Pünktlich um 12 Uhr marschierten die Auszubildenden des Jahrgangs Diez 26 II und die Studierenden des Studienjahrgangs 83 auf dem Marktplatz in Diez ein. Vor ihren Familien, Freunden, Kolleginnen und Kollegen sowie zahlreichen Gästen erlebten sie einen besonderen Moment: ihre feierliche Vereidigung und zugleich eine Premiere für das Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Diez. Denn erstmals erfolgte der Einmarsch zu den Klängen des eigens für den Standort entstandenen Fanfarenmarsches „Adler von Diez“.
Zurück auf dem Marktplatz
Es war nicht das erste Mal, dass die Bundespolizei mit einer feierlichen Vereidigung auf dem Diezer Marktplatz zu Gast war. Bereits 2017 und 2018 fanden hier feierliche Gelöbnisse statt. Mit der Rückkehr auf den Marktplatz knüpfte das Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Diez nun bewusst an diese Tradition an. Und auch musikalisch schloss sich an diesem Tag ein Kreis. 2017 hatte das damals noch junge AFZ Diez mit einem ungewöhnlichen Einmarsch für Aufmerksamkeit gesorgt: Zu den Klängen des Titelsongs aus „Police Academy“ marschierten die Nachwuchskräfte auf den Marktplatz ein. Die Idee wurde damals durchaus kritisch gesehen. Ob das funktionieren würde? Ob ein solcher Titel zu einer polizeilichen Vereidigung passen würde? Das AFZ Diez wagte es und es funktionierte. Der Einmarsch wurde zu einem besonderen Markenzeichen. Einige Einheiten griffen die Idee auf und bis heute erfreut sich der „Police Academy“-Marsch bei Einmärschen großer Beliebtheit. Doch mit Blick auf das bevorstehende zehnjährige Bestehen des Standortes war es nun Zeit, erneut neue Wege zu beschreiten. Und wo hätte diese Premiere besser stattfinden können als auf dem Marktplatz in Diez?
„Adler von Diez“ - ein Marsch für den Standort
Die Idee war klar: Der Standort sollte einen eigenen Fanfarenmarsch bekommen. So entstand „Adler von Diez“. Die musikalische Grundidee wurde von Melanie und Kevin Kostka mithilfe künstlicher Intelligenz als kreativem Werkzeug entwickelt. Aus dieser ersten musikalischen Idee sollte anschließend ein Stück entstehen, das von einem professionellen Orchester gespielt werden kann. Hier kam Matthias Höfert vom Bundespolizeiorchester Hannover ins Spiel. Er griff die Idee auf, entwickelte sie musikalisch weiter und überführte sie in eine Orchesterfassung. So entstand die Partitur, die schließlich vom Bundespolizeiorchester Hannover umgesetzt werden konnte. Am 25. September war es dann so weit:
„Adler von Diez“ erklang erstmals öffentlich. Gespielt vom Bundespolizeiorchester Hannover. Eine Premiere für den Standort. Ein neuer musikalischer Auftakt. Und ein Marsch, der künftig untrennbar mit dem Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Diez verbunden sein soll. Vor allem aber war es der Marsch dieses Jahrgangs. Denn die Auszubildenden und Studierenden waren die Ersten, die zu den Klängen von „Adler von Diez“ zu ihrer Vereidigung einmarschierten. Für die Entstehung und die Weltpremiere dankte Dienststellenleiter Thomas Mujovi allen Beteiligten ausdrücklich. „Aus einer Idee wurde eine Partitur. Aus einer Partitur wurde ein Orchesterwerk. Und aus einem Gedanken wurde schließlich ‚Adler von Diez‘,“ so Mujovi. Der Adler auf dem Ärmel und Verantwortung im Handeln In seiner Festrede griff Thomas Mujovi auch den Namen des neuen Marsches auf. Den Adler tragen die Nachwuchskräfte bereits auf ihrem Ärmel. Er macht sichtbar, in wessen Auftrag sie künftig handeln. Doch Mujovi richtete den Blick bewusst weg vom äußeren Symbol hin zur inneren Haltung: „Entscheidend ist nicht, was Sie auf dem Ärmel tragen. Entscheidend wird sein, wie Sie handeln, wenn Sie diese Uniform tragen.“ Damit beschrieb der Dienststellenleiter zugleich einen wesentlichen Gedanken der Ausbildung in Diez: Die Uniform allein macht noch keine gute Polizeibeamtin und keinen guten Polizeibeamten. Es sind Kompetenz, Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und der respektvolle Umgang mit Menschen, die das polizeiliche Handeln prägen.
