereits seit Ende Juli vor allem an warmen, sonnigen Südhängen zu beobachten. Vor allem Birken haben braune Kronen und drohen abzusterben.
Das Absterben betrifft aber nicht nur die Krone, sondern auch den unterirdischen Teil des Baumes. Auch die Wurzeln trocknen zurück und fangen an zu faulen. Dies führt zu einer schlechteren Versorgung des Baumes auf Jahre hinaus, da die Neubildung von Wurzeln längere Zeit in Anspruch nimmt. Weniger Wurzelmasse und faulende Wurzeln bedeuten zudem, dass der Baum nicht mehr so gut im Boden verankert ist und bei Sturm leichter umfallen kann.
Wenn es an den Hitzetagen zu Niederschlägen kommt, dann meist in Form heftiger Gewitterregen. Leider kann der trockene Boden diese großen Niederschlagsmengen meist nicht aufnehmen. Sie fließen oberflächlich ab und nehmen auch noch Oberboden mit. Vergleichbar mit einem trockenen Schwamm, der beim Benetzen mit Wasser zunächst noch nichts aufnimmt, muss auch der Boden eine gewisse Feuchte haben, damit er das Wasser aufnehmen und speichern kann.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich Europa schneller erwärmt als jeder andere Kontinent. Das bedeutet, dass in Zukunft weitere Hitzejahre zu erwarten sind.
Wie kann sich die Forstwirtschaft auf diese Herausforderungen einstellen?
Aufgrund von Bodenkartierungen, die in den letzten Jahren auch im Wald stattgefunden haben, kann man die jeweiligen Standorte gut einschätzen. Bei Neuanpflanzungen sollten daher standortgemäße Baumarten gewählt werden, die auch bei zunehmender Wärme noch dort wachsen können. Mischbestände mit mehreren Baumarten sind sinnvoll. Denn verschiedene Baumarten erschließen mit ihren Wurzeln unterschiedliche Bodentiefen und können so den Bodenwasserspeicher gut nutzen. Falls eine Baumart mit der Zeit ausfällt, kann die andere Baumart die Lücken füllen.
Werden Waldbestände in der Jugend weitständiger erzogen, können sie größere und tiefreichendere Wurzeln ausbilden und so den Bodenwasserspeicher besser nutzen. Ältere Bestände hingegen sollten nicht zu stark durchforstet werden, da sie aufgrund ihres Alters und ihrer Baumhöhe empfindlicher auf Trockenstress reagieren.
Bei hohen Temperaturen wird von den Pflanzen viel Wasser aus dem Boden gepumpt und verdunstet, dies kühlt den Waldbestand und führt zu Luftfeuchtigkeit und Wolkenbildung. Diese Wolken regnen sich an anderer Stelle wieder ab, was dann wiederum zur Wolkenbildung führt. Die Bäume wirken also wie große Wasserpumpen oder Wolkenmaschinen. Diese Wirkung lässt erst in langen Trockenphasen nach und verschlimmert somit noch die Situation.
Um die Eingangsfrage zu beantworten… 2026 ist bereits ein außerordentliches Trockenjahr mit etlichen europaweiten Hitzerekorden und nie dagewesenen niedrigen Wasserständen in den Flüssen!