Ein bewegender Moment im Ratssaal des Erpeler Rathauses: Karl Feldens (vorne) hält das Tagebuch und die durchschossene Brieftasche seines Großvaters Wilhelm „Willi“ Feldens. Hinter ihm (v. l.) Edgar Neustein, Günter Hirzmann, Verena Geraets mit einem Porträt von Willi Feldens sowie Clarissa Wild mit einem Bild von Maria Feldens.
Eine Brieftasche mit Einschussloch und ein handschriftliches Tagebuch aus den letzten Kriegstagen sind nun Teil des Erpeler Ortsarchivs. Karl Feldens übergab die persönlichen Dokumente seiner Großeltern am 02.03.2026 im Ratssaal des Rathauses an die Ortsgemeinde.
Die Brieftasche gehörte Wilhelm „Willi“ Feldens, der am 07.03.1945 im Bereich des Eisenbahntunnels an der Erpeler Ley ums Leben kam. An diesem Tag erreichten amerikanische Truppen die Ludendorffbrücke, die als „Brücke von Remagen“ bekannt wurde. Während sich auf der westlichen Rheinseite militärisch Geschichte vollzog, suchten auf Erpeler Seite rund 120 bis 150 Zivilisten Schutz im Tunnel.
Als Schüsse fielen, entschieden sich mehrere Frauen, mit weißen Tüchern auf die Soldaten zuzugehen, um weiteres Feuer zu verhindern. Auch Willi Feldens verließ den Tunnel. Zeitzeugenberichten zufolge wurde seine schwarze Eisenbahneruniform möglicherweise mit einer Wehrmachtsuniform verwechselt. Er wurde getroffen und erlag wenig später seinen Verletzungen. Die Kugel hatte seine Brieftasche sowie die darin enthaltenen Dokumente durchschlagen.
Das Tagebuch seiner Ehefrau Maria Feldens, begonnen im Dezember 1944, schildert die dramatischen Ereignisse jener Tage aus persönlicher Sicht: die Angriffe auf Brücke und Ort, die Tage im Tunnel, die verzweifelte Suche nach Hilfe für ihren schwerverletzten Mann – und schließlich die Gewissheit seines Todes. Mit der Unterzeichnung des Übergabeprotokolls und der Eintragung ins Goldene Buch der Gemeinde wurden die Dokumente offiziell in die Obhut des Ortsarchivs übergeben.
Damit bleibt ein eindrückliches Stück Erpeler Zeitgeschichte für kommende Generationen bewahrt.