Foto: Anwesende aus dem Kreis der Projektgruppe, Projektpartner und Sponsoren vor dem WK II-Jeep im Innenhof des Theaters mit OB Siefert und Bgm. Lauer (Foto: Blanka Linnemann)
Bei Kriegsende 1945 lagen 53 % aller Wohngebäude in Oberlahnstein und 30 % in Niederlahnstein in Trümmern; 320 Zivilisten und 173 Wehrmachtsangehörige waren als Kriegstote im Stadtgebiet zu beklagen. Ihr Schicksal und manches tragische Ereignis der letzten Kriegstage machte Stadtarchivar Bernd Geil im Abschlussvortrag der Reihe zum Kriegsende 1945 zwischen Koblenz und Kaub am 23. Juni im ausverkauften Theater Lahnstein anschaulich greifbar.
Ab Sommer 1944 wurde der Krieg in Ober- und Niederlahnstein - erst 1969 erfolgte die Zusammenlegung zur Stadt Lahnstein - durch Luftangriffe spürbar, die sich mit der näher rückenden Front noch intensivierten. Allein der schwerste Angriff am 11. November forderte 222 Tote, darunter zahlreiche Insassen eines Lazarettzuges. Anfang März 1945, den Fall von Koblenz vor Augen, sprengten deutsche Pioniere alle Rheinbrücken in Koblenz sowie die Brücke bei Urmitz, am 19. März dann die Lahnbrücke zwischen Ober- und Niederlahnstein. 13 Luftangriffe und zwei Wochen Artilleriebeschuss bereiteten die Einnahme beider eng verwachsener Orte vor.
Am 20. März forderte die US Army per Lautsprecher zur Kapitulation auf, worauf viele Einwohner trotz Todesandrohung weiße Fahnen hissten. Dass Lahnstein vor der totalen Zerstörung bewahrt blieb, ist der mutigen Tat der Oberlahnsteiner Bürger Jakob Kühn, Paul Sesterhenn und Peter Hilgert zu verdanken. Sie setzten in der Nacht zum 21. März mit dem Boot über den Rhein über und handelten die kampflose Übergabe an die US Army aus. Zuvor hatten schon Oberlahnsteins Bürgermeister Jakob Bollinger und Niederlahnsteins Bürgermeister Alfred Retzmann kühn den Befehl zur Evakuierung durch die örtliche NSDAP-Leitung ignoriert.
Am 25. März setzten US-Truppen trotz heftiger Gegenwehr nach Oberlahnstein über; am 27. März 1945 endete der Krieg am Rhein-Lahn-Eck. Die Amerikaner bauten rasch eine Zivilverwaltung auf und setzten Jakob Bollinger und Ludwig Satori als Bürgermeister für Ober- bzw. Niederlahnstein ein. Ein sich demokratisch konstituierender Beirat übernahm umgehend die Bewältigung von Kriegsschäden, Mangelversorgung und die Beseitigung von NS-Emblemen. „Es gab keine Stunde Null“, bilanzierte Geil den nahtlosen Übergang zur deutschen Zivilverwaltung.
Der von Ulrich Linnemann moderierte Abend endete mit einer Podiumsrunde zur Erinnerungskultur mit Stefan Michels, Dr. Katharina Thielen (Stadtarchiv Koblenz) sowie Prof. Dr. Michael Klemm und Florian Weber (KuLaDig-RLP). Angesichts schwindender Zeitzeugen sei rasches Handeln gefragt, so Linnemann, der von technischen und finanziellen Unklarheiten bei den projektierten Zeitzeugeninterviews sprach, aber an deren beabsichtigter Umsetzung festhält. KuLaDig-RLP bot Hilfe bei der digitalen Präsentation von Texten, Interviews und Fotos zur Erinnerungskultur an. Denkbar sei auch eine Themenroute im Rahmen von „KuLaDig-RLP meets BUGA 2029“. Oberbürgermeister Lennart Siefert und Bürgermeister Johannes Lauer sagten Unterstützung zu, Interviews künftig im Theater Lahnstein aufzuzeichnen. Die Projektgruppe dankte abschließend allen Partnern, Sponsoren und Schirmherr OB Siefert.
Zum Veranstaltungsformat entstand im TALK56 bei TV Mittelrhein ein Interview mit Ulrich Linnemann und Florian Weber (KuLaDig-RLP), das auch online abrufbar ist.
Zeitzeugenkontakt erbeten über das Stadtarchiv Lahnstein, Bernd Geil, Tel. 02621 914-296; E-Mail archiv@lahnstein.de.