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Bad Ems-Nassau aktuell, Ausgabe Bad Ems
Ausgabe 24/2020
Öffentliche Bekanntmachungen und sonstige Mitteilungen
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Stadt Nassau investiert massiv in die Zukunft seines Stadtwaldes

Damit im Nassauer Stadtwald wieder ein intakter Wald entsteht, wurden bereits tausende junge Bäume neu gepflanzt. Der zuständige Revierleiter vom „Forstrevier Nassau“, Förster Peter Langen (links), präsentierte Stadtbürgermeister Manuel Liguori (rechts), einen der betroffenen Standorte, welcher der natürlichen Sukzession überlassen wurde.

Nach Stürme, Dürre, Borkenkäfer werden Kahlflächen wieder bewaldet

NASSAU. Im Jahr 2018 verursachte das Orkantief Friederike, die darauffolgende Hitze und Dürre des Sommers im gleichen Jahr - die sich auch im Sommer 2019 fortsetzte - sowie die Massenvermehrung der Borkenkäfer, erhebliche Schäden im Nassauer Stadtwald. Durch die Schadholzanfälle entstanden zum Teil größere Lücken und Kahlflächen im Wald. Jetzt geht es darum, den Wald wieder fit zu machen für die Zukunft.

Wie Förster Peter Langen - zuständiger Revierleiter vom „Forstrevier Nassau“ - bei einem Ortstermin mit Stadtbürgermeister Manuel Liguori und der Redaktion in einem der betroffenen Waldgebiete berichtete, so sind seit dem Frühjahr 2018 bis heute alleine im Stadtwald Nassau rund 10 000 Festmeter Fichte - überwiegend durch den Borkenkäfer - geschädigt, gefällt und aufgearbeitet worden. Wie Förster Langen weitersagte, lässt sich der kalkulatorische Verlust nur schätzen und liegt bei etwa 450 000 Euro. Landesweit, so Förster Langen weiter, wurden im selben Zeitraum etwa 3 370 000 Festmeter „Käferholz“ eingeschlagen. Die Katastrophe erstreckt sich über Mitteleuropa mit noch nicht dagewesenen Ausmaßen, man spricht von 160 Millionen Festmeter Schadholz.

Für die Wiederbewaldung im „Forstrevier Nassau“ stehen rund 20 Hektar Fläche an, die teilweise bepflanzt werden sollen, beziehungsweise diese teilweise bewusst - da sich Baumarten auch selbst sähen - der natürlichen Sukzession überlassen werden. Ziel dieser Vorgehensweise sei, wie Förster Langen weitersagte, ein zukunftsfähiger Mischwald mit nennenswerten Nadelbaumanteilen, welcher dem kommenden Klima bestmöglich angepasst ist und zukünftige Generationen mit dem nicht nur ökologisch hochwertigen Rohstoff Holz versorgen kann. „So ganz nebenbei erfüllt der Stadtwald weitere gesellschaftliche Leistungen, vom Wasserrückhalt und Wasserfilter über die Sicherung von Arbeitsplätzen bis hin zum Psychotop für die gestressten Menschen, das soll auch so bleiben“, so der Revierleiter.

Heute geht es nicht nur noch um Bau- oder Brennholz, sondern Ziel der Aufforstung ist ein artenreicher Wald mit standortgerechten Baumarten. Denn wir steuern auf ein Klimaproblem zu und daher müssen die Forstleute schauen, wie reagieren die verschiedenen Bäume, welcher hat bei diesen Herausforderungen Potenzial. Welche Baumarten dafür in Frage kommen ist eine schwierige Entscheidung, denn bei den Bäumen reicht es nicht, dass man drei bis vier Jahre beobachtet, sondern dazu sind Jahrzehnte nötig. Um auf die schwer abzuschätzenden Risiken des Klimawandels zu reagieren, entschied man sich im Nassauer Stadtwald für eine breite Baumartenpalette. So werden neben heimischen Baumarten wie Eiche, Ahornarten, Vogelkirsche - um nur einige zu nennen - auch Baumarten aus wärmeren Gebieten wie: Esskastanie, Douglasie oder Küstentanne, gepflanzt. Ferner werden im geringen Ausmaße auch Exoten wie zum Beispiel: Baumhasel, Zerreiche oder Hemlocktanne gepflanzt.

Wie Förster Langen weiter berichtet, wurden im Nassauer Wald in den Jahren 2019 und in diesem Jahr bereits rund 33.000 Pflanzen gesetzt, von denen leider im sehr trockenen Sommer 2019 sehr viele eingegangen sind. Mit der Pflanzung, dem Schutz vor Wild und dem freimähen während etwa der ersten zehn Jahre, investiert die Stadt Nassau massiv in die Zukunft des Stadtwaldes.

Die gehäuften Witterungsereignisse der letzten Jahre und der Wärmeprofiteur Borkenkäfer haben eines gezeigt, fichtenreiche, einschichtig, geschlossene Waldbestände sind den Änderungen des Klimawandels zunehmend nicht mehr gewachsen. Daher ist es wichtig, obwohl man damit rechnen muss, dass der Borkenkäfer in den nächsten Jahren noch viele Bäume zum Absterben bringen wird, dass jetzt bereits mit der Wiederbewaldung begonnen wird.

Text und Foto: Achim Steinhäuser