Polizei mitten in der Stadt - bewusst sichtbar und ansprechbar
Dass die Vereidigung erneut mitten im Herzen von Diez stattfand, war kein Zufall. „Diez ist unser Zuhause“, betonte Mujovi in seiner Festrede. Hier befindet sich das Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum. Hier beginnt für viele Nachwuchskräfte der Weg in die Bundespolizei. Hier wird gelernt, trainiert, gefordert und gefördert. Doch Bundespolizei findet nicht nur hinter den Toren einer Liegenschaft statt. „Deshalb finde ich es richtig, dass wir heute nicht hinter den Toren unserer Liegenschaft feiern, sondern genau hier: mitten in der Stadt, mitten unter den Menschen.“ Denn genau für diese Menschen sei die Polizei da. „Polizei braucht Nähe, Polizei braucht Vertrauen. Und Polizei muss sichtbar und ansprechbar sein.“ Die öffentliche Vereidigung sollte deshalb auch ein Zeichen setzen: Die Bundespolizei gehört in die Mitte der Gesellschaft und stellt sich mit ihrem Auftrag sichtbar vor die Menschen.
75 Jahre Bundespolizei - Verantwortung für die nächste Generation
Eine besondere Bedeutung erhielt die Veranstaltung auch durch das Jubiläumsjahr. 2026 feiert die Bundespolizei ihr 75-jähriges Bestehen. 1951 begann ihre Geschichte als Bundesgrenzschutz. Seitdem haben sich Organisation, Aufgaben und gesellschaftliche Rahmenbedingungen immer wieder verändert. 75 Jahre Bundespolizei bedeuten damit nicht nur Rückblick und Erinnerung an Generationen von Kolleginnen und Kollegen, die vor den heutigen Nachwuchskräften diese Uniform getragen haben. Ein Jubiläum richtet den Blick immer auch nach vorne. Und die nächste Generation steht bereits bereit. „Ein Jubiläum sollte nicht nur zurückblicken. Es sollte auch immer die Frage stellen: Was kommt als Nächstes? Und wer übernimmt Verantwortung für das, was kommt?“ Die Antwort des Dienststellenleiters auf diese Frage: „Sie.“ Die Auszubildenden und Studierenden des Jahrgangs Dienst 26 II und des Studienjahrgangs 83 werden die Bundespolizei in den kommenden Jahren mit ihrer Persönlichkeit, ihren Entscheidungen und ihrem beruflichen Handeln mitprägen. „Ich schwöre“ - ein Versprechen an den Rechtsstaat Im Mittelpunkt der rund einstündigen Veranstaltung stand schließlich der Moment, auf den alle gewartet hatten. Nach den Grußworten und der Festrede legten die Auszubildenden und Studierenden ihren Diensteid ab. Gegen 12:45 Uhr erklang auf dem Marktplatz der gemeinsame Ruf: „Ich schwöre.“ Thomas Mujovi machte in seiner Rede deutlich, dass der Eid weit mehr sei als ein formaler Bestandteil der Ernennung: „Sie geben heute ein Versprechen - nicht mir, nicht dem Ausbildungszentrum und auch nicht irgendeiner abstrakten Behörde. Sie geben dieses Versprechen unserem demokratischen Rechtsstaat und damit den Menschen, denen er dient.“ Ein großes Versprechen - und zugleich eines, dessen Bedeutung sich für die Nachwuchskräfte erst im Laufe ihres Berufslebens immer wieder ganz konkret zeigen wird. Wenn Menschen Hilfe benötigen. Wenn unter Druck Entscheidungen getroffen werden müssen. Wenn jemand provoziert und trotzdem professionell gehandelt werden muss. Oder wenn es darum geht, von seinen Befugnissen verantwortungsvoll Gebrauch zu machen. Dann, so Mujovi, bekomme der heutige Eid seine eigentliche Bedeutung. „Haltung zeigt sich nicht in dem Moment, in dem alles einfach ist. Haltung zeigt sich dann, wenn es darauf ankommt.“
Was eine gute Polizeibeamtin und einen guten Polizeibeamten ausmacht
Die Ausbildung in Diez vermittelt deshalb weit mehr als Fachwissen. Gesetze, Einsatztraining, Sport, Prüfungen und zahlreiche weitere Ausbildungsinhalte gehören ebenso dazu wie die Entwicklung persönlicher und sozialer Kompetenzen. „Wenn Sie dieses Ausbildungszentrum irgendwann verlassen, soll mehr geblieben sein als Wissen, das man in einer Prüfung abrufen kann.“ Gute Polizeiarbeit brauche Urteilsvermögen, Mut, Empathie und die Fähigkeit zuzuhören. Und vor allem brauche sie Menschen, die anderen mit Respekt begegnen - gerade dann, wenn ihnen selbst vielleicht kein Respekt entgegengebracht werde. Dabei formulierte Mujovi einen Gedanken, der die Nachwuchskräfte auf ihrem gesamten beruflichen Weg begleiten soll: „Eine Uniform gibt Ihnen Befugnisse. Aber sie gibt Ihnen nicht automatisch Autorität.“ Autorität entstehe durch das eigene Handeln - durch Kompetenz, Verlässlichkeit, Fairness und die Art, wie man mit Menschen umgeht. Sein Wunsch an die Nachwuchskräfte: „Seien Sie ehrgeizig. Fordern Sie sich. Stellen Sie viele Fragen, machen Sie Fehler und lernen Sie daraus. Aber bewahren Sie sich bei allem eins: Bleiben Sie Mensch.“
Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen
Auch das Miteinander innerhalb der Jahrgänge nahm in der Festrede einen wichtigen Platz ein. Viele der jungen Menschen, die heute nebeneinander auf dem Marktplatz standen, kennen sich erst seit kurzer Zeit. Doch aus gemeinsamem Lernen, Training, Erfolgen, Herausforderungen und auch dem einen oder anderen Streit entsteht im Laufe der Ausbildung etwas Entscheidendes: Vertrauen. Denn Polizeiarbeit ist Teamarbeit. „Später wollen Sie im Einsatz nicht darüber nachdenken müssen, ob Sie sich auf die Kollegin oder den Kollegen neben Ihnen verlassen können. Sie müssen das wissen.“ Doch damit sei auch eine persönliche Verpflichtung verbunden: „Seien auch Sie der Mensch, auf den andere sich verlassen können.“
Ein besonderer Dank an Familien und Freunde
Ein besonderer Dank galt auch den Familien, Partnerinnen und Partnern sowie Freunden der Nachwuchskräfte. Denn Ausbildung und Studium bestehen nicht ausschließlich aus erfolgreichen Prüfungen und besonderen Momenten. Es wird auch anstrengende Phasen geben, Rückschläge und Tage, an denen nicht alles nach Plan läuft. „Dann braucht es Menschen, die zuhören, die erden, die Mut machen, die auffangen und manchmal vielleicht auch sagen: Morgen gehst du aber wieder hin.“ Diesen Rückhalt würdigte der Dienststellenleiter ausdrücklich. Denn auch wenn das Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrum die Verantwortung für Ausbildung und Studium trägt, gehen die Nachwuchskräfte ihren Weg nicht allein.
Grußworte aus Stadt und Seelsorge
Durch die Veranstaltung führte Melanie Kostka. Erste Polizeihauptkommissarin Yvonne Blech, Leiterin des Zentralbereichs des Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrums Diez, begrüßte die zahlreichen Gäste und führte durch das Programm. Grußworte übermittelten außerdem Stadtbürgermeisterin Annette Wick sowie Oberpfarrer Stefan Becker für die Seelsorge. Damit wurde auch die enge Verbindung zwischen dem Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum und der Stadt Diez sichtbar. Bundespolizeiorchester Hannover und Menna Mulugeta sorgen für besondere musikalische Momente
Musikalisch wurde die Vereidigung vom Gesamtorchester des Bundespolizeiorchesters Hannover unter der Leitung von Matthias Wegele begleitet. Für einen weiteren besonderen musikalischen Moment sorgte Menna Mulugeta, bekannt aus The Voice of Germany. Mit seiner eindrucksvollen Stimme präsentierte er mehrere Titel und zeigte dabei die große Bandbreite seines gesanglichen Könnens. So wurde die Vereidigung nicht nur zu einem offiziellen Akt, sondern zu einer abwechslungsreichen und emotionalen Veranstaltung, die Tradition, Moderne und Gemeinschaft miteinander verband.
„Auf uns“ - der Ausmarsch in eine neue Zeit
Gegen 13:00 Uhr erklang schließlich die deutsche Nationalhymne. Danach hieß es: Aufstellung zum Ausmarsch. Und auch dafür hätte die Musikauswahl kaum passender sein können: „Auf uns“. Die Nachwuchskräfte marschierten vom Marktplatz hinaus in ihren neuen beruflichen Lebensabschnitt. Auf uns. Auf euch. Auf die gemeinsame Zeit. Und auf das, was vor ihnen liegt.
Herzlich willkommen in der Familie Bundespolizei!
Mit der feierlichen Vereidigung beginnt für die Auszubildenden des Jahrgangs Dienst 26 II und die Studierenden des Studienjahrgangs 83 nun ein neuer Abschnitt. Viele von ihnen werden in den kommenden Monaten und Jahren in Diez lernen, trainieren, Prüfungen absolvieren, Herausforderungen meistern und Freundschaften schließen. Sie werden Erfolge feiern. Sie werden Rückschläge erleben. Sie werden Fehler machen und daraus lernen. Und sie werden Schritt für Schritt zu Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamten ausgebildet, die künftig Verantwortung übernehmen. Am 25. September 2026 haben sie dafür einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Mit einem neuen Marsch. Mit einem gemeinsamen Eid. Und mit dem Adler bereits auf dem Ärmel. Oder, wie Thomas Mujovi es am Ende seiner Festrede formulierte: „Bleiben Sie neugierig. Bleiben Sie verlässlich. Bleiben Sie menschlich.“ Und dann gab er den Nachwuchskräften drei Worte mit auf ihren Weg: „Machen Sie etwas Gutes daraus.“ Herzlich willkommen im Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Diez. Herzlich willkommen in der Familie Bundespolizei.