Seit mehr als 60 Jahren erleben Kinder auf der „Scheune“ oberhalb von Braubach unvergessliche Sommerferien. Mehr als 430 Mädchen und Jungen verbringen hier in diesem Jahr Zeit voller Abenteuer, Gemeinschaft und Natur - ermöglicht durch das große Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher. Das Hämmern ist schon von Weitem zu hören. Zwischen hohen Bäumen tragen Kinder lange Äste durch den Wald, diskutieren über den besten Platz für das Dach ihrer Hütte oder verschwinden lachend zwischen Büschen und Baumstämmen. Andere spielen auf der Wiese, knüpfen Freundschaftsbänder oder sitzen zusammen und spielen Gesellschaftsspiele. Es ist einer dieser Sommertage, an denen die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen scheint.
Wer die Scheune oberhalb von Braubach besucht, spürt sofort: Hier ist etwas Besonderes entstanden. Seit mehr als 60 Jahren erleben Kinder hier Sommerferien, die in Erinnerung bleiben. Mitten in der Natur. Mit viel Freiraum, Abenteuer und Gemeinschaft. Auch in diesem Jahr werden in drei zweiwöchigen Kursen mehr als 430 Kinder betreut. Die Stadtranderholung ist ein Angebot des Bistums Limburg und der Region Westerwald-Rhein-Lahn - getragen von einem engagierten und eng miteinander verbundenen Team aus Ehrenamtlichen, das Jahr für Jahr dafür sorgt, dass aus Ferien unvergessliche Erlebnisse werden.
In diesem Jahr war Hildegard Wustmans, die Bischöfliche Bevollmächtigte im Bistum Limburg, bei der Ferienfreizeit zu Besuch. Sie wollte den Kindern mit ein paar Süßigkeiten eine Freude machen und erleben, was es bedeutet ein so großes Angebot mitten im Wald durchzuführen. Vor allem ging es ihr aber auch darum, Danke zu sagen. Danke für den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen, die mit großem Engagement Verantwortung übernehmen und Kindern einen unbeschwerten Sommer ermöglichen.
Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, warum die Scheune für so viele Familien weit mehr ist als eine Ferienfreizeit. Kinder bauen Hütten im Wald, spielen Geländespiele, gehen auf Nachtwanderung, basteln, entdecken die Natur oder sitzen gemeinsam auf Baumstämmen und schmieden Pläne für den nächsten Tag. Handys spielen kaum eine Rolle. Stattdessen wird gesägt, gehämmert, gelacht und gemeinsam überlegt, wie aus ein paar Ästen ein stabiles Dach entsteht.
Hinter all dem stehen mehr als 25 Ehrenamtliche rund um Sebastian Seifert. Er ist der Vorsitzende des Vereins Kolpinghaus Bucheneck, dem das Gebäude Scheune gehört. Sie organisieren Geländespiele, begleiten Nachtwanderungen, planen Workshops, kochen, trösten und haben für jedes Kind ein offenes Ohr.
Bemerkenswert ist, dass viele von ihnen selbst einmal als Kinder auf der Scheune waren. Jahre später kommen sie zurück, übernehmen Verantwortung und geben weiter, was sie selbst erlebt haben. Neue Ehrenamtliche müssen kaum gesucht werden. Viele Jugendliche fragen schon früh, ob sie später mithelfen dürfen. So trägt sich die Scheune seit mehr als sechs Jahrzehnten nahezu aus eigener Kraft - von Generation zu Generation.
Wie tief diese Verbundenheit reicht, zeigt ein Beispiel: Selbst der Lahnsteiner Oberbürgermeister Lennart Siefert engagiert sich seit fast drei Jahrzehnten ehrenamtlich auf der Scheune. „Über alle Sommer hinweg habe ich inzwischen mehr als eineinhalb Jahre meines Lebens hier verbracht“, sagt Siefert begeistert.
Vielleicht ist genau das das Geheimnis der Scheune: Am Ende nehmen die Kinder weit mehr mit nach Hause als die Erinnerung an einen schönen Sommer. Sie nehmen Freundschaften mit. Selbstvertrauen. Erlebnisse, die bleiben. Und viele von ihnen kehren Jahre später zurück - nicht mehr als Teilnehmer, sondern als diejenigen, die für die nächste Generation unvergessliche Sommer möglich machen.