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Ausgabe 10/2021
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Mike Weiland im Gespräch mit Willi Pusch: Lärmschutz und Entwicklung der Schieneninfrastruktur wird vernachlässigt

Willi Pusch (links) und Bürgermeister Mike Weiland (rechts) im vergangenen Sommer bei einem Ortstermin zum Thema Bahnlärm. Foto: Archiv VG Loreley

Die Menschen haben gehofft, dass es nach dem Fahrplanwechsel 2020/21 leiser werden würde, weil Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angekündigt hatte, dass es ab diesem Datum ein Verbot für laute Güterzüge auf deutschen Schienen geben würde. „Das wurde auch so im Schienenlärmschutzgesetz verankert“, betont der Vorsitzende der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn, Willi Pusch, im Gespräch mit Bürgermeister Mike Weiland. Dass die versprochenen Maßnahmen gegen laute Güterzüge vom Bundesverkehrsminister jedoch im Handstreichverfahren zurückgenommen wurden, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Initiativen, Kommunalpolitiker und Bürger, die vom Bahnlärm betroffen sind und sich seit Jahren gegen die lauten Züge wehren, sind sich Willi Pusch und Mike Weiland einig.

Die Menschen im Rheintal bekommen hautnah mit, dass das deutsche und über 170 Jahre alte Schienennetz nicht nur der Masse nicht gewachsen, sondern sogar mit Blick auf die Zukunft richtig überlastet sein wird. Lärm und Erschütterungen sind die Folgen, die von uralten Wagenmaterial und einer schlechten Infrastruktur ausgeht, die Menschen im Rheintal und der Tourismusbranche erheblich belasten.

„Das ist eine Untergrabung der Vertrauens- und Glaubwürdigkeit des Bundesverkehrsministeriums“, schimpft Willi Pusch. Seine Bürgerinitiative setze sich seit 1994 gemäß dem Zweck des Vereins im Sinne der lärmgeplagten Menschen im Mittelrheintal, dem unterem Rheintal und dem Rheingau für die Bewahrung der Gesundheit der hier lebenden Menschen sowie die Förderung des Umweltschutzes der Region gegen die wachsenden Auswüchse des Schienengüterverkehrs ein. Dabei spielen die Forderungen nach wesentlich mehr Schutz vor Schienenlärm und schweren erdbebenartigen Erschütterungen, ausgelöst von alten Güterwaggons mit unrunden Rädern, dem Schutz vor Feinstaub sowie vor Kupferabrieb der Oberleitungen eine zentrale Rolle.

„Trotz des aktuellen Rückschlages wird sich unsere Bürgerinitiative erneut eindringlich bei allen politischen Parteien ihre berechtigten Forderungen nach mehr Lärm- und Erschütterungsschutz, dem Bau einer Neubautrasse nur für den Schienengüterverkehr, wie dem Bau des Rheintal-Tunnelsystems von St. Augustin bei Bonn bis Mainz-Bischofsheim, anmahnen, um so das Nadelöhr im Rheintal aufzulösen“, zeigt sich Willi Pusch im Gespräch mit Bürgermeister Mike Weiland kämpferisch. Mike Weiland sieht sein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative als Auftakt für Puschs Forderung gegenüber den politischen Parteien. „Ich werde die BI gerne nach meinen Möglichkeiten weiterhin unterstützen, so wie ich es auch in anderen Funktionen bereits in Vergangenheit getan habe“, unterstreicht Mike Weiland. Gemeinschaftlich könne man die Kräfte bündeln und in enger Absprache Verbesserungen für die Menschen im Mittelrheintal einfordern, so Weiland weiter.

Betrachte man sich die beiden wichtigsten Nord-Süd-Strecken des europäischen Schienengüterverkehrs, so wird man feststellen, sobald Züge aus den Nachbarländern in das deutsche Schienennetz einfahren, bedeutet dies das Ende des Schienengüterverkehrs mit höheren Geschwindigkeiten und die Fortsetzung der Fahrt mit Geschwindigkeiten, die langsamer sind, als der Gütertransport per LKW auf der Autobahn, erläutert Willi Pusch. Ein erheblicher Anteil an Kapazitätsengpässen werde von der Bundesregierung selbst verschuldet, da sie den Vertrag von Lugano mit der Schweiz, Italien und den Niederlanden aus dem Jahr 1996, in dem man sich auf den Ausbau von Schienenwegen verständigte, nicht eingehalten habe, um so, wie versprochen, die Voraussetzungen für einen florierenden Güterverkehr zu schaffen - im Gegenteil: Die Bahn hat nicht einmal damit begonnen. Zwar seien alle deutschen Politiker für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene, aber die Realität in Deutschland sei Dank Verkehrsminister Scheuer davon weit entfernt, bringt es Pusch auf den Punkt. Es liegt auf der Hand, dass Bauentscheidungen und die Realisierung von neuen Trassen, wie das Rheintal-Tunnelsystem von St. Augustin bei Bonn bis Mainz-Bischofsheim, für den Güterverkehr in Deutschland massiv beschleunigt werden müssen, ansonsten müssen die europäischen Nachbarländer weitere 20 Jahre warten bis etwas passiert. Die Beseitigung des Nadelöhrs „Mittelrheintal“ würde dazu beitragen, den Güterverkehr in den kommenden Jahren von der Straße auf die Schiene zu bringen, sind sich Willi Pusch und Mike Weiland einig